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Stadt St.Gallen
28.08.2021
16.11.2021 11:21 Uhr

Mundart-Kolumne «Hopp Sanggale!»

Susan Osterwlder-Brändle
Susan Osterwlder-Brändle Bild: PD
Susan Osterwalder-Brändle erforschte während Jahren den St.Galler Dialekt. Mit «Hopp Sanggale!» entstand ein Werk mit rund 3000 Mundartbegriffen und Redensarten, die zum Teil schon in Vergessenheit geraten sind. Auf stgallen24 leben sie wieder auf. Heute: «Göppel».

Ein Göppel (männlich, Singular) ist eine despektierliche Bezeichnung für Fahrzeug.

Sobald sich im Sommer das schöne Wetter zeigt, sind gefühlt doppelt so viele Autos unterwegs. Sie verstopfen morgens und abends zur «rush hour» die Strassen und posen am Feierabend auf speziellen Strecken, um Schönheit, Kraft und vermeintlich monetäre Potenz zu suggerieren. Autos, die als Status herhalten müssen und manchmal auch als Surrogat, wofür auch immer... Also nicht, dass mir schöne Autos nicht gefallen. Aber ich sehne mich manchmal nach der Zeit zurück, wo Autos noch etwas rein Mechanisches waren. Obwohl sich keiner die stinkenden Dreckschleudern aus den Sechzigern und Siebzigern zurückwünscht, hatte so ein röhrender V8-Motor schon etwas! Da kann kein Lithium-Ionen-Akku mithalten.

Echtgummi-Reifen, Holzgriffe am Schalthebel, und glänzendes Chrom wohin das Auge reicht. Beim Rumschrauben bekam man noch dreckige Hände! Und wir wussten noch, was «Ente» auch bedeuten konnte und klebten Abziehbilder (also ich nie!) auf unsere Autos! Und sie hiessen nicht Auto. Sie bekamen Namen. So hiess die «Ente» eines meiner Nachbarn, der damals 15 Jahre älter war als ich und cooler 68-er-Hippie, «Emma» oder der fast ausrangierte, extra aus UK importierte Rolls Royce eines Bekannten, «James».

Gut, auch damals griff schon gerne auf Pferdestärken unter der Haube zurück, wer besonders auffallen wollte. Daran hat sich nichts geändert. Ansonsten waren Autos leicht despektierlich das, was sie auch heute im Dialekt noch manchmal sind: e Bäne, e Chischte, en Charre, en Chlapf, e Giibe, e Grübe – en Göppel!

Der Begriff Göppel oder Göpel stammt ursprünglich übrigens aus dem landwirtschaftlichen Bereich: Eine Vorrichtung, die aus Rädern, einer senkrechten Welle und einem Zugbalken bestand, den zu früheren Zeiten im Kreise gehende Pferde oder Ochsen bewegten, wodurch deren Kraft auf die Welle und weiter auf Maschinen übertragen wurde. Früher auch oft verwendet für ein Fahrrad oder ein Kinder-«Welöli».

Zur Autorin     

Die Ostschweizer Publizistin und Kunstschaffende Susan Osterwalder-Brändle landete mit ihrem dritten Buch, dem 1.St.Galler Mundartwörterbuch «Hopp Sanggale!» einen Sachbuch-Bestseller. Die ehemalige TV-Frau und Therapeutin widmet sich heute vor allem ihrer analogen und digitalen Kunst in der eigenen Galerie in Oberuzwil, sowie ihren publizistischen Projekten. Für stgallen24 erklärt Susan Osterwalder-Brändle regelmässig einen Mundartbegriff oder eine Redensart, verbunden mit kleinen Geschichten zum Schmunzeln.

Susan Osterwalder-Brändle, stgallen24-Kolumnistin