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Stadt St.Gallen
28.09.2022
28.09.2022 14:38 Uhr

«Wir glauben an das Erlebnis beim Shoppen»

René Popp auf der Baustelle im zukünftigen Globus
René Popp auf der Baustelle im zukünftigen Globus Bild: Miryam Koc
Im Herbst 2023 eröffnet Globus im ehemaligen UBS-Gebäude das grösste Kaufhaus der Innenstadt. Geschäftsführer René Popp erklärt im Interview, warum das trotz Online-Shopping-Boom noch zeitgemäss ist.

Das prächtige Bauwerk am Multertor gegenüber dem Broderbrunnen, in St.Gallen auch als «UBS-Gebäude» bekannt, ist ein herrschaftlicher Bau zwischen Neurenaissance und Neubarock. Es wurde ursprünglich als Stickereibörse gebaut.

Darin konzentriert werden künftig die heutigen drei Standorte Home und Living, Globus Herren und das Globus Warenhaus. Zusätzlich wird eine grosszügige Delikatessenabteilung im Untergeschoss sowie ein Restaurant im Erdgeschoss und zum Vorplatz eingerichtet.

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Am Dienstag luden Globus-CEO Franco Savastano und Geschäftsführer René Popp zu einem exklusiven Apéro auf der Baustelle ein. Auch Stadtrat und Baudirektor Markus Buschor liess es sich nicht nehmen, einen Eindruck vom aktuellen Stand der Bauarbeiten geben zu lassen. 

Eröffnung im Herbst 2023

Dass hier schon in einem Jahr ein luxuriöses Kaufhaus eröffnen soll, ist schwer zu glauben: Die Wände sind kahl, die Böden ungeschliffen und von der Decke hängen Kabel hinunter. «Die Bauarbeiten laufen nach Plan und wir haben derzeit keine Verzögerung, aber der Zeitplan ist schon sehr eng und lässt auch keine Fauxpas zu», sagt Geschäftsführe René Popp. Unterstützt wird die Umbauphase von verschiedenen renommierten und international bekannten Architekten und lokalen Bauunternehmen. 

Durch die Bündelung der verschiedenen Globus-Standorte erhoffe man sich eine neue Dynamik und ein neues Shoppingerlebnis für die Kunden. «Heute müssen sie ihre Jacke ein- und ausziehen, wenn sie vom einem zum anderen Globus gehen. Am neuen Standort kann man aber dank den verschiedenen Angeboten lange verweilen und der neue Globus soll auch eine Begegnungszone werden», so Popp. Ein Stellenabbau gibt es nicht. Im Gegenteil: Für die Abteilung «Delicatessa» werden sogar 15 neue Mitarbeiter benötigt. 

«Online-Shopping wird das Erlebnis nicht ersetzen»

Erst am 27. September präsentierte die Firma ImmoCompass AG das «Retailmonitoring Innenstadt St.Gallen». Dieses analysierte das Gewerbeangebot der St.Galler Innenstadt und verglich es mit den Städten Winterthur, Lugano, Luzern, Biel, Thun und Fribourg, stgallen24 berichtete.

Besonders: Geschäfte aus dem Bereich «Mode und Schönheit» sind in der St.Galler Innenstadt mit 18 Prozent Anteil im Vergleich zu anderen Städten untervertreten. Das Einkaufen von Fashion verschiebt sich seit Jahren immer mehr ins Internet – und wurde durch Krisen wie der Pandemie und Home-Office zusätzlich verschärft.

Ist es da noch zeitgemäss ein solches Warenhaus zu eröffnen? «Natürlich ist uns bekannt, dass mehr Menschen Online shoppen. Auch wir setzen vermehrt auf Online-Kanäle, aber sind der Überzeugung, dass das Erlebnis, was der Kunde beim Einkaufen vor Ort erhält, nicht ersetzbar ist und auch nicht sein wird – und genau dieses Gefühl möchten wir im neuen Globus vermitteln», sagt der Geschäftsführer.

Mit dem Umzug ins prestigereiche Gebäude soll die Standortattraktivität der Stadt St.Gallen gesteigert werden und mit der Einführung neuer Marken, die es sonst in der Ostschweiz nicht gibt, sollen auch Kunden ausserhalb der Gallusstadt angelockt werden.  Ein Ort also, wo Kunden als Teil des Einkaufserlebnisses mit der Marke interagieren und sich danach kulinarisch verwöhnen lassen.

  • Der Geschäftssitz der «Schweizerischen Unionbank» und der Stickereibörse entstand zwischen 1889 und 1891 Bild: Archiv
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  • Bald prangt das Globus-Logo am ehemaligen UBS-Gebäude Bild: Archiv
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  • Aktueller Standort an der Multergasse 47 Bild: globus.ch
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Der Geschäftssitz der «Schweizerischen Unionbank» und der Stickereibörse entstand zwischen 1889 und 1891 nicht wie die meisten Geschäftshäuser der Stickereizeit auf der grünen Wiese, sondern auf dem Boden der mittelalterlichen Altstadt St.Gallens.

In der Stickereibörse liefen die Fäden der erfolgreichen textilen Geschäftstätigkeit zusammen. Jeweils mittwochs und samstags trafen sich Fabrikanten und Kaufleute, Sticker und Veredler und tauschten Informationen über Marktlage und Modeströmungen, Aufträge oder auch Besitzrechte an Waren aus. Das Gebäude erhielt aufgrund der Kleidung der Handelsherren sowie aufgrund von deren regem verbalem Austausch die Beinamen «Schwarzbörse» und «Schwatzbörse».

Der üppige Bankpalast besteht aus barocken Formen. Kupfer-Figuren zieren die Hauptfassade des Palasts. So wacht Hermes, der Gott der Kaufleute, Reisenden und Diebe, in Anknüpfung an die griechische Mythologie über das Geschehen. Die reiche Innenausstattung verschwand bei einem Umbau in den 1960er Jahren.

1896 fusionierte die «Schweizerische Unionbank» mit dem Basler und dem Zürcher Bankverein zum Schweizerischen Bankverein. Dieser schliesst sich 1998 mit der Schweizerischen Bankgesellschaft zur UBS (Union Bank of Switzerland) zusammen. Bis 2021 wurde das Gebäude von der UBS genutzt.

Miryam Koc/stgallen24