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393 Rehkitze vor Mähtod gerettet

Mit Drohnen können Rehkitze vor einem grausamen Tod bewahrt  werden.
Mit Drohnen können Rehkitze vor einem grausamen Tod bewahrt werden. Bild: zVg
Seit einigen Jahren gewinnt der Einsatz von Drohnen zur Rehkitzrettung an Bedeutung. Insgesamt kamen während der Rehkitzrettungssaison 2021 in 44 St.Galler Jagdrevieren Drohnen für die Kitzrettung zum Einsatz.

Der technische Fortschritt hat dazu geführt, da einerseits die Preise für solche Systeme von über 20'000 Franken auf heute rund 6'000 Franken für ein leistungsfähiges Drohnenset gesunken sind. Andererseits hat sich auch die Software zur Steuerung der Drohnen so entwickelt, dass die meisten Abläufe heute automatisiert gewährleistet werden können, was gerade beim Einsatz in den frühen Morgenstunden, oft noch in Dunkelheit, von grosser Bedeutung ist.

Im Kanton St.Gallen haben vor rund fünf Jahren die ersten Reviere Drohnen für die Kitzrettung eingesetzt. Damals waren die Jagdreviere auf die Unterstützung von routinierten Drohnenpiloten angewiesen, da der Drohnenflug spezielle Fachkenntnisse und technisches Geschick voraussetzte. Mit der erwähnten Entwicklung der Systeme wurden zunehmend Jäger selbst als Piloten ausgebildet. Vor diesem Hintergrund lancierte Revier Jagd St.Gallen (RJSG), der Dachverband der St.Galler Jäger, 2019 eine Crowdfounding-Aktion zur Beschaffung von Drohnen zur Rehkitzrettung.

Erfolgreiche Rehkitzrettung 2021

Innert einem Monat kamen so rund 35'000 Franken an Spenden zusammen, für die fünf Drohnensysteme gekauft wurden. Parallel schafften sich auch einzelne Reviere diese von RJSG empfohlenen Systeme an. Diese einheitliche und koordinierte Beschaffung hatte preislich, vor allem aber bezüglich Support und Ausbildung grosse Bedeutung.

Schliesslich unterstützte das Amt für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF) des Kantons St.Gallen das Projekt mit einem einmaligen Startbeitrag von 10'000 Franken, der für die Ausbildung in den Jahren 2021-23 eingesetzt wird.

Insgesamt kamen während der Rehkitzrettungssaison 2021 in 44 St.Galler Jagdrevieren Drohnen für die Kitzrettung zum Einsatz. Dabei kamen 26 Drohnen zum Einsatz, mit denen gesamthaft eine Fläche von über 2'000 Hektaren abgeflogen wurde. Seitens der Jagd wurden dabei über 500 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet, in der Regel sehr früh am Morgen. Die reine Flugzeit der Drohnen betrug über 80 Stunden und in dieser Zeit konnten durch die 22 statistisch begleiteten Drohnenteams 393 Rehkitze vor dem qualvollen Mähtod gerettet werden.

Aus- und Weiterbildung

Trotz enormem Fortschritt in der Bedienerfreundlichkeit moderner Drohnen kommt der Ausbildung der Piloten und in einer zweiten Phase auch der Retter entscheidende Bedeutung zu. Denn nicht nur das Fliegen selbst muss gelernt sein, auch die Einbindung der Drohnenteams in die Jagdorganisation, die Erfassung der relevanten Wiesen und Felder sowie der Kontakt zu den Landwirten und die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Drohneneinsatz erfordern entsprechende Instruktionen.

Obwohl die Rehkitzrettung mit Drohnen und Wärmebildkameras die effizienteste und sicherste Lösung ist, kommt dem konventionellen Verblenden immer noch grosse Bedeutung zu. Denn einerseits ist es undenkbar, an den Mähtagen alle Felder und Wiesen mit Drohnen abfliegen zu können. Andererseits gibt es Wetterbedingungen, bei denen der Drohneneinsatz nicht möglich ist und vor allem in Jahren, in denen alle Landwirte am selben Tag ihre Wiesen mähen wollen, muss parallel zum Drohneneinsatz zwingend auch konventionell verblendet werden.

Auch Landwirtschaft und Tierschutz gefordert

Während in den benachbarten Revierkantonen (AR/AI/GL/GR) die Kantone in die Beschaffung der Drohnen-Infrastruktur investieren, belässt es der Kanton St.Gallen bei einer einmaligen Anschubfinanzierung (10'000 CHF im Jahre 2020). Dieses Vorgehen ist verständlich, ist der Hegeauftrag in einem Revierkanton doch durch die Jagdgesellschaften zu erfüllen. Es stellt sich jedoch die berechtigte Frage, ob die Rehkitzrettung wirklich ausschliesslich Aufgabe der Jagdgesellschaften ist, oder ob nicht auch seitens der Landwirtschaft und des Tierschutzes finanzielle Mittel freigemacht werden müssten.

Denn wenn eine flächendeckende Rehkitzrettung mit Drohnen und Wärmebildkameras gewährleistet werden soll, sind im Kanton St.Gallen mindestens nochmals so viele Drohnensysteme notwendig, wie 2021 zum Einsatz kamen. Also rund nochmals 25 Drohnen, was Investitionskosten von rund 150'000 Fr. entspricht. Kitzrettung ist aber nicht nur Tierschutz, sondern auch ein Schutz gegen Botulismus und somit von direktem Interesse für die Nutztiere in der Landwirtschaft, heisst es in der Medienmitteilung. Denn kommen Tierkadaver, wie beispielsweise vermähte Rehkitze ins Futter, droht Botulismus. Botulismus ist eine Vergiftung, die durch das Bakterium Clostridium botulinum hervorgerufen wird und zum Tod der Nutztiere führt, die das vergiftete Futter fressen.

mik/pd