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Stadt St. Gallen
25.11.2021
25.11.2021 08:41 Uhr

600'000 Franken in St.Gallen abgezockt

Opfer sind vor allem ältere Frauen
Opfer sind vor allem ältere Frauen Bild: Pixabay
Ein lukratives aber illegales Geschäftsmodell: Falsche Polizisten. Mit der Masche haben Betrüger schon 4,3 Millionen Franken in der Schweiz erbeutet – eine Verzehnfachung in vier Jahren. Im Kanton St.Gallen wurden schon 600'000 Franken abgezockt.

Wenn ein Polizist am Telefon Geld verlangt, sollte man eigentlich merken, dass etwas nicht richtig sein kann. Und dennoch fallen vor allem ältere Frauen auf die Betrüger herein.

Die Masche ist immer recht ähnlich: Die Gauner rufen an und erzählen von irgendwelchen Verbrechern. Diese habe man gefasst, aber man habe herausgefunden, dass man auf ihrer «Zielliste» sei. So solle man doch bitte Geld von der Bank abheben, weil dies dort nicht mehr sicher ist oder um die vermeintlich gefassten Verbrecher zu locken. So werden die Betrugsopfer gebeten, Geld oder Wertsachen an einem Ort zu deponieren. 

Schweizweit 4,3 Millionen erbeutet

Die Anzahl Fälle, bei denen ältere Menschen von sogenannten falschen Polizisten abgezockt werden, hat drastisch zugenommen: Vor fünf Jahren hat es noch sechs Betrugsfälle gegeben, letztes Jahr sind die Betrüger 118 Mal erfolgreich gewesen. Die erbeutete Summe hat sich fast verzehnfacht – von 450'000 auf 4,3 Millionen Franken. Die Masche mit den falschen Polizisten hat den Enkeltrick mittlerweile ersetzt.

In der Ostschweiz häufen sich die Meldungen ebenfalls extrem. Knapp 800 Betrugs-Anrufe wurden von der Kapo St.Gallen in diesem Jahr registriert. Erst am Freitag ist eine 68-jährige Frau aus St.Gallen auf die bewährte Masche reingefallen. Eine unbekannte Betrügerin hat die Frau um 22'000 Franken erleichtert.

«Die Anrufe sind eine riesige Plage», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, gegenüber «FM1Today». «Es sind sowohl weibliche wie männliche Täter, die in den Telefonbüchern bewusst nach Namen suchen, die älter klingen. Leider nutzen sie ein Geschäftsmodell, das offenbar funktioniert.»

Schon 600'000 Franken in St.Gallen abgezockt

Opfer sind vor allem über 70-Jährige gewesen. In St.Gallen haben die falschen Polizisten bereits 600'000 Franken erbeutet. «Wir gehen von einer grossen Dunkelziffer aus», sagt Hanspeter Krüsi. «Vermutlich gibt es in Wirklichkeit fünf bis sechs Mal mehr Anrufe – und auch die Deliktsumme dürfte zwei bis drei Mal höher sein.» Viele Geschädigte würden sich aus Scham nicht bei der Polizei melden.

Die Polizeien lancieren regelmässig Sensibilisierungskampagnen. Auch Pro Senectute bietet extra Kurse für Senioren an, um auf die Gauner aufmerksam zu machen. Diese seien auch wichtig, damit die Senioren untereinander darüber reden.

pez/stgallen24