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Leserbrief
Stadt St.Gallen
21.05.2021
21.05.2021 17:08 Uhr

«Gehen Sie auf Bauernhöfe und stellen Sie Fragen»

Bild: Ulrike Huber
Als Bauernsohn und Bankangestellter, der seit knapp 20 Jahren in St.Gallen lebt, lädt Leser Michael Sätteli zu einem differenzierten Blickwinkel auf die Agrar-Initiativen ein.

«Die Titel der Agrar-Initiativen klingen verlockend und lassen keine Zweifel aufkommen: Wer will schlechtes Trinkwasser? Wer will Pestizide? Niemand von uns. Als Bauernsohn und Bankangestellter, der seit knapp 20 Jahren in der Stadt St.Gallen lebt, lade ich Sie ein, einen differenzierteren Blickwinkel einzunehmen. Es ist mir wichtig, dass Ihnen bewusst ist, was ein «Ja» bedeutet.

In der Schweiz produzierte Nahrungsmittel sind teuer. Wenn man die Vollkosten rechnet und somit die Steuern, die für Direktzahlungen verwendet werden, mit einkalkuliert, zahlen wir Schweizer massiv mehr für Nahrungsmittel als in unseren Nachbarländer. Dennoch leben viele Bauern am Existenzminimum, arbeiten mehr Stunden pro Woche als der Durchschnittsschweizer und sind darauf angewiesen, dass ihr Umfeld unbezahlte Freiwilligenarbeit leistet.

Die Anforderungen, die unsere Landwirtschaft als Gegenleistung für die Direktzahlungen erfüllen müssen, sind zu recht hoch. Die Lebensqualität der Tiere ist europaweit einzigartig. Die Anforderungen an die Lebensmittelproduktion sind höher als überall sonst auf der Welt. Das soll auch so sein!

Natürlich können wir diese Anforderungen nochmals erhöhen. Nur führt dies dazu, dass die Produktionsleistung unserer Landwirtschaft darunter leiden wird. Konkret: Unsere Bauern können mit einem «Abstimmungs-Ja» weniger Lebensmittel produzieren. Als direkte Folge muss die Schweiz mehr Lebensmittel importieren. Das importierte Fleisch von Kühen, Schweinen oder Hühnern ist garantiert günstiger. Nur haben all diese Tiere nicht nach unserem heutigen Standard gelebt und garantiert kein Wasser der Qualität getrunken, wie das für Mensch und Tier hier seit Jahren Standard ist.

Sie essen das günstigste Futter und leben nicht unter tiergerechten Bedingungen. Daher ist es für mich komplett unverständlich die Anforderungen in der Schweiz zu erhöhen und gleichzeitig mehr Lebensmittel zu importieren und zu konsumieren, die unter tieferen Anforderungen an Lebenshaltung und Wasserqualität produziert wurden. Ich bin ein Verfechter der Meinungsfreiheit und bitte Sie deshalb einfach, dass Sie sich anhören, was Betroffene zu sagen haben. Sie sind ganz in der Nähe und meist zu Hause, weil sie da arbeiten. Gehen Sie auf Bauernhöfe und stellen Sie Fragen. Lassen Sie sich von Ihnen aufzeigen, warum es wichtig ist, 2x Nein zu stimmen.»

Michael Sätteli