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Stadt St. Gallen
21.07.2021
21.07.2021 11:54 Uhr

Feuerwehrdepot: Stadtrat braucht 3,2 Millionen mehr

Das Feuerwehrgebäude an der Notkerstrasse 44 wurde 1969 in Betrieb genommen.
Das Feuerwehrgebäude an der Notkerstrasse 44 wurde 1969 in Betrieb genommen. Bild: pd
Für die Sanierung und Erweiterung des Gebäudes von Feuerwehr und Zivilschutz an der Notkerstrasse 44 beantragt der Stadtrat einen Zusatzkredit von 3,2 Millionen Franken. Viele Punkte seien bei der Ausarbeitung des Projekts wegen «hohen Zeitdrucks» damals nicht berücksichtigt worden.

Das Stadtparlament hat an seiner Sitzung vom 11. Juni 2019 das Projekt für die Sanierung und Erweiterung des Gebäudes von Feuerwehr und Zivilschutz genehmigt. Am 17. November 2019 hatte das St.Galler Stimmvolk dem Projekt, welches einen Verpflichtungskredit von 19,8 Millionen Franken umfasst, zugestimmt.

Nun hat der Stadtrat aber einen Zusatzkredit von 3'191'000 Franken dem Stadtparlament unterbreitet, der am 24. August diskutiert werden soll. Eine stolze Summe, bei der die Frage aufkommt, ob ein Neubau – wie damals diskutiert – doch mehr Sinn gemacht hätte. Die damalige Baudirektorin Maria Pappa sicherte aber zu, dass der Stadtrat die richtige Lösung präsentiert hat. In der Vorlage des Stadtparlaments, die nun eingereicht wurde, klingt dies aber anders. 

«Unter hohem Zeitdruck gearbeitet»

Das federführende Architekturbüro, Flur Architekten AG, St.Gallen, und das Fachplanerteam haben in enger Zusammenarbeit mit den städtischen Dienststellen der Direktion Planung und Bau sowie der Direktion Soziales und Sicherheit das Vorprojekt mit Kostenschätzung ausgearbeitet. 

«Diese Arbeiten geschahen unter hohem Zeitdruck und basierten auf einer nicht ins Detail ausgearbeiteten Bestellung, da die Gebäudeversicherung des Kantons St.Gallen GVSG Subventionen für das Bauprojekt im Umfang von 921'000 Franken nur bis Inkrafttreten des totalrevidierten kantonalen Feuerschutzgesetzes in Aussicht gestellt hat. Übergangsbestimmungen zur Handhabung der Subventionspraxis der GVSG waren keine bekannt. Es musste davon ausgegangen werden, dass als Voraussetzung zur Subventionierung das für den Beschaffungsentscheid zuständige Organ, im vorliegenden Falle das Volk, denentsprechenden Beschluss gefasst haben musste. Das Inkrafttreten des totalrevidierten Feuerschutzgesetzes war auf den 1. Januar 2020 angekündigt worden. Dass dies tatsächlich erst per 1. Januar 2021 geschehen würde, konnte damals nicht vorausgesehen werden», schreibt die Stadt.

Hochwasserschutz wird doch nötig

Im Zuge der Ausführungsplanung sei festgestellt worden, dass ergänzend zur ursprünglichen Bestellung verschiedene betriebsnotwendige Massnahmen umgesetzt werden müssen, andererseits habe sich gezeigt, dass einzelne bauliche Massnahmen im Bereich der Erdbebensicherheit, der Haustechnik und der bestehenden Kanalisation notwendig sind. Zudem wurden im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens behördliche Auflagen gemacht, welche zusätzliche Massnahmen zeitigten, die nicht im Verpflichtungskredit eingerechnet waren. «Aus diesen Gründen wird ein Zusatzkredit unumgänglich», gibt der Stadtrat zu.

Die Sanierungs- und Erweiterungsmassnahmen betreffen hauptsächlich den Perimeter des von der Feuerwehr genutzten Gebäudeteils an der Notkerstrasse 44. Dieser Bereich des Gebäudes ist nicht hochwassergefährdet. Entsprechend wurden keine Investitionskosten für den Hochwasserschutz im Verpflichtungskredit eingerechnet. Im Zuge der Erarbeitung der Baueingabe und weiterer Vorabklärungen zum Bauprojekt wurden auf Grundlage des Planungs- und Baurechts, Massnahmen zum Schutz des gesamten Gebäudes, also auch auf Seite Steinachstrasse 47/49, gefordert. Aus diesem Grund werden nun ein Hochwasserschutz am Parzellenrand zur Steinachstrasse erstellt – für 520'000 Franken.

«Aufwändiger als erwartet»

Das Vorprojekt der Sanierungs- und Erweiterungsmassnahmen sah vor, das bestehende 2. Obergeschoss im Istzustand zu belassen. Mit einer Erhöhung der Rutschfestigkeit des bestehenden Terrazzobodens in den Erschliessungszonen wurde nicht gerechnet. Das Arbeitsinspektorat (Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons) hat die Ertüchtigung zur Erlangung der Baubewilligung verlangt, sie ist im Bauprojekt entsprechend umzusetzen.

Mit der Projektdetaillierung wurde ersichtlich, dass vorhandene Betriebseinrichtungen (wie zum Beispiel die Späneabsauganlage der Schreinerei) die heutigen Sicherheits- und Brandschutzvorschriften nicht mehr erfüllen und zu ersetzen sind. Im Zuge der Detailprojektierung wurde die bestehende Kanalisation untersucht. Es zeige sich ausserdem, dass einzelne Kanalisationsleitungen erneuert werden müssen. Im Verpflichtungskredit wurden dafür keine Kosten eingestellt. 

Vollständige Erneuerung des Innenausbaus

Ein Grossteil des Zusatzkredits werde für die Erneuerung des Innenausbaus der Schlaf- und Aufenthaltsräume im 2. Obergeschoss nötig. Das Vorprojekt der Sanierungs- und Erweiterungsmassnahmen sah vor, das bestehende 2. Obergeschoss mehrheitlich im Istzustand zu belassen. Die Verbesserung des Schall- und Lichtschutzes der Schlaf- und Aufenthaltsräume wurde im Ausführungskredit in einfacher Weise berücksichtigt. Während der Projektierung sei jedoch klar geworden, dass die Gebrauchstauglichkeit nur mit einer vollständigen Erneuerung des Innenausbaus zielgerichtet und befriedigend erreicht werden kann. Die Kompletterneuerung kostet 620'000 Franken.

Ausserdem fallen für Massnahmen zur Erdbebensicherheit 190'000 Franken, für die Kanalisationssanierung 60'000, für Abgasabsauganlage der Fahrzeughalle 250'000 Franken, für erhöhte Sicherheitsausführungen bei den Rutschstangen 240'000 Franken, für zusätzliche HLK Anlagen in Aufenthalt und Werkstätten 170'000 Franken und für die zusätzliche Gebäudetechnik insgesamt 1'170'000 Franken an. 

Projekt verzögert sich um ein Jahr

Der am 17. November durch die St.Galler Stimmbürger erteilte Verpflichtungskredit beträgt insgesamt 19’815'000 Franken. Inklusive vorliegendem Zusatzkredit beläuft sich der Verpflichtungskredit neu auf insgesamt 23’006'000 Franke. Das Kredittotal enthält eine Reserve von 2'115'000 Franken.

Aufgrund der Notwendigkeit, einen Zusatzkredit beantragen zu müssen, und der dazu benötigten Überarbeitungen verzögert sich das Projekt um rund ein Jahr. Der Beginn der Bauarbeiten soll demnach im Herbst 2022 starten und der Bezug soll bis im Sommer 2024 möglich werden. 

mik/stgallen24