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Ein Handbuch gegen häusliche Gewalt

Häusliche Gewalt gibt es immer noch zu viel in der Schweiz.
Häusliche Gewalt gibt es immer noch zu viel in der Schweiz. Bild: Linth24
Heute veröffentlicht die Koordinationsstelle Häusliche Gewalt ein Handbuch, das im Projekt «Häusliche Gewalt und die Kinder mittendrin» erarbeitet wurde. Es ist ein Nachschlagewerk für die Zusammenarbeit der Behörden, Institutionen und Fachstellen, die mit betroffenen Familien in Kontakt sind. Im Zentrum stehen die Kinder und Jugendlichen.

Im Jahr 2020 gab es im Kanton St.Gallen 1085 Polizeiinterventionen bei häuslicher Gewalt, tätlichen Konflikten und eskalierenden Streitsituationen zu Hause. 448 davon waren Einsätze bei Familien mit insgesamt 738 Kindern und Jugendlichen. Diese Zahlen der Polizei zeigen diejenigen, die Hilfe holen. Daneben gibt es ein grosses Dunkelfeld. Nach einer Polizeiintervention hört die Gewalt nicht einfach auf. Viele Erwachsene suchen Hilfe bei einer Beratungsstelle, Jugendliche wenden sich zum Beispiel an die Schulsozialarbeit oder an das Kinderschutzzentrum, Frauen suchen gemeinsam mit ihren Kindern Schutz und Sicherheit im Frauenhaus.

Streit mit ernsthaften Folgen

Betroffene Kinder und Jugendliche können in der Familie unmittelbar körperlicher oder sexueller Gewalt ausgesetzt sein. Oder sie erfahren eine Form von psychischer Gewalt, wenn sie von Partnerschaftsgewalt in der Elternbeziehung betroffen sind. Denn dann wachsen sie in einem Klima der Gewalt auf und sind erheblichen Belastungen ausgesetzt. Sie sehen und hören die Gewalt und fühlen Angst, Mitleid, Erstarrung und Hilflosigkeit. Viele betroffene Kinder und Jugendliche zeigen ein gegen innen oder aussen gerichtetes Problemverhalten, zum Beispiel, wenn Gewalt oder Drohungen so stark waren, dass sie Angst um das Leben eines Elternteils haben mussten. Auch ernsthafte Entwicklungsrückstände oder bedeutende Schulschwierigkeiten können Auswirkungen der Partnerschaftsgewalt von erwachsenen Bezugspersonen sein.

Kinder und Jugendliche nicht vergessen

Familien mit Partnerschaftsgewalt durchlaufen verschiedene Phasen. Dazu gehört die Krisenintervention, für die oft die Polizei gerufen wird. Es gibt auch Phasen, in denen Vieles parallel läuft, zum Beispiel ein Strafverfahren, ein Trennungs- oder Scheidungsverfahren der Eltern, Kontakte zu Sozialberatungsstellen und ärztliche Behandlungen. Je nach Familiensituation sind viele verschiedene Fachpersonen aus unterschiedlichen Behörden, Institutionen und Fachstellen involviert. Die Gefahr besteht, dass die Kinder oder Jugendlichen dabei vergessen gehen.

Die Einleitung des im Projekt «Häusliche Gewalt und die Kinder mittendrin» erarbeiteten Handbuchs zeigt eindrücklich die Situation der Kinder und Jugendlichen auf und strukturiert das komplexe Feld des Kindesschutzes bei Partnerschaftsgewalt der Erwachsenen.

Zusammenarbeit verschiedener Akteuren

Die Behörden, Institutionen und Fachstellen des Hilfe- und Unterstützungssystems haben sehr unterschiedliche Aufträge. Dies kann es erschweren, im Kontakt mit den Familien den gemeinsamen Fokus zu behalten. Das neue Handbuch beschreibt die Aufgaben der verschiedenen Akteurinnen und Akteure und die Zusammenarbeit im Einzelfall. Diese Ausführungen geben eine Orientierungshilfe für die Zusammenarbeit und Aufgabenteilung. Sowohl kantonale wie kommunale Behörden und Fachstellen oder Institutionen und regionale Zweckverbände, aber auch private Vereine und Stiftungen mit oder ohne staatliche Leistungsvereinbarungen sind in die Zusammenarbeit im Einzelfall involviert. Darum wurde das Handbuch durch eine interdisziplinär zusammengesetzte Projektgruppe erarbeitet und der Lenkungsausschuss des Projekts aus Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Departemente, der Gemeinden und der KESB zusammengesetzt.

Erkennen und Handeln

Fachstellen im präventiven Kindesschutz sind vor allem in der Erkennung und dem Einleiten erster Handlungsschritte gefordert. Sie können sich auf Werkzeuge verlassen, die im Rahmen der Strategien Kindesschutz beziehungsweise «Frühe Förderung» erarbeitet wurden oder in Erarbeitung sind. So gibt der Leitfaden Kindesschutz wichtige Hinweise zum Vorgehen. Die Beratung, die durch das Kinderschutzzentrum geleistet oder aufgegleist wird, unterstützt beim Einleiten von ersten Schritten.

Am Ende des Handbuchs sind weitere Grundlagen und Hilfsmittel aufgeführt. Beispielsweise hat die Projektgruppe einen Leitfaden entwickelt, wie mit den Eltern die Situation der Kinder besprochen werden kann.

dg/pd