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Kanton
26.04.2022

Werden Gebäude in St.Gallen bald so aussehen?

Kantonale Hochbauten sollen grüner werden. (Symbolbild)
Kantonale Hochbauten sollen grüner werden. (Symbolbild) Bild: unsplash.com
Auch Hochbauten können für eine Verbesserung der Biodiversität genutzt werden. Unter dem Motto «Vielfalt statt Einfalt» konvertiert das kantonale Hochbaumt deshalb bis 2025 rund 50 seiner Gebäude: von konventionell zu naturnah.

Die Biodiversität in der Schweiz ist unter Druck. Siedlungen wachsen und verkleinern den Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen. Doch Gebäude und ihre Umgebung stehen nicht zwangsläufig im Widerspruch zur Biodiversität – auch Hochbauten können naturnah sein. Der Kanton will bei seinen Gebäuden mit gutem Beispiel vorangehen: Artenreiche Blumenwiesen ersetzen künftig eintönige Rasen und kahle Fassaden bekommen mit Pflanzen ein neues Gesicht.

Ökologisch und wirtschaftlich zugleich

Mit dem Klimawandel steigen die Temperaturen, lange Phasen der Trockenheit nehmen zu. Im Siedlungsraum ist die Hitzebelastung besonders gross, viele versiegelte Flächen absorbieren die Sonnenstrahlung und heizen die Umgebung auf. Intensiver Starkregen setzt dem Aussenraum weiter zu. Naturnah konzipierte Aussenräume und Freiflächen fördern nicht nur die Biodiversität im Siedlungsraum, dieser wird so auch «klimafit»: Eine naturnahe Gestaltung schafft ein besseres Mikroklima, bindet Feinstaub sowie CO2 und absorbiert starke Niederschläge.

Naturnahe Liegenschaften sind aber auch wirtschaftlicher. Der Aufwand für Unterhalt und Pflege wird beträchtlich reduziert: weniger Pflegeeinsätze, weniger Ressourcenverbrauch (Personal, Maschinen, Wasser), der Chemie- und Düngemitteleinsatz entfällt.

Erste Projekte erfolgreich umgesetzt

Die Motorfahrzeugprüfstellen in St.Gallen, Thal, Kaltbrunn und Mels, die Pädagogische Hochschule St.Gallen in Gossau, das Zivilschutzausbildungszentrum in Bütschwil oder das kantonale Jugendheim Platanenhof in Oberuzwil – bereits aufgewertete Standorte aus dem heterogenen Liegenschaftenportfolio des kantonalen Hochbauamts zeigen die unterschiedlichen Anforderungen und Möglichkeiten einer naturnahen Gestaltung auf.

Das Hochbauamt liess artenreiche Blumenwiesen säen oder Stauden- und Ruderalflächen (Rohbodenflächen) erstellen – zahlreiche Ast- und Steinhaufen schaffen Kleinstrukturen für Insekten. Auch das Verwaltungsgebäude des Bau- und Umweltdepartementes an der Lämmlisbrunnenstrasse in St.Gallen wird aufgewertet: Versiegelte Flächen werden zu Pflanzflächen, monotone Formhecken zu Wildhecken und Kletterpflanzen begrünen künftig die Fassadenbereiche.

2022 folgen weitere Projekte. Bei den Kantonsschulen in Heerbrugg und Wil verbessert das Hochbauamt zum Beispiel mit unterschiedlichen Massnahmen nicht nur die Biodiversität, sondern auch das Mikroklima erheblich.

Nachahmung erwünscht

Plakate informieren an den umgestalteten Standorten über die Anpassungen. Mit einem QR-Code gelangen Interessierte auf eine Webseite mit vertiefenden Informationen. Zusätzlich zur Information der Bevölkerung sollen durch die sorgfältig geplanten Massnahmen auch Architektur- und Planungsunternehmen sowie Bauherrschaften für das Thema Biodiversität im Siedlungsraum sensibilisiert oder inspiriert werden.

Einbeziehen und ausbilden

Für den nachhaltigen Erfolg der Massnahmen werden die Nutzer der entsprechenden Objekte im Vorfeld bei der Planung einbezogen. Hauswartung und Pflegeverantwortliche werden nach erfolgter Umsetzung an ihren Standorten praxisnah geschult. Die Pflege naturnaher Aussenräume ist zwar einfacher, verlangt aber nach einer fachlich spezifischen Einführung, damit sich die konvertierten Aussenräume erfolgreich entwickeln.

pez/pd