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Stadt St.Gallen
23.03.2022
23.03.2022 17:26 Uhr

Getestet: «The Taste of Japan» in St.Gallen

Feinstes Rindsfilet mit Pak Choi
Feinstes Rindsfilet mit Pak Choi Bild: mik
Das Restaurant Au Premier im Hotel Metropol bietet seit Montag als erstes Restaurant in der Stadt St.Gallen moderne japanische Küche an. stgallen24 hat gekostet.

In St.Gallen gibt es einige Orte, die Sushi anbieten – oder zumindest liefern, aber wer sich auf eine kulinarische Reise nach Japan in gehobemenem Stile begeben möchte, der sucht vergebens in der Gallusstadt. Genau dieses fehlende Angebot wird jetzt im Restaurant Au Premier im Hotel Metropol gedeckt. Seit dem 21. März gibt es am Bahnhof St.Gallen «The Taste of Japan» zu erleben.

Das Hotel Metropol wurde im Mai 2021 vom Zürcher Familienunternehmen Kramer Gastronomie übernommen (stgallen24 berichtete). Während in den ersten Monaten das alte Konzept beibehalten wurde, wagt sich Kramer nun an eine neue Speisekarte. Diese verspricht traditionelle japanische Gerichte mit einer raffinierten Abwandlung.

Kann es das auch bieten? stgallen24 hat das Essen getestet und bewertet Ambiente, Service, Essen und Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ambiente

Einen geläufigeren Standort in der Stadt St.Gallen gibt es wohl nicht. Das Hotel Metropol liegt direkt am Bahnhof und lädt besonders an sonnigen Tagen auf einen Cocktail oder Kaffee draussen ein. Das Restaurant Au Premier wird von aussen aber im ersten Moment nicht intuitiv wahrgenommen. Begibt man sich an die Rezeption des Hotels, wird man zum ersten Stock, in einen hellen Raum mit grossen Fenstern geführt, die den Blick aufs Bahnhofsgebäude freilegen.

Die Tische sind klassisch gedeckt, es herrscht eine diskrete, aber entspannte Stimmung, und man bekommt das Gefühl, in den nächsten Stunden etwas Besonderes erleben zu dürfen.

Die Einrichtung erinnert – bis auf die Stäbchen, die neben Messer und Gabel liegen – noch nicht an Japan. Hier gäbe es sicherlich noch Potenzial, um das Erlebnis noch authentischer zu gestalten: gedimmtes Licht, japanische Klänge im Hintergrund und dunklere Akzente in der Dekoration beispielsweise. Dies tut der Vorfreude auf ein gutes Essen aber keinen Abbruch.

Service

Ab dem Zeitpunkt der Reservation bis zum Verlassen des Restaurants fühlt man sich von den Mitarbeitern des Hotels bzw. Restaurants sehr umsorgt. Es wurde nach Allergien und Unverträglichkeiten gefragt, die Jacke wurde abgenommen, das Wasser immer nachgeschenkt.

Der Kellner, der uns an diesem Abend bediente, war sehr zuvorkommend, höflich und freundlich – ohne dabei aufgesetzt zu wirken. Er empfahl uns das Fünf-Gänge-Menü. 

Essen

Gäste haben die Wahl zwischen einem Drei- und einem Fünf-Gänge-Menü oder individuellen Gerichten. Die Speisekarte ist übersichtlich, aber bietet trotzdem eine sorgfältig ausgesuchte Anzahl Speisen an. Wir haben uns für das Fünf-Gänge-Menü entschieden, um möglichst viele Gerichte zu kosten.

Ein Rindstartar – japanisch abgeschmeckt – gab es als Gruss aus der Küche vorab; es regte die Geschmacksknospen für die weiteren Gänge gelungen an. Danach folgte eine Schifferplatte mit einer Auswahl von Sushi und Nigiri. Sowohl Lachs als auch Thunfisch überzeugten mit ausgezeichneter Qualität, der Reis hatte die perfekte Konsistenz und noch einen leichten Biss – wie es sich für gutes Sushi gehört. Eine leichte japanische Mayonnaise verlieh dem Ganzen noch einen besonderen Twist.

  • Erster Gang: Nigiri und Sushi Bild: mik
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  • Miso Suppe und Gyozas Bild: mik
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  • Rindfilet auf Pak Choi und Lachs auf Spinat Bild: mik
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  • Zum Dessert gab es Mochi-Eis Bild: mik
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Als zweiten Gang gab es eine Miso-Suppe mit Tofu, Chilli, Gemüse und Koriander. Diese sorgte für einen guten Kontrast zum kalten Sushi. Die Miso war sehr fein abgeschmeckt und überzeugte mit einer leicht salzigen Brühe ohne viel Schnickschnack.

Der dritte Gang wurde nicht auf einem Teller, sondern im klassischen Dampfkorb, in denen die Gyozas traditionell gegart werden, serviert. Eine feine Kruste umhüllt die verschiedenen Füllungen, die aus Crevetten, Rindfleisch und Gemüse bestehen. Verfeinert mit Soyasauce schmecken die Teigtaschen noch besser. Hier trifft gekonntes Handwerk auf authentischen Geschmack.

Nach den Gyozas gab es ein butterweiches Lachssteak mit Spinat und einem Gomadressing, das mit einer süssen Note für den absoluten Umami-Kick sorgt. Kann der Hauptgang das noch toppen?

Oh, ja! Das Rindsfilet auf Pak Choi und Yuzubutter beweist, dass auch Japaner Rindfleisch zubereiten können. Der asiatische Kohl hatte einen perfekten Biss und verlieh dem Gericht einen frische Komponente. Und: Wer einmal Yuzubutter auf dem Fleisch gekostet hat, möchte nie mehr etwas von Kräuterbutter wissen.

Als krönenden Abschluss gab es ein Terzett aus Mochi-Eis: Mango-Passionsfrucht, Vanille und Kokosnuss. Mochi ist japanischer Reiskuchen, der aus einer süsslichen Reissorte hergestellt wird. Traditionell wird der Klebreis während stundenlangen Vorgängen durch Schlagen mit riesigen Holzhammern und viel Fingerspitzengefühl zu dem typischen weichen und elastischen Reisteig umgewandelt. Garniert wurde mit Beeren.

Preis-Leistung

Das Fünf-Gänge-Menü liegt bei 94 und das Drei-Gänge-Menü bei 72 Franken. Einzelne Hauptgerichte liegen zwischen 29 und 46 Franken und damit wahrscheinlich etwas über den durchschnittlichen St.Galler Preisen.

Aber im Au Premier erhält der Gast auch kein durchschnittliches Gericht, sondern wird auf eine Reise nach Japan entführt und bezahlt quasi ein Erlebnis mit. Die Preise sind für die Qualität des Essens sehr fair.

Fazit 

Endlich gibt es in St.Gallen einen Ort, wo man japanisches Essen in einem schönen Ambiente erleben kann. Denn diese Küche verdient es, zelebriert zu werden. Neben dem raffinierten Essen sorgen die Stimmung und der Service im Restaurant für ein gelungenes Rundum-Sorglos-Paket. Alle Gäste wurden von den Köchen am Tisch besucht, die sich auch Feedback eingeholt haben.

Wie erwähnt, gibt es noch hinsichtlich des Ambientes Potenzial, um das Erlebnis noch aufregender zu machen. Ich stelle mir eine Einrichtung vor, die an ein hippes New Yorker Restaurant, das moderne japanische Küche anbietet, erinnert. Dies sei alles in Planung, wie man uns hat sagen lassen.

Wer Lust auf etwas Neues hat, einen besonderen Anlass feiert oder einfach gut Essen möchte, der wird im Au Premier nicht enttäuscht. Wir kommen wieder und hoffen, dass sich die St.Galler für solche Konzepte öffnen.

Gibt es ein Restaurant in St.Gallen oder Umgebung, das wir unbedingt testen sollten? Lassen Sie es uns wissen unter redaktion@stgallen24.ch oder via Instagram.

Miryam Koc/stgallen24