Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Freizeit
22.07.2022
22.07.2022 09:39 Uhr

Ist der Alpstein gefährlich?

Im Aescher herrscht oft ziemlicher Andrang
Im Aescher herrscht oft ziemlicher Andrang Bild: bergwelt.me
In letzter Zeit scheinen sich die Wanderunfälle im Alpstein zu häufen. stgallen24-Autor Patrick Stämpfli aus St.Gallen, selbst begeisterter Berggänger und Betreiber eines entsprechenden Blogs, analysiert die Situation.

Der Alpstein ist ein beliebtes Ausflugsziel. Kein Wunder, bietet das lediglich 28 Kilometer lange und im Mittel 10 Kilometer breite Alpsteinmassiv vor allem im Sommer doch sehr viel für seine Grösse: dazu gehören neben Wander- und Bergwanderwegen auch Alpinrouten und diverse Klettergebiete. Spätestens seit Corona und dem damit verbundenen Berg- und Outdoor-Hype, tummeln sich auch im Alpstein viele Menschen, die (sichtbar) wenig Bergerfahrung haben und die Gefahren oftmals unterschätzen.

Topografie birgt Gefahren

Besonders beliebt bei Tagesausflüglern, Touristen und unerfahrenen Berggängern sind die Ebenalp und das Gebiet um den Seealpsee. Die Gründe dafür sind einfach: Erstens kommt man mit der Bahn von Wasserauen bequem hoch zur Ebenalp auf 1640 m, und zweitens befindet sich gleich unterhalb der Ebenalp das (unterdessen weltweit) bekannte Bergrestaurant Aescher. Der Weg von der Ebenalp zum Aescher ist relativ einfach zu begehen und gut gesichert.

Und auch das kleine Fahrsträsschen von Wasserauen hinauf zum Seelapsee auf 1142 m ist einfach zu begehen. Etwas Kondition ist allerdings Voraussetzung, es ist nämlich sehr steil – wie auch sonst der ganze Rest der Alpsteinmassivs. Und genau diese steile Topografie birgt Gefahren, derer sich viele Menschen auf den meist gut gesicherten Wegen offenbar nicht oder zu wenig bewusst sind.

Vorsicht auf vermeintlich leichten Wegen

So kommt es beispielsweise auf dem Bergwanderweg zwischen dem Aescher und dem Seealpsee immer wieder zu tödlichen Unfällen. Am 18. Juli 2022 ereigneten sich dort sogar gleich zwei tödliche Unfälle innerhalb einer Stunde. Vor rund einem Jahr kam es auf demselben Weg zu einer ähnlichen Tragödie, damals waren es zwei tödliche Unfälle innerhalb einer Woche. Der weiss-rot-weiss markierte Bergwanderweg ist zwar breit genug und ausserordentlich gut gesichert, aber er führt durch steiles alpines Gebiet. Ein Fehltritt oder Stolperer und man stürzt bis zu 100 Meter in die Tiefe. Dazu kommt, dass der Grossteil des Weges durch Wald führt, was vor allem bei Nässe gefährlich sein kann.

Für geübte Berggänger ist der Weg vom Aescher über Kobel zum Seealpsee problemlos machbar. Aber er wird leider auch immer wieder von Menschen begangen, die zuvor mit der Bahn (und in Turnschuhen) auf die Ebenalp gefahren und eigentlich eher für eine Shoppingtour in der Stadt ausgerüstet sind. Wieso man sowas macht, ist mir schleierhaft. Man springt ja als Nichtschwimmer im ersten Badeurlaub auch nicht gleich ins offene Meer.

Touren den Fähigkeiten anpassen

Wer in alpinem Gebiet unterwegs ist, und dazu gehört auch der Alpstein, setzt sich immer gewissen Risiken aus. Um diese zu minimieren und um böse Überraschungen auf einer Tour zu vermeiden, sollte man sich im Vorfeld deshalb nicht nur über den Schwierigkeitsgrad des Weges informieren, sondern auch realistisch beurteilen können, wie es um die eigene Fähigkeiten (Ausdauer, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit u.a.) bestellt ist – vor allem, wenn die Tour auf den höchsten Gipfel des Alpsteins, den Säntis gehen soll und die Luft etwas dünner wird, als man sich gewohnt ist.

Ist man gut vorbereitet und hat eine Route gewählt, die zu den eigenen körperlichen Fähigkeiten passt, ist der Alpstein nicht gefährlicher, als vergleichbare Regionen in den Schweizer Alpen.

Auf einer Tour umzukehren, weil man merkt, dass man überfordert oder ausgelaugt ist, ist übrigens kein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil: Sofern das möglich ist, ist das das Vernünftigste, was man in seiner solchen Situation machen kann.

Und last, but not least sollte man wissen, wo man die nötigen Infos über eine Tour findet, damit man beurteilen kann, ob man ihr gewachsen ist. Es gibt unterdessen unzählige Blogs und Webseiten, auf denen man seriöse Informationen über Touren und allgemeine Gefahren und Risiken in den Bergen einholen kann.

Immer prüfen, wer Tourentipps verfasst hat

Eine in diesem Frühling lancierte Bergwelt-Umfrage zeigt, dass der Grossteil der 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer (27%) vor allem auf Outdoor-Webseiten und -Blogs nach Tourentipps und -infos sucht, gefolgt von Alpenvereinswebseiten (23%) und Webseiten von Tourismusbüros und Berghütten (je 17%). Die grosse Mehrheit von ihnen gab auch an, dass sie regelmässig in den Bergen unterwegs ist und über entsprechende Erfahrung verfügt. Folglich wissen sie auch, dass man sich nie nur auf einen Tourenbericht verlassen sollte, und sich, wenn möglich, auch immer über den Verfasser oder die Verfasserin eines solchen Berichts informieren sollte.

Letzteres ist auf Tourenportalen, wo in der Regel viele unterschiedliche Menschen Beiträge (ungeprüft) verfassen, oft nicht so leicht möglich. In persönlichen Blogs, wie beispielsweise Bergwelt, lassen sich solche Angaben hingegen meistens einfach finden.

Dieser Text erschien zuerst im Blog bergwelt.me

Bild: zVg

Im Blog bergwelt.me teilt Patrick Stämpfli sein immenses Bergwissen seit über zehn Jahren. Der stgallen24-Autor inspiriert und begeistert Menschen für Bergwanderungen oder Schneeschuhtouren. Im Unterschied zu vielen anderen Outdoor-Bloggern stehen bei bergwelt.me keine kommerziellen Interessen im Vordergrund: «Mein Ziel ist es einerseits, mein Bergwissen zu teilen, die Menschen zu inspirieren und ihnen Vorschläge für schöne Bergwanderungen aufzuzeigen. Andererseits möchte ich ihnen aber auch näherbringen, wie man sich in den Bergen verhält und wie man ausgerüstet sein sollte. Beispielsweise, dass Crocks oder Flip-Flops auf einer weiss-rot-weiss markierten Bergwanderung keine gute Idee sind», so Stämpfli, der seit mehr als drei Jahrzehnten in den Schweizer Bergen unterwegs ist.

stgallen24/stz.