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Kanton
08.07.2021
08.07.2021 11:10 Uhr

Migranten auf der Intensivstation: Die Zahlen

Ausländer waren  auf der Intensivstation wegen Corona stärker vertreten als Schweizer
Ausländer waren auf der Intensivstation wegen Corona stärker vertreten als Schweizer Bild: Archiv
«Auf der Intensivstation liegen nur Ausländer»: Mit solchen Aussagen wurde stgallen24 öfter konfrontiert. Die aktuellen statistischen Covid-Zahlen des Kantons widerlegen das – teilweise.

Im Dezember 2020 schreckte die «Basler Zeitung» mit der Meldung auf, dass die Corona-Intensivstationen «zu 70 Prozent mit Migranten» belegt seien. Immer wieder gelangten daraufhin Leser an die stgallen24-Redaktion mit der Bitte, abzuklären, ob diese Zahlen stimmen – und wenn ja, ob sie für den Kanton St.Gallen ebenso gelten wie für Baselland.

stgallen24 wollte damals von Bund oder Kanton konkrete Zahlen zur Belegung der IPS-Betten in St.Gallen durch Migranten haben. Beide sahen sich aber ausserstande, solche zu liefern.

Nun hat der Kanton St.Gallen seine Covid-Statistik fürs Jahr 2020 veröffentlicht. Darin zeigt sich: Ausländer waren wegen Corona im Spital und auf der Intensivstation zwar stärker vertreten als Schweizer, aber nur leicht (bei den Spitalaufenthalten) oder mittel (bei den IPS-Aufenthalten).

25 Prozent Ausländeranteil im Spital, 39 auf der Intensivstation

Der Kanton hat herausgefunden: «Hinsichtlich der Herkunft unterscheiden sich die Covid-19-Patienten nur wenig vom Durchschnitt aller Spitalaufenthalte im Jahr 2020 (Ausländeranteil von 25,2 anstatt 21,9). Auffallend ist allerdings der höhere Anteil an Patienten mit ausländischer Staatsangehörigkeit unter den Covid-19-Patienten mit IPS-Aufenthalt (38,6). Erklärungsansätze dafür sind der in der Fachliteratur nachgewiesene erhöhte Anteil von Covid-Erkrankungen in bildungsfernen Gesellschaftsschichten mit einem erhöhten Anteil von Menschen ausländischer Herkunft.»

Das sieht auch die OECD für ihre Mitgliedsländer so: Nicht fahrlässiges Verhalten führe in erster Linie zu mehr Ansteckungen bei Migranten, sondern deren sozioökonomische Strukturen wie beengte Wohnverhältnisse mit Überbelegungen in den Zimmern, zusammenlebende Grossfamilien, häufigere Nutzung des öffentlichen Verkehrs, eingeschränkter Zugang zu Informationen aufgrund mangelnder Kenntnisse der Sprache des Gastlandes und gefährdetere Berufe, die nicht im Homeoffice ausgeführt werden können, wie etwa Gastronomie oder Pflege.

Und: Zu Beginn der Pandemie wurde das BAG kritisiert, weil es in seinen Kampagnen die Migranten kommunikativ vernachlässigt habe. Darauf hat das Amt seine Informationen nach und nach in andere Sprachen übersetzt. Auf seiner Website sind diese inzwischen in über 20 Sprachen zu finden.

stgallen24/stz.