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Gaiserwald
12.02.2021
12.02.2021 11:08 Uhr

Verfahren gegen Esoterikarzt eröffnet

Dr. med. Manfred Doepp am Vortrag «Heilmittel, die klüger sind als Chemotherapie und Bestrahlung». Bild: zVg
Der Abtwiler Arzt Manfred Doepp hat einen Patienten monatelang mit Bioresonanz behandelt und dabei seine Krebserkrankung übersehen. Der Mann starb mit 63.

Ein 63-jähriger Mann starb vergangenen Herbst an fortgeschrittenem Lungenkrebs. Behandelt wurde er von Dr. med. Manfred Doepp aus Abtwil, der sich im Netz mit esoterischem Gedankengut präsentiert und als als Corona-Leugner auffällt.

Gerät arbeitet «jenseits von Zeit und Raum»

Doepp behandelt seine Patienten unter anderem mit Bioresonanz. Dazu verwendet er einen sogenannten «Timewaver»: Ein Gerät, das laut Doepp «jenseits von Zeit und Raum» arbeitet. Der Timewaver scanne den Körper, diagnostiziere und heile zugleich, so der Arzt gegenüber dem  «Kassensturz». Damit lasse sich auch die Aura von Menschen nachweisen.

Bei der Anwendung der Informationsfeld-Technologie seien Bewusstsein und Information elementare Bestandteile, um Zusammenhänge in der Tiefe analysieren zu können. Naturwissenschaftlich ist dies nicht belegt. 

Ärzte entdecken Krebs im Endstadion

Der verstorbene Patient wurde von Ende Juli bis Dezember 2019 behandelt. Eine Behandlung kostete den Mann 656 Franken. Aber sein Gesundheitszustand verschlechterte sich immer mehr. Im Januar 2020 diagnostizierten dann Onkologen im Zürcher Triemli-Spital Lungenkrebs mit Metastasen im Hirn, wie «SRF» berichtet. Die Krankheit war nicht mehr heilbar; jede Behandlung kam für den Mann zu spät. Der Krebs sei während Doepps Behandlung längst im Körper des Mannes vorhanden gewesen.

Laut Thomas Cerny, Präsident der Krebsforschung Schweiz, sei das Verhalten von Manfred Doepp kriminell gewesen. Er hätte den Mann falsch behandelt und ihm dadurch die Chancen auf Heilung genommen. Diese hätte nämlich bestanden, wenn man den Krebs früh genug diagnostiziert und richtig behandelt hätte. 

Verstorbener wurde nie schulmedizinisch untersucht

Aber wie ist es möglich, dass ein Arzt trotz monatelanger Behandlung mit dem Timewaver einen Krebs nicht entdeckt? In einer Stellungnahme sagt Manfred Doepp, dass der Timewaver nicht für die Erkennung und Behandlung von Krebs gedacht sei. Der Krebs sei ein Symptom, das am Ende einer langen Ursache-Wirkungskette auftaucht. Er habe nie gewusst, dass sein Patient ein Krebsleiden habe. Schulmedizinisch hat er ihn nie untersucht. 

Doepp ist der Meinung, dass dies zum Zeitpunkt seiner ersten Behandlung auch nicht der Fall war. Dies sei auch nicht nötig gewesen, sagte der Abtwiler dem «Kassensturz». Erkenntnisse aus der Anamnese, Erfahrung und sein klinischer Blick würden genügen - und der sei exzellent, so der Arzt selbstbewusst.

Corona-Leugner und Esoterik-Fan

Dass Manfred Doepp nicht an die klassische Schulmedizin glaubt, daraus macht der Arzt, der in Bad Berleburg geboren wurde und in München und Giessen Medizin studiert hat, kein Geheimnis. Auf Youtube finden sich Dutzende Videos von Doepp mit Titeln wie «Gesundheitsgefahr Schulmedizin», «Heilmittel, die klüger als Chemotherapie und Bestrahlung sind». Auch zum Coronavirus hat Doepp eine klare Meinung: Das Virus sei eine erfundene Geschichte, und es wäre ohne weiteres möglich, das Ganze ohne Impfungen zu beenden.

Auch zur Krebs äussert sich Doepp auf Youtube: Unter Titeln wie Die Krebs-Erkrankung und (mit)verursachende Erreger, Heilmittel, die klüger sind als Chemotherapie und Bestrahlung oder Herausforderung Krebs - Lösungen jenseits der Schulmedizin behauptet er, Krebs auch ohne Schulmedizin behandeln zu können. Und trotzdem wollte er beim verstorbenen Patienten, der ab Juli 2019 bei ihm in Behandlung war, bis Dezember 2019 nichts vom Krebs bemerkt haben.

Im Januar 2020 diagnostiziert das Zürcher Triemli-Spital schliesslich Lungenkrebs mit Metastasen. Für schulmedizinische Behandlungen ist es nun zu spät.

Gesundheitsdepartement eröffnet Verfahren

Das St.Galler Gesundheitsdepartement hat ein aufsichtsrechtliches Verfahren eröffnet, in dem die Vorwürfe gegen Doepp abgeklärt werden, wie das «St.Galler Tagblatt» berichtet. In einem ersten Schritt würden Informationen zum Sachverhalt zusammengetragen. Welche weiteren Schritte geplant sind, wird vom Departement nicht kommuniziert. 

Allgemein und nicht auf den Fall bezogen, erklärt das Gesundheitsdepartement, dass unangemeldete Kontrollen und Schliessungen von Praxen möglich seien. Die Bewilligung zur Berufsausübung könne je nach Resultat des Verfahrens mit bestimmten Einschränkungen – fachlich, zeitlich oder räumlich versehen werden. Auch der Entzug der Bewilligung wäre möglich oder die Ausstellung von Bussen.

mik/stgallen24