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15.06.2020
15.06.2020 15:20 Uhr

Einkaufstourismus – richtig oder falsch?

Schweizer Löhne für deutsche Preise? Bild: PD
Seit heute darf wieder im Ausland eingekauft werden, was der Kombi hergibt. Das gehöre sich aber nicht, findet Redaktor Stephan Ziegler. Was denken Sie?

Seit Mitte März waren die Schweizer Grenzübergänge wegen Corona geschlossen. Nicht nur Ferien mussten dadurch storniert werden, auch Einkaufstourismus war nicht mehr möglich. Seit heute dürfen Herr und Frau Schweizer nun wieder ennet der Grenze posten.

Ist Geiz geil?
Ich habe einen Bekannten, der gerne am Wochenende nach Konstanz fährt und sich dort billig den Kofferraum füllt. Er freut sich auf die Grenzöffnungen, denn Geiz ist für ihn geil. „Ich bin doch nicht blöd und bezahle die hohen Preise in der Schweiz, wenn ich das Gleiche in Deutschland viel billiger bekomme“, hat er mir neulich unter die Nase gerieben. „Da macht mir eine Stunde Anfahrt nichts aus.“ Auf meine Folgefrage aber wusste er keine Antwort: „Holst du denn deinen Lohn in Zukunft auch ennet der Grenze ab?“

Denn ob man im Ausland einkauft, ist für mich keine Frage des Geldes, wie es Einkaufstouristen gerne behaupten – es ist eine Frage der Moral: Schweizer Löhne bei Schweizer Arbeitgebern beziehen – und dann das Geld im Ausland ausgeben? Eine Schande, finde ich. Die Ausrede, es sei halt im Ausland alles so viel billiger als hier, lasse ich nicht gelten – denn dafür verdienen wir hier auch mehr als drüben. Viel mehr!

Konkret: In der Schweiz bringen wir pro Monat rund das Doppelte als unsere deutschen Freunde nach Hause (Medianlohn brutto in der Schweiz 2018: CHF 6538, Deutschland EUR 3304). Da sind etwas höhere Preise in der Schweiz verständlich – höhere Löhne bedingen nun einmal auch höhere Verkaufspreise.

Einkaufstouristen killen 3'000 Läden - pro Jahr
Zwölf Milliarden Franken (12'000'000'000!) entziehen die Einkaufstouristen dem Schweizer Detailhandel jährlich. Die Folge davon: Jedes Jahr müssen 3'000 Ladengeschäfte den Betrieb einstellen. Deren Angestellten haben die Einkaufstouristen auf dem Gewissen.

Einen dicken „Zapfen“ in der Schweiz abholen, das Geld aber für billige Ware im Ausland ausgeben – das ist mehr als Rosinenpickerei, das grenzt schon an Landesverrat. Denn wer ennet der Grenze einkauft, macht sich mitschuldig, wenn hier Stellen abgebaut und Steuern erhöht werden müssen. Nicht nur zu Krisenzeiten.

Was denken Sie darüber? Schreiben Sie uns auf redaktion@stgallen24.ch!

Stephan Ziegler, stgallen24.ch