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Stadt St.Gallen
25.04.2022
26.04.2022 11:18 Uhr

Getestet: Was kann Seafood in St.Gallen?

Ein 32-Kilogramm-Thunfisch wird im «Sauceria Segrass» verarbeitet
Ein 32-Kilogramm-Thunfisch wird im «Sauceria Segrass» verarbeitet Bild: zVg
Mitten in der Pandemie gründeten Rafael Niederkofler und Arjeta Idrizi von der «Sauceria» ein weiteres Restaurant und wagen sich damit an ein neues Konzept. stgallen24 hat es ausprobiert.

Lockdowns, strenge Hygienekonzepte, Planungsunsicherheiten, fehlendes Personal und weniger Kundschaft: Kaum eine Branche wurde mit solcher Wucht von der Pandemie getroffen wie die Gastronomie. Doch es gab auch sie – die Erfolgsgeschichten inmitten der Krisenzeit.

Im Juli 2020 eröffneten Rafel Niederkofler und Arjeta Idrizi das Restaurant Sauceria an der Engelgasse 13. Mit der Ambition, «die besten Saucen der Stadt» anzubieten, entstand ein neuer Gourmet-Hotspot, der vor allem junge Gäste anlockt.

Der Plan ging auf und so wurden von den Kunden selbst fleissig Bilder und Videos etwa von Trüffel, der grosszügig auf die Pasta gehobelt wird, auf Instagram geteilt.

Die Gastgeber Arjeta Idrizi und Rafael Niederkofler. Bild: zVg

Der Ehrgeiz der beiden Gastronomen war geweckt, und so folgte im Mai 2021 die Eröffnung eines weiteren Restaurants mit dem Namen «Sauceria Seagrass» – nur wenige Meter vom ersten Lokal entfernt.

«Wir wollten uns speziell auf Fisch konzentrieren, da es in St.Gallen kein vergleichbares Restaurant gibt», sagt Niederkofler, der leidenschaftlicher Fischer ist.

 

Ein Fischrestaurant in der Gallusstadt? Kann das funktionieren? stgallen24 hat sich durch das Menü getestet und bewertet Ambiente, Service, Essen und Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ambiente

Inmitten des berühmt-berüchtigten St.Galler Bermudadreiecks, gegenüber vom Schwarzen Engel und im denkmalgeschützten Gebäude findet sich an der Augustinergasse 22 das «Sauceria Seagrass». Ein Graffiti an der Fassade von Streetart-Künstler Lionel David, das eine von der Gabel aufgespiesste Garnele zeigt, macht bereits von aussen auf das Konzept aufmerksam.

Vorbei an einer Terrasse, die das Speisen im Freien möglich macht, gelangt man in einen überschaubaren Raum mit tiefen Decken. Bunte, aber farblich sehr abgestimmte Möbel setzen einen gekonnten Kontrast zu den weiss gedeckten Tischen, die andeuten, dass es sich hier um eine gehobenere Lokalität handelt.

Das Konzept spiegelt sich in der kompletten und sehr stilvollen Einrichtung wider – sei dies in der Fisch-Tapete, bei den Bildern an den Wänden oder den Kissen mit Schildkröten-Strickereien. Die Musik im Hintergrund ist dezent, aber wahrnehmbar und macht den ersten Eindruck vollkommen. Die Freude auf das Essen steigt.

  • Interieur Bild: zVg
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  • Terrasse Bild: zVg
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Service

Begrüsst und bedient wurden wir an diesem Abend von Rafael Niederkofler persönlich. Es wurde nach Unverträglichkeiten und Allergien gefragt, das Wasser wurde stets nachgeschenkt und für Fragen und Anmerkungen hat er sich Zeit genommen.

Niederkoflers Passion zu seiner Arbeit transportiert er auf seine Gäste, und ihm gelang es mit seiner lockeren, aber sehr professionellen Art, den Spagat zwischen einem Besuch in einem noblen Restaurant und ein gemütliches Abendessen bei Freunden zu machen.

Essen

Neben Fischspezialitäten findet man neuerdings auf der Speisekarte auch eine grosse Auswahl an Tapas, die auf eine kulinarische Reise durch die Welt entführen: So kann man beispielsweise Sashimi, Tatar vom Tuna, Chicken Tandoori, Falafel oder Polpette kosten. Als Vorspeise werden pro Person zwischen eins bis drei Tapas, als Hauptspeise fünf bis sieben Tapas empfohlen.

Auch wenn man einige Gerichte nicht unbedingt in einem Restaurant, das sich Seafood auf die Fahne geschrieben hat, vermutet, bieten die kleinen Häppchen eine schöne Möglichkeit, Produkte, die nicht täglich auf dem Teller landen, auszutesten.

Die Gewürze – sei es beim Falafel oder beim Tandoori – waren sehr fein abgeschmeckt und erinnerten stark an die traditionellen Gerichte. Der perfekte Startschuss für den Abend war gefallen.

Seit Kürze gibt es auch eine grosse Auswahl an Tapas Bild: zVg

Als Zwischengang wurde uns eine der vier «Seagrass Plateaux» präsentiert: Eine Auswahl von verschiedenen Fischprodukten wird in der Tischmitte auf einem Plateau, gefüllt mit Crushed Ice, serviert, dazu gibt es frische Zitrone, Apfel-Wasabi-Salsa, Tomaten-Vinagrette, Aioli und hausgemachtes Focaccia Brot.

Ein halber Hummer, ein halber Rocklobster, Miesmuscheln sowie Tuna und Lachs Sashimi überzeugten mit einer hervorragenden Qualität und einer sehr puristischen Zubereitung. Mit den dazu gereichten Saucen konnte man je nach Belieben verfeinern und würzen.

Seagrass Plateaux Bild: zVg/mik

Sie gilt als das spanische Gericht überhaupt und katapultiert einen sofort an die Promenade eines kleinen Fischerdörfchens mit bunten Häusern und Strassenmusik: die Paella.

Den Köchinnen im Seagrass ist es gelungen, dieses Urlaubsgefühl mit diesem traditionellen Gericht bestehend aus Safranreis, Krustentierfond, Blacktiger Shrimps, Kabeljau und Lachs in die Gallusstadt zu transferieren. Der Reis hatte den perfekten Biss, das Fischfleisch war überaus zart und der Fond fruchtig, tomatig, rauchig und kaum ölig. Ein absolutes Highlight!

Als krönenden Abschluss gab es ein erfrischendes Dessert aus Shaved Ice mit Himbeer und Basilikum, aufgefüllt mit einem Prosecco Rosé Corvezzo. 

Paella mit verschiedenen Fischspezialitäten Bild: mik

Preis-Leistung

Gute Qualität kostet: Im Restaurant Sauceria Seagrass bezahlt der Gast mehr als in durchschnittlichen St.Galler Restaurants, aber nicht mehr als in Restaurants mit vergleichbarer Qualität.

So liegt ein Tapa zwischen fünf und 17 Franken, die Paella bei 39 Franken, die Seagrass Plateaux zwischen 49 und 169  Franken – und für eine normale Hauptspeise zahlt man etwa zwischen 40 bis 60 Franken. 

Würden wir wiederkommen? 

Ja, auf jeden Fall – schon nur für die Paella! Das Sauceria Seagrass ist ein besonderer Ort und tatsächlich sucht man vergebens nach etwas Vergleichbaren in der Stadt St.Gallen. Das Essen, die Gastfreundschaft und das Ambiente lassen für einige Stunden Urlaubsstimmung hochkommen.

Die Wertschätzung für Fisch und Fleisch spiegelt sich in der Qualität wider; das rechtfertigt auch die etwas höheren Preise. Schön, dass junge Gastronomen sich an unkonventionelle Konzepte in der Stadt St.Gallen wagen – hoffentlich ziehen einige nach!

 Gibt es ein Restaurant in St.Gallen oder Umgebung, das wir unbedingt testen sollten? Lassen Sie es uns wissen unter redaktion@stgallen24.ch oder via Instagram.

Miryam Koc/stgallen24