Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Leserbrief
Kanton
23.05.2021

«Dem Machtkartell die Stirn bieten»

Ein Nein sorgt dafür,  dass der Mensch wieder im Mittelpunkt steht und nicht die Wirtschaft.
Ein Nein sorgt dafür, dass der Mensch wieder im Mittelpunkt steht und nicht die Wirtschaft. Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller
Wer am 13. Juni «Ja» sagt zum Nachtrag zum Kantonsratsbeschluss über die Erneuerung und Erweiterung des Spitals Wattwil, hilft mit, das marode Gesundheitswesen am Leben zu erhalten, findet Leser Bruno Facci.

«1996 ist das neue Krankenversicherungsgesetz (KVG) in Kraft getreten. Es verspricht, dass sich die Gesundheitskosten mit wettbewerblichen Massnahmen dämpfen liessen. Solche sind seither reihenweise eingeführt worden. Diesen fielen inzwischen 97 Spitäler zum Opfer. Trotz wettbewerblichen Massnahmen und geschlossenen Spitälern sind die wachsenden Gesundheitskosten geblieben. So ergab die Evaluation von 2019 des KVG, dass das Wachstum der Gesundheitsausgaben zugenommen hat.

Pikanterweise haben auch die Zentrumsspitäler von 25 auf 44 zugenommen. Das KVG orientiert sich an den Grundlagen der industriellen Produktion und setzt damit Wirtschaftlichkeitsüberlegungen und Wettbewerb an erste Stelle. Dabei bläht der Wettbewerb die Bürokratie auf. So hat das Administrativpersonal in den Schweizer Spitälern von 11'258 Stellen im 2012 auf 26'389 im 2019 zugenommen!

Das ist nicht verwunderlich, müssen doch immer mehr Daten erhoben, bearbeitet und ausgewertet werden, um die Rechnungsstellung zu optimieren. Um diese überprüfen zu können, mussten die auch Krankenkassen personell aufrüsten. So verteuert sich die Gesundheitsversorgung ohne jeglichen Nutzen für die Patienten. Hinzu kommen die Fehlanreize des Fallpauschalensystems. Diese verursachen Über-, Unter- und Fehlversorgung und führen zu unnötigem Leiden von Patienten und verschlingen Geld, das andernorts fehlt, z. B. für angemessene Stellenpläne. Grundlegende Reformen sind notwendig. Dazu sagte Gesundheitsökonom Heinz Locher 2018: 'Reformen werden verunmöglicht durch ein Kartell der mächtigen Verbände und der von ihnen bezahlten Parlamentarier.'

Zu diesen Mächtigen gehören der Berufsverband der Ärzte (FMH), die Kantone, die Pharma- und Medizintechnikindustrie und einem Heer von Zulieferern von Einrichtungen des Gesundheitswesens. Reformen würden deren Profite schmälern. Wer am 13. Juni JA sagt zum Nachtrag zum Kantonsratsbeschluss über die Erneuerung und Erweiterung des Spitals Wattwil, hilft mit, das marode Gesundheitswesen am Leben zu erhalten und unterstützt die Profitmaximierung der Mächtigen im Gesundheitswesen.

Mit einem NEIN am 13. Juni zum Nachtrag können wir dem Machtkartell die Stirne bieten und die kantonale Politik zu einer Denkpause zwingen. In dieser soll sie den bislang einseitig starren Blick auf die Wirtschaftlichkeit und die Finanzen abwenden und ihn auf Modelle der Gesundheitsversorgung zuwenden, die wieder den Menschen vor dem Profit in den Mittelpunkt stellt.»

Bruno Facci