Kriege, Seuchen und zerstörende Naturereignisse galten lange als Strafe Gottes. So wurden im Mittelalter die Pest, Heuschreckenplagen, welche die Ernten vernichteten, Erdbeben und andere Katastrophen dem Umstand zugeschrieben, dass die Menschen kein gottgefälliges Leben führten. Gott bestrafte nach diesem Verständnis die Menschen für ihre Sünden.
In der Coronapandemie bekam diese Vorstellung manchenorts wieder Auftrieb. Der Gegensatz von heute zu früher besteht darin, dass früher Regierungen ihre Untergebenen eindringlich zu gottgefälligem Leben ermahnten, um Gott wieder zu besänftigen, wie der folgende Brief von Bürgermeister und Rat von Zürich vom 28. November 1650 an ihre Kollegen in St.Gallen zeigt.
Aufruf zum Fasten, Beten und Busse tun
Die Zürcher beklagten sich bei den St.Gallern über den sündhaften Lebenswandel der Menschen, der den heiligen Zorn Gottes entfacht habe. Dieser Zorn habe sich seit Beginn des Jahrhunderts in Erdbeben und anderen Zeichen geäussert.
Damit nun Gott wieder besänftigt werde und von weiteren Strafen absehe, habe der Stadtrat von Zürich die Stadtbevölkerung und Untertanen auf dem Land dazu angehalten, das neue Jahr der zweiten Hälfte des Jahrhunderts nicht mit unmässigem Essen und Trinken zu beginnen, sondern mit Fasten, Beten und Busse tun.
Zürich richtete diesen Appell nicht nur an St.Gallen, sondern auch an andere evangelische Orte.