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Stadt St. Gallen
25.06.2021
25.06.2021 14:57 Uhr

Stadt greift durch: Party-Gasse wird gesperrt

Party im Bermudadreieck
Party im Bermudadreieck Bild: zVg
Am Donnerstag haben sich Involvierte zu einem Runden Tisch getroffen und die Lärm- und Abfallthematik rund um das Bermudadreieck diskutiert. Nun greift die Stadt durch und sperrt die Augustinergasse am Wochenende.

In den vergangenen Wochen hat die Lärm- und Abfallthematik im Bermudadreieck stark zugenommen. Es gingen mehrere Reklamationen aus der Bevölkerung ein.

Nun wurde die Situation mit Vertretern von Anwohnern, Liegenschaftsbesitzern, dem Quartierverein, der Gassengesellschaft, Gastro-Betrieben sowie städtischen Dienststellen – Tiefbauamt, Entsorgung, Kinder Jugend Familie, Umwelt und Energie sowie Stadtpolizei St.Gallen – besprochen. Ziel war, sich gegenseitig über die Situation und die rechtlichen Möglichkeiten zu informieren sowie sich über mögliche Lösungsansätze auszutauschen.

Schwierige Situation für alle

Das Bermudadreieck hat sich in den letzten Wochen zum Treffpunkt für Partygäste etabliert, wo mitgebrachter Alkohol konsumiert und Partys mit privaten Lautsprechern veranstaltet werden.

Der Lärm, der hinterlassene Dreck, das Urinieren an Hausfassaden sowie das rücksichtslose und aggressive Verhalten einiger Gäste ist für alle Anwesenden des Runden Tischs nicht tolerierbar. Anlässlich des Austauschs wurden mögliche Massnahmen, wie beispielsweise das Einführen eines Mehrwegbechersystems oder die Sperrung der Augustinergasse besprochen und geprüft.

Augustinergasse wird gesperrt

Die Massnahmen vom letzten Wochenende werden auch an diesem Freitag und Samstag fortgesetzt. Dazu gehören Präventionsplakate, Absperrgitter und zusätzliche Abfallkübel. Die Stadtpolizei St.Gallen will nach personellen Möglichkeiten ihre Präsenz verstärken.

Zudem wird neu die Augustinergasse über das Wochenende gesperrt, um Lärmquellen für Anwohner zu minimieren. Eine Verlängerung der Öffnungszeit von Gastro-Betrieben wird für beanstandungsfreie Lokale grundsätzlich wieder bewilligt.

Situation laufend neu beurteilen

Die Situation wird weiterhin beobachtet, gerade auch wie sie sich in Bezug auf die weiteren Corona-Öffnungsschritte entwickelt. So sei es wichtig, die aktuellen Massnahmen fortlaufend zu beurteilen und wenn notwendig anzupassen. Nach den Sommerferien findet ein weiterer Runder Tisch statt.

Mehr Rücksicht

Wer in einer Stadt wohnt, muss mit Immissionen rechnen. Das war schon immer so, und das wird sich auch nicht ändern. Man kann nicht den Fünfer und das Weggli haben: Ländliche Ruhe und trotzdem alles vor der Haustüre. Darum kann von Stadtbewohnern durchaus ein gewisses Mass an Toleranz gefordert werden.

Was aber an den letzten Wochenenden im sogenannten Bermudadreieck abgegangen ist, passt auf keine Kuhhaut: Nicht nur wurde so lautstark gefeiert, dass an Nachtruhe für die Anwohner auch zu später Stunde nicht zu denken war. Was noch fast schlimmer ist, ist der unglaubliche Dreck, den das Partyvolk hinterlassen hat. Ob die meist jugendlichen Party-Macher zuhause auch so haushalten?

Die Stadt hat weggeschaut, die Stadtpolizei ihre Untätigkeit als «Deeskalationsstrategie» zu verkaufen versucht.

Das war falsch.

Man muss dem überbordendem Treiben einen Riegel schieben, solange man noch kann. «Wehret den Anfängen» muss hier die Losung heissen. Sonst zieht die Gallusstadt noch mehr auswärtiges Partyvolk an, das hier die Sau rauslässt. In Winti darf ich nicht feiern? Komm, dann fahren wir nach St.Gallen, da sagt die Polizei nichts: Solche Gedankengänge gilt es zu vermeiden.

Dass nun die Augustinergasse gesperrt wird, ist richtig. Die Feierenden müssen sich der Konsequenzen ihres Tuns bewusst werden: Benehme ich mich daneben, bin ich nicht mehr willkommen.

Gleichzeitig gilt es, Augenmass zu bewahren: Nicht jeder laute Lacher oder jedes fröhliche Zuprosten muss gleich zum Anlass genommen werden, um die Polizei zu rufen.

Und die Feiernden in der Innenstadt sind aufgerufen, sich gegenüber den Anwohnern rücksichtsvoll zu benehmen. Balkone mit Kebabs zu bewerfen oder Heimkehrer anzupöbeln, geht gar nicht. Hier sind auch Augenzeugen gefordert, einzugreifen und Attacken zu unterbinden.

Wenn beide Seiten ein paar Schritte aufeinander zugehen, sollte ein einigermassen gesittetes Nebeneinander wieder möglich sein.

Stephan Ziegler, stgallen24

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mik/pd