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Wittenbach
24.06.2022
23.06.2022 13:51 Uhr

Wittenbach will Besserverdiener anlocken

Bild: PD
Die Liegenschaftenstrategie sieht vor, auf gemeindeeigenen Grundstücken Wohnraum für finanzstärkere Einwohner zu schaffen. Dabei sollen vor allem Stockwerkeigentumswohnungen realisiert werden. Für die Umsetzung der Wohnprojekte werden aktuell Modelle geprüft.

Das prognostizierte Bevölkerungswachstum für die Gemeinde Wittenbach von 1800 Personen in den nächsten 25 Jahren sieht der Gemeinderat als Chance für eine Neuausrichtung der Gemeinde. Die Auseinandersetzung mit den gegebenen Strukturen der Gemeinde Wittenbach bezüglich Bevölkerung und Wohnungsmarkt hätte aufgezeigt, in welche Bahnen das Wachstum gelenkt werden soll, wie die Gemeinde schreibt.

Gemäss den Erkenntnissen aus der Analyse sei eine bessere Durchmischung der Bevölkerungsstruktur anzustreben, die Steuerkraft zu erhöhen und der Finanzhaushalt aufzubessern (siehe «am Puls» Nr. 23 und Nr. 24). Die Liegenschaftenstrategie zeige nun die Stossrichtung auf, wie diese Ziele mit den gemeindeeigenen Liegenschaften angegangen werden können.

Gewünschte neue Zuzüger

Mit dem Zuzug von finanzstärkeren Einwohnern soll die bessere Verteilung der sozialen Schichten in der Gemeinde erfolgen. «Wir werden keinen Roger Federer nach Wittenbach holen», erklärt Beni Gautschi, Präsident der Liegenschaftenkommission, «wir fokussieren uns vor allem auf den Mittelstand und Personen mit überdurchschnittlichem Einkommen.»

Das können zum Beispiel auch Personen sein, die in Wittenbach arbeiten und jetzt pendeln. Die Zielgruppe sei eher urban orientiert und schätzt gleichzeitig die Naturnähe, heisst es weiter.

Gemeindeeigene Liegenschaften für Entwicklung nutzen

Die Gemeinde ist im Besitz von verschiedenen Grundstücken: grössere und kleinere, bebaute und unbebaute, solche, die einen öffentlichen Zweck erfüllen und andere, die nicht für eine öffentliche Aufgabe genutzt werden. Die Liegenschaftenstrategie sieht gemäss Gautschi bei einigen der Grundstücke das Potenzial, diese für die Umsetzung der gesteckten Ziele zu nutzen.

«Wir wollen für die oben definierte Zielgruppe Wohnraum schaffen, der für diese Personen attraktiv ist.» Dabei möchte die Gemeinde auf dem eigenen Land Wohnangebote fördern, die sich in Bezug auf Zielgruppe, Standard und Wohnformen von den Angeboten von Privaten unterscheiden.

Angebot an Stockwerkeigentum schaffen

Private Investoren erstellen als Renditeobjekte vor allem Mietwohnungen. «Wir möchten uns der Bedürfnisse annehmen, die auf dem Wohnungsmarkt kaum befriedigt werden», so Gautschi. Das treffe für Stockwerkeigentumswohnungen zu. Die Gemeinde will daher insbesondere dieses Wohnangebot realisieren.

Dabei bleibt der Boden im Besitz der Gemeinde, denn die Eigentumswohnungen werden im Baurecht abgegeben. Damit werde das Stockwerkeigentum bezahlbar und somit auch für den Mittelstand attraktiver. Stockwerkeigentümer verfügten tendenziell über ein höheres Einkommen und Vermögen, welches für die Finanzierung von Wohneigentum Voraussetzung sei. Der Eigenmietwert erhöhe zudem das zu versteuernde Einkommen, so die Gemeinde.

Vom Einfamilienhaus in die Eigentumswohnung

Das Angebot an Stockwerkeigentum soll zudem Einfamilienhausbesitzer ansprechen und sie zu einem Wechsel vom Einfamilienhaus in eine Eigentumswohnung animieren. Verschiedene Einfamilienhäuser werden von ein bis zwei Personen bewohnt.

«Für solche Personen könnte eine Eigentumswohnung in Wittenbach attraktiv sein», ist Gautschi überzeugt, «damit würden Einfamilienhäuser wieder für Familien frei.» Die Interessen der Hausbesitzer werden diesbezüglich Ende Juni in einer schriftlichen Umfrage abgeholt.

Umsetzung Wohnprojekte

Für die Umsetzung der Wohnprojekte erarbeite die Liegenschaftenkommission derzeit Modelle, in welchen Private die Projekte erstellen und sie dazu den rechtlichen Rahmen prüft, wie die Gemeinde weiter schreibt. Die Erstellung von Eigentumswohnungen sei verpflichtend. Zudem setze die Gemeinde Rahmenbedingungen zu Wohnungsmix, Preisgefüge und Vergabe der Wohnungen. Das Land bleibt im Eigentum der Gemeinde.

Neben einer Beteiligung am Entwicklungsgewinn erhält die Gemeinde jährlich wiederkehrende Erträge durch Baurechtszinsen. Vermutlich wird das Modell von der Projektgrösse abhängig sein. Das Grundstück Böhl soll als erstes nach diesem Modell entwickelt werden, hier sind 20 bis 30 Eigentumswohnungen vorgesehen. Details wird die Gemeinde im Herbst 2022 bekannt geben.

Infoanlass zur Liegenschaftenstrategie
28. Juni, 19 Uhr
Aula OZ Grünau

am Puls/stgallen24