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Gaiserwald
03.03.2021
03.03.2021 11:04 Uhr

Neue Vorwürfe gegen Abtwiler Esoterik-Arzt

Manfred Doepp im «Kassensturz»-Interview am 2. März 2021 Bild: Screenshot SRF
Nach einem «Kassensturz»-Bericht über Manfred Doepp und seine umstrittenen Behandlungsmethoden hat sich eine weitere Betroffene bei SRF gemeldet. Ihre Tochter starb mit 50.

Manfred Doepp kommt nicht aus den Schlagzeilen: Nachdem im Februar herausgekommen ist, dass Doepp einen Patienten monatelang mit Bioresonanz behandelt und dabei eine Krebserkrankung übersehen hatte (der Mann starb mit 63), gerät er nun wegen eines weiteren Behandlungsopfers unter zunehmenden Druck.

«Andere sollten davor gewarnt werden, sich an diesen Arzt zu wenden»

Vor vier Wochen starb Julia (Name geändert) an Brustkrebs, berichtet SRF. Sie wurde nur 50 Jahre alt. Julia lehnte die Schulmedizin ab; deshalb ging sie zu Doepp. Er versprach Besserung auf natürlichem Weg. Zehn Monate später ging sie mit unerträglichen Schmerzen in eine Klinik. Zu spät.

Julias Mutter sah den «Kassensturz»-Beitrag über Dr. Doepp. Da ging es um den 63-jährigen Krebspatienten, der nach monatelanger Behandlung starb. Julias Mutter meldet sich beim «Kassensturz»: «Meine Tochter kehrt nicht mehr ins Leben zurück, aber andere sollten davor gewarnt werden, sich an diesen Arzt zu wenden.»

«Dieses Prinzip ist völlig unwirksam»

Julia nahm auf Doepps Anordnung hin monatelang für Tausende Franken enzymhaltige Nahrungsergänzungsmittel wie Citozym ein. Das Mittel hilft bei Verdauungsproblemen. Citozym aber als Krebstherapie oder Begleitung einer Therapie zu verkaufen, sei Humbug, sagt Thomas Cerny, einer der renommiertesten Krebsforscher der Schweiz, zu SRF: «Dieses Prinzip ist völlig unwirksam. Man kann nicht Verdauungsenzyme schlucken und damit einen Tumor beeinflussen.» Zudem kritisiert Cerny: «Wenn man eine Therapie zehn Monate laufen lässt, ohne zu prüfen, ob sie wirksam ist, dann hat man die Sorgfaltspflicht verletzt.»

Manfred Doepp behandelte Julia ohne die üblichen Abklärungen bei Krebs. Ohne bildgebende Verfahren, ohne Biopsie, so SRF weiter. Das habe Julia abgelehnt, erklärt Doepp im Interview mit dem «Kassensturz». Er habe mittels Fotos und Abtasten festgestellt, dass seine Behandlung wirke: «Der Tumor wurde kleiner. Die Patientin wurde dreimal pro Woche fotografiert. Darauf sah man deutlich die Entwicklung.» Die Fotos könne er dem «Kassensturz» aber nicht zeigen.

Manfred Doepp sagt, er behandle ganzheitlich mit allen Methoden der Naturheilkunde. Auf den Vorwurf, er habe seine Sorgfaltspflicht verletzt, betont er: «Wir haben auf die Patientin eingewirkt, sich bitte behandeln zu lassen: Operation, Chemotherapie.» Und weiter: «Ich habe ihr gesagt, was die Schulmedizin tun würde, und sie hat gesagt, das tue sie nicht.» Schriftliche Belege dafür gibt es nicht.

Jahrelang wirkungslose Produkte verkauft

Doepps Name tauchte schon früher bei «Kassensturz»-Recherchen auf. Jahrelang hat er wirkungslose Produkte wie Amulette gegen Elektrosmog oder Steine, die positive Informationen senden, verkauft.

Fragwürdig auch der Timewaver – eine Art Körperscanner, von dem Doepp schwärmt: «Er arbeitet jenseits von Raum und Zeit. Wir können also in der Vergangenheit arbeiten – sogar in der Zukunft.» Der Timewaver findet gesundheitliche Defizite, für deren Behandlung Doepp dann Nahrungsergänzungsmittel verkauft.

Nach dem ersten «Kassensturz»-Bericht wurden die Behörden aktiv. Das Gesundheitsdepartement des Kantons St.Gallen leitete eine Untersuchung gegen Doepps Praxis in Abtwil ein. Es geht um möglicherweise «ungeeignete Behandlungs-Methoden».

stgallen24/SRF