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Stadt St. Gallen
29.04.2021
29.04.2021 16:40 Uhr

Trotz Mega-Hype: Kein Bubble Tea in St.Gallen

Für Bubble Tea stehen Teenies stundenlang an. Bild: pexels
Gefühlt die ganze Schweiz redet gerade über Bubble Tea – nur St.Gallen nicht. Was soll der Hype um das asiatische Getränk – und weshalb machte der einzige Bubble-Tea-Laden in der Gallusstadt dicht?

Wenn man durch die Stadt Zürich schlendert und vor allem Teenies mit Smartphones vor einem Laden anstehen sieht, dann ist klar: Hier gibt's Bubble Tea. Das Getränk erlebt gerade ein riesiges Comeback, denn bereits vor zehn Jahren gab es einen Hype um das taiwanische Getränk, welches auf der Basis von gesüsstem und grünem oder schwarzem Tee basiert.

Häufig wird dieses mit Milch und Fruchtsirup versetzt und wie ein Milchshake zubereitet. Den besonderen Kick verleihen die bunten Kügelchen aus Tapioka oder einer anderen Speisestärke mit einer flüssigen Füllung, die beim Zerbeissen platzen. Den Geschmacksvariationen sind keine Grenzen gesetzt und so kann es passieren, dass sich Gäste besonders zu Beginn etwas überfordert mit der Auswahl fühlen. Getrunken wird das Ganze mit einem grossen Strohhalm. 

Letzter Bubble-Tea-Laden im Jahr 2015

Während in Deutschland und in grossen Städten der Schweiz die Bubble-Tea-Läden wie Pilze aus dem Boden spriessen, gibt es in St.Gallen keine Möglichkeit Bubble Tea zu kaufen – oder besser gesagt: keine mehr. 2012 eröffnete nämlich am  Burggraben 27 «Desi’s Bubble Tea». Geführt wurde der Laden von Ruth Hugentobler und ihrer Tochter. Doch 2015 mussten die beiden den Laden schliessen: «Wir waren zur Untermiete da und als der Mieter die ganze Ladenfläche vermieten wollte, mussten wir ausziehen», erzählt Hugentobler knapp sechs Jahre später. Zu Beginn sei das Geschäft mit den bunten Tees sehr gut gelaufen, doch dann geriet der Ruf des Trendgetränks ins Wanken und sogar Ärzte warnten vor dem Konsum. Doch warum? Besteht es ja lediglich aus Tee, Milch und Tapiokaperlen.

Bunt, süss, mild, stark: Bubble Tea gibt es in unzähligen Variationen. Bild: jcomp

Falschmeldungen killen den Hype

Der eine Grund für die Warnung waren die Kügelchen gepaart mit der Art, wie man den Tee trinkt: Mit einem Strohhalm. Dabei gäbe es eine potentielle Verschluckungsgefahr, warnten damals Ärzte. Auch Medien berichteten von Zwischenfällen nach dem Trinken von Bubble Tea. Dabei seien aber besonders Kinder betroffen und für Erwachsene gäbe es keine erhöhte Gefahr von Verschluckung und deshalb gab es später Entwarnung.

Den Todesstoss gab es aber 2012 von einer falschen Studie der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Die Forscher wollen in den Tapiokaperlen krebserregende Giftstoffe gefunden haben. Unter anderem Styrol und Acetophenon – Chemikalien, die als Rohstoffe bei der Herstellung von Kunststoffen dienen. Der Aufschrei nach dieser Studie war gross und binnen eines Jahres verschwanden fast alle Bubble Tea Geschäfte. Später stellten sich die Ergebnisse der Studie als falsch heraus.

«Diese Falschmeldungen führten dazu, dass die Kunden plötzlich besorgt waren. In Deutschland mussten reihenweise Läden dicht machen», sagt Hugentobler. So kehrte die gelernte Schneiderin nach der Schliessung des Geschäfts wieder in die Textilbranche zurück.

«St.Galler sind kritischer als Zürcher und Berner»

Es sei aber auch an ihr nicht vorbeigegangen, dass zurzeit der Trend wieder aufkomme. «Es ist aber ein Trend und Trends verschwinden wieder. Deshalb wäre es keine Option für mich, wieder einen Bubble-Tea-Laden zu eröffnen – auch wenn es uns damals Spass gemacht hat.» Ausserdem sei das Geschäft mit den Tees recht kompliziert gewesen, denn die Ware und die Geräte mussten aus Asien bestellt werden. Das wichtigste bei der Zubereitung seien die frischen Zutaten: «Wir haben den Tee immer frisch gebrüht und die Tapioka-Perlen selbst gekocht. Dann schmeckt der Bubble Tea auch echt lecker.»

Hugentobler wundert's nicht, dass St.Gallen noch nicht auf den Bubble-Tea-Zug aufgesprungen ist, denn sie schätze die St.Galler als eher kritische Bevölkerung ein. «In Zürich oder Bern haben es Trends einfacher. Die St.Galler sind nicht so offen für Neues. Ich bin aber gespannt, ob da doch noch was kommt.»

Miryam Koc