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Stadt St. Gallen
21.06.2021
22.06.2021 19:33 Uhr

Lage für Clubs spitzt sich zu – Öffnung gefordert

Seit acht Monaten steht das Nachtleben still.
Seit acht Monaten steht das Nachtleben still. Bild: zVg
Nach acht Monaten Zwangspause reicht es der Schweizer Bar und Club Kommission langsam, aber sicher. Sie appellieren an den Bundesrat und fordern die Öffnung der Clubs – auch ohne Covid-Zertifikat.

Diesen Mittwoch wird der Bundesrat über die nächsten Öffnungsschritte, welche ab dem 28.06.2021 in Kraft treten, informieren. Dabei ist auch vorgesehen, dass Clubs mit Zertifikats-Zugangsbeschränkung, einer Auslastung von 50 Prozent der bewilligten Kapazität sowie einer absoluten Obergrenze von 250 Personen wieder öffnen dürfen.

«Diese Einschränkungen bieten keinem Kulturunternehmen in der Schweiz auch nur annähernd eine wirtschaftliche Basis. Acht Monate hat eine ganze Branche, haben die Jugendlichen in der Schweiz, auf dieses Signal gewartet, doch nach der Prüfung der Konsultationsunterlagen und unter der Berücksichtigung der aktuellen epidemiologischen Lage, ist die Ernüchterung gross», schreibt die Schweizer Bar und Club Kommisssion (SBCK), zu der auch der St.Galler Verband «Nacht Gallen» gehört. 

Keine Verhältnismässigkeit mehr

Aus Sich der SBCK antizipiert der Öffnungsschritt V zu wenig die aktuelle epidemiologische Lage. Diese verbessert sich kontinuierlich, obwohl die Innenräume wieder geöffnet sind und sich nur noch die wenigsten Menschen an die Covid-19 Massnahmen halten.

Zudem werde die Impfquote anfangs Juli die 40 Prozent überschritten haben. Grundsätzlich solle laut der Kommission die Möglichkeit bestehen, Tanzveranstaltungen mit Maskentragpflicht, eingeschränkter Kapazität, Contact Tracing und sitzender Konsumation jedoch ohne Zertifikats-Zugangsbeschränkung durchzuführen.

Klare Ansage gefordert

«Lieber Bundesrat, schauen sie der Realität in diesem Land ins Auge: die Menschen drängen darauf das soziale Leben wieder in Angriff zu nehmen. Jetzt braucht es Normalität - das Zertifikat für Veranstaltungen kann, wenn es angezeigt ist (sprich bei einer Verschlechterung der epidemiologischen Lage), immer noch im Herbst eingeführt werden! Das Aufrechterhalten von solch rigorosen Einschränkungen für die Veranstaltungsbranche entbehrt jeder Verhältnismässigkeit, gefährdet die Akzeptanz der Schutzmassnahmen und drängt die jungen Menschen zum Besuch von illegalen Veranstaltungen ohne lästige und für sie nicht mehr nachvollziehbare Einschränkungen», heisst es weiter.

Sollte der Bundesrat auf das Covid-Zertifikat bei einer Öffnung bestehen, dann:

  • Ohne weitere Schutzmassnahmen, denn das Covid-Zertifikat stellt genügend Sicherheit dar.
  • Sollen Tanzveranstaltungen mit Zutritts-Beschränkung auch drinnen und ohne Maskentragpflicht mit bis zu 1'000 Besucherinnen und Besuchern möglich sein.
  • Müssen genügend niederschwellige und kostenlose Testkapazitäten zur Verfügung stehen.
  • Muss die Obergrenze für Härtefallhilfe sowie das Budget für Kulturausfallentschädigungen angehoben werden.
  • Braucht es eine klare Ansage, ab wann die Phase III eintritt, in welcher auch für Tanzveranstaltungen keine Schutzmassnahmen mehr umgesetzt werden müssen.

Nicht alle Clubs werden öffnen

Auch in den St.Galler Clubs dröhnt seit acht Monaten keine Musik mehr durch die Boxen und viele Clubbetreiber wünschen sich eine Perspektive: «Es gibt einfach noch sehr viele offene Fragen und auch wenn Clubs wieder öffnen dürfen, so ist nicht gerade Hauptsaison und es könnte sein, dass es sich für viele gar nicht lohnen wird im Sommer den Betrieb aufzunehmen», sagt Marc Frischknecht, Vorstandsmitglied von «Nacht Gallen». 

Besonders schwierig sei die Situation für Lokale, die nicht als Kulturbetrieb eingestuft wurden und damit nicht vom Unterstützungsprogramm des Kantons profitieren können. Allgemein sei die Zusammenarbeit mit dem Kanton und der Stadt ziemlich verhalten, sagt Frischknecht zu stgallen24.

Er wünsche sich, dass am Mittwoch endlich mehr auf die Branche eingegangen wird. Während die Clubs weiter dicht sind, sammeln sich in der St.Galler Innenstadt – wie beispielsweise im Bermudadreieck – Menschenmengen. Nach Abstand und Masken sucht man dort vergebens. «Das war abzusehen und deshalb verstehen wir nicht ganz, weshalb man bei den Clubs so lange wartet, obwohl ein Feiern mit Schutzkonzept viel sicherer wäre», so Frischknecht.

Miryam Koc/stgallen24