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Kanton
25.11.2021
24.11.2021 17:01 Uhr

SVP St.Gallen wollte Wurmmittel gegen Covid einsetzen

Eigentlich ein Wurmmittel: Ivermectin
Eigentlich ein Wurmmittel: Ivermectin Bild: Linth24/ Fotomontage
In einer Interpellation schlägt die St.Galler SVP-Fraktion unter anderem vor, sich für ein Wurmmittel zur Behandlung von Corona einzusetzen. Kürzlich warnte Swissmedic jedoch vor dem Medikament.

Wenige Tage vor der Abstimmung über das Covid-Gesetz haben diverse Medien über das Medikament Ivermectin berichtet – ein Medikament, das eigentlich zur Behandlung von Parasiten bei Pferden, Schafen und Rindern gedacht ist und von welchem in impfskeptischen Kreisen behauptet wird, es könne bei einer Behandlung von Covid-19-Patienten helfen. Im St.Galler Kantonsrat wurden bereits im September zum entsprechenden Medikament Fragen gestellt – und zwar vor allem von der SVP-Fraktion.

«Verbreitet, aber umstritten»

Wie «20 Minuten» berichtet, reichte die SVP im September 2021 im Kantonsrat eine Interpellation mit Fragen zum Coronavirus ein, wobei unter anderem die Frage gestellt wurde, wie die St.Galler Regierung zu einer «möglichst baldigen Marktzulassung von Ivermectin sowie anderer Covid-Medikamente (nicht Impfungen)» stehe und ob sich die Regierung in Bern dafür einsetzten würde. In der Stellungnahme, welche dem «St.Galler Tagblatt» vorliegt, weist die SVP darauf hin: «Wir schlagen weder alleinig noch explizit Ivermectin vor. Unser Bestreben ist es, dass sich Zulassungsstellen auch konkret Gedanken über alternative Heilmittel machen.»

SVP-Kantonsrat Christopher Chandiramani, früherer Bank-Analyst für Pharmaaktien, führt gegenüber Linth24 aus: «Ivermectin ist ein Begriff aus der Landwirtschaft und Veterinärmedizin. Die gleichzeitige Applikation als Corona-Medizin ist auch verbreitet, aber umstritten. Es gibt aber zahlreiche glaubwürdige Meldungen von Genesungen, jedoch auch Verschlimmerungen der Krankheit und Spitaleinweisungen. Es gibt heute auch positive Meldungen über ein anderes Heilmittel, CDL/CDS (Chlordioxydlösung verdünnt mit Reinwasser), sogar von Blitzheilungen innert weniger Tage.»

«Kein politischer Entscheid»

Mit einem Schreiben antwortete die Regierung auf die Zulassungsfrage, jedoch nur ausweichend: «Die Zulassung eines Medikaments durch Swissmedic erfolgt nach international anerkannten Kriterien in den Bereichen Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit. [...] Welche medikamentösen Therapien zugelassen werden, ist darum richtigerweise ein wissenschaftlicher Entscheid und kein politischer.»

«Die Antwort der St.Galler Regierung wirkt desinteressiert», meint Kantonsrat Chandiramani. «Es wird auf die Gesundheitsbehörden die Bundes verwiesen, Bundesamt für Gesundheit (BAG), Experten und Führungsstab sowie den Bundesrat. Impfen sei zurzeit die beste Lösung gegen die Corona-Erkrankung, auch gut seien die Zertifikate, Tests und Hygiene-Massnahmen. Die Entwicklung von Medikamenten schreite voran, aber zurzeit existiere noch nichts Wirksames für Infizierte.»

Heilmittelbehörde warnt

Die Heilmittelbehörde Swissmedic warnte sogar Anfangs November in einem Communiqué: «Kaufen sie keine Medikamente zur Behandlung oder Vorbeugung einer Covid-19 Infektion im Internet.» Aktuell würden nämlich keine wissenschaftliche Belge vorlegen, dass Ivermectin tatsächlich bei der Behandlung von Covid-19 helfen würde. «Wer Ivermectin unkontrolliert einnimmt, gefährdet seine Gesundheit», schrieb die Swissmedic.

Linda Barberi, Linth24/stgallen24