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03.06.2021
04.06.2021 09:59 Uhr

Run auf Trampolinpark wegen Bubble Tea

Reto Schirmer, Inhaber vom Fägnäscht, ist überrascht über den Ansturm.
Reto Schirmer, Inhaber vom Fägnäscht, ist überrascht über den Ansturm. Bild: Miryam Koc
Seit drei Wochen verkauft das Kinderparadies «Fägnäscht» in Rorschach, zu dem auch ein Trampolinpark gehört, das Hype-Getränk Bubble Tea. Die Besucherzahlen schiessen deswegen rasant nach oben.

Im April berichtete stgallen24 über den grossen Bubble-Tea-Hype, der gerade die ganzen grossen Städte erobert. Während in Zürich an jeder Ecke Teenies dafür anstehen, gab es in St.Gallen keine Möglichkeit das Trend-Getränk aus Asien zu kaufen. Die Betonung liegt auf «gab», denn auch die verschlafene Ostschweiz ist mittlerweile auf den Zug aufgesprungen und Reto Schirmer, Inhaber vom Fägnäscht und Trampolinpark in Rorschach, verkauft seit über drei Wochen das süsse Getränk.

«Ich war erst etwas skeptisch, denn schliesslich braucht man dafür eine spezielle Zubereitung und die Zutaten kommen aus Asien und diese zu beschaffen, ist nicht ganz einfach. Meine Frau hat mich dann aber überredet und dafür bin ich ihr sehr dankbar», sagt Schirmer. Er hätte nie damit gerechnet, dass das Getränk einen solchen Run auf den Park auslösen würde.

Yumiko Lohri und Reto Schirmer führen das «Fägnäscht». Bild: Miryam Koc

Gäste aus der ganzen Schweiz

Es ist knapp 24 Grad am Donnerstagnachmittag und der Trampolinpark ist ausgebucht. Ein Auto parkt neben dem anderen. Die Nummernschilder verraten, dass die Besucher von überall herkommen: Zürich, Zug, Schaffhausen, Thurgau. «Das ist ziemlich untypisch bei so einem schönem Wetter. Normalerweise sind die Leute dann lieber draussen, aber seitdem wir den Bubble Tea im Sortiment haben, scheint das keine Rolle mehr zu spielen», sagt Schirmer. Gemeinsam mit Yumiko Lohri hat er 2009 die grösste Spielplatz-Indooranlage der Ostschweiz namens «Fägnäscht» eröffnet. Auf über 2000 Quadratmetern können sich Kinder in Bällebädern und auf Rutschen austoben. 

  • Seit vier Jahren gibt es den Trampolinpark in Rorschach Bild: Miryam Koc
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  • Bild: Miryam Koc
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Social Media sorgt für Hype

Seit 2017 kommen aber auch ältere Kinder und Jugendliche im Trampolinpark auf ihre Kosten. Getrübt wurde der Spass von der Pandemie: «Wir hatten 2020 Umsatzeinbussen von über 40 Prozent und auch das Jahr 2021 wird zäh», so Schirmer. Das Bubble-Tea-Geschäft könnte dem aber entgegenwirken, denn seitdem dieser verkauft wird, gab es einen Besucherzuwachs von bis zu 50 Prozent. Doch warum eigentlich? Weshalb fahren alle Teenies so auf das bunte Getränk mit den kleinen Kügelchen ab?

«Alles verstehe ich auch nicht ganz, aber ich denke, dass Social Media der ausschlaggebende Punkt ist. Die Getränke sehen einfach cool aus und das teilt man dann gerne auf Instagram oder Tik-Tok. Unsere Zielgruppe schaut sich genau solche Videos und Fotos an und wollen es dann auch mal probieren», erklärt der Geschäftsführer, der auch selbst hinter der Theke steht und die Bubble Teas zubereitet. Die Becher hat man extra mit dem Logo vom Trampolinpark bedruckt, damit dieser in den Sozialen Medien wahrgenommen wird.

Nuor (10), Besarta (9), und Ena (10) sind extra wegen dem Bubble Tea in den Trampolinpark. Bild: Miryam Koc

Aufwändige Zubereitung

Den Bubble Tea herzustellen, ist gar nicht so einfach. Die Kügelchen, die im Jugendjargon «Bobas» genannt werden, müssen erstmal besorgt werden. «Eigentlich bestellen wir diese aus Taiwan, aber die Lieferkette ist seit einer längeren Zeit unterbrochen und ausserdem sind die Dinger heiss begehrt. Aktuell beziehen wir sie aus Deutschland.»

Diese kommen in den verschiedensten Geschmacksrichtungen daher: Erdbeere, Mango, Passionsfrucht, Kirsche, Litschi, Pfirsich, Heidelbeere, Waldbeere oder Tutti Frutti.  Basis des Getränks ist ein grüner Jasmintee. Dieser wird jeweils einen Abend vorher frisch aufgebrüht und gekühlt. An der Theke haben die Gäste dann die Qual der Wahl: Als erstes werden die Kügelchen ausgesucht, dann der Tee eingegossen und der süsse Sirup hinzugefügt. Auch den gibt's in allen möglichen Fruchtsorten. Der aktuelle Renner ist Erdbeere. Getrunken wird das Ganze mit einem dicken Strohhalm, damit die Kügelchen auch reinpassen. Im Mund zerplatzen diese und sorgen für das spezielle Erlebnis. 

  • Die «Bobas» gibt's in verschiedenen Sorten. Bild: Miryam Koc
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  • Sie sorgen für den besonderen Kick im Mund. Bild: Miryam Koc
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  • Aufgegossen wird mit einem grünen Jasmintee. Bild: Miryam Koc
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  • Neu im Sortiment: Bubble Tea Bild: Miryam Koc
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Auch das Grossmami findet's lecker

Mittlerweile habe sich rumgesprochen, dass es in Rorschach Bubble Tea gibt und dafür kommen Instagramer, Tik-Toker und Normalos von überall her – auch wenn sie nicht Trampolin springen. «Grundsätzlich sind es mehr Mädchen, die darauf abfahren, aber wir haben auch junge Erwachsene, die extra hierherkommen und gleich sechs Stück kaufen», sagt Schirmer. Ganz günstig ist der Eistee aber nicht: Die kleine Grösse kostet 5.50 Franken und die grosse 6.80.

Die 68-jährige Rita Häni zahlt das gerne für ihre beiden Enkelkinder und kauft gleich einen Bubble Tea für sich mit: «Das schmeckt einfach super, total fruchtig und für meine Enkelkinder fahre ich gerne von Degersheim nach Rorschach. Sogar für diesen Tee von diesem Rapper sind wir überall hin. Ich mache alles mit, denn so bleibe ich auf jung und fit!»

Auch die 10-jährige Nuor und ihre Freundinnen Besarta, Ena und Azumi sind extra wegen dem Getränk gekommen: «Wir haben es bei einer Tik-Tokerin gesehen und haben unsere Eltern dazu überredet, uns herzufahren. Wir wünschten es gäbe Bubble Tea überall und nicht nur hier. Am besten wäre ein Laden in Goldach.»

 

Auch Rita Häni (68) schmeckt's Bild: Miryam Koc

Trotz des grossen Ansturms möchte Schirmer keinen eigenen Bubble Tea Laden betreiben: «Es ist ein Hype und der könnte morgen wieder vorbei sein. Wir freuen uns einfach riesig, dass nach der schweren Zeit wieder etwas los und wir den Kindern und Eltern eine Freude bereiten können.» 

Miryam Koc