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Wirtschaft
13.03.2021

Das Steuersparpotenzial ausschöpfen

Raphael Ebneter, Bereichsleiter St.Gallen/Kreuzlingen bei der VZ VermögensZentrum AG Bild: FS
In St.Gallen und Thurgau gelten seit 2020 revidierte Steuergesetze. Neben höheren Familienzulagen und zusätzlichen Steuerabzügen für Private gibt es auch Vergünstigungen für Unternehmen. Auch Letztere nutzen oftmals nicht das ganze Sparpotenzial aus.

Mit der Steuerreform wurde die Steuerbelastung für juristische Personen gesenkt. So können Unternehmen im Kanton St.Gallen dank einer Inputförderung neu beispielsweise zusätzlichen Forschungs- und Entwicklungsaufwand im Umfang von 40 Prozent abziehen – im Thurgau sind es 30 Prozent. Doch es gibt noch mehr Sparpotenzial. Zum Beispiel, wenn man seine Vorsorgelösung optimiert oder die Bezüge von Lohn und Dividende besser koordiniert. Mit einer geschickten Planung können Sie als Unternehmer Ihre Steuerrechnung deutlich reduzieren.

Besteuerung von Einzelunternehmen

Nach der GmbH ist die Einzelfirma die beliebteste Unternehmensform in der Schweiz. Einzelunternehmer gelten als selbstständig. Ihr Gewinn ist AHV-pflichtig und unterliegt der Einkommenssteuer. Gute Geschäftsjahre können wegen der Steuerprogression mit bis zu 40 Prozent belastet werden. «Einzelunternehmer können viel Steuern sparen, wenn sie sich freiwillig einer Pensionskasse anschliessen», erklärt Raphael Ebneter, Bereichsleiter St.Gallen/Kreuzlingen bei der VZ VermögensZentrum AG. Einzelunternehmer haben die Wahl, ihre Vorsorge über die Säule 3a zu organisieren oder mit einer Pensionskasse (PK). Ohne Anschluss an eine PK dürfen 20 Prozent des Einkommens in die Säule 3a einbezahlt werden – höchstens aber 34‘416 Franken (Stand: 2021). Die Einzahlungen lassen sich vollumfänglich vom steuerbaren Einkommen abziehen.

«Selbstständige mit einem Einkommen ab 150000 Franken sollten unbedingt den freiwilligen Anschluss an eine PK prüfen», rät Ebneter. «In der Regel haben sie die Wahl zwischen der PK ihres Berufsverbandes oder der Vorsorge-Einrichtung ihrer Mitarbeiter». In einer PK lassen sich die Risiken gegen Tod und Invalidität kostengünstig versichern und gleichzeitig die Steuerlast verringern. Denn die Einzahlungen sind wie bei der Säule 3a steuerlich abzugsfähig. Zusätzlich sind mit einer PK-Lösung auch freiwillige Einkäufe möglich. Weil durch solche PK-Einkäufe das steuerbare Einkommen sinkt, fällt auch die Steuerrechnung viel tiefer aus.

Besteuerung von Kapitalgesellschaften

Bei den beliebtesten Unternehmensformen in der Schweiz, GmbH und AG, fallen Gewinn- und Kapitalsteuern an. Steuerpflichtig ist dabei das Unternehmen. Die Aktionäre und Gesellschafter werden dagegen als Privatpersonen besteuert. Auf Lohnbezügen und Dividenden müssen sie Einkommenssteuern entrichten. «Die Trennung zwischen privaten und geschäftlichen Mitteln ist also klar geregelt. Allerdings kann das zu einer steuerlichen Doppelbelastung führen. Denn einerseits muss die Gesellschaft Gewinnsteuern bezahlen, andererseits fallen bei einer Dividendenausschüttung Einkommenssteuern beim Aktionär oder Gesellschafter an», sagt VZ-Experte Raphael Ebneter.

Um diesen Effekt zu entschärfen, werden Dividenden heute reduziert besteuert. Davon profitieren allerdings nur Inhaber einer qualifizierten Beteiligung. Als qualifizierte Beteiligung gilt ein Anteil von mindestens zehn Prozent an einem Unternehmen. «Unternehmer können ihre Steuern optimieren, indem sie das Bezugsverhältnis zwischen Lohn und Dividenden optimieren, ihre PK-Lösung auf ihre Bedürfnisse ausrichten und sich frühzeitig auf den Verkauf der Firma vorbereiten», so Ebneter weiter.

Mehr Lohn oder Dividende?

Ob es sich lohnt, mehr Lohn oder Dividende zu beziehen, hängt vor allem von der Besteuerung der Dividende am Wohnort sowie von der Gewinnsteuer am Firmensitz ab. Entscheidend sind auch die Sozialversicherungsbeiträge und die Ausgestaltung der PK-Lösung. «Da Dividenden privilegiert besteuert werden und nicht AHV-pflichtig sind, tendiert eine Mehrheit dazu, mehr Dividenden und weniger Lohn zu beziehen. Allerdings: Ein hoher Dividendenbezug ist nicht immer die beste Lösung, denn ein höherer Lohn vergrössert den Spielraum für die steuerliche Optimierung innerhalb der PK. Zudem kontrollieren die Sozialversicherungen zunehmend die Marktkonformität der bezogenen Löhne. Bei der Aufteilung der Entschädigung sollten Unternehmer deshalb immer auch ihre Vorsorge einbeziehen und die gesetzlichen Möglichkeiten besser ausschöpfen», empfiehlt Ebneter.

Hohe Lohnbezüge und eine optimierte PK-Lösung haben auch den Vorteil, dass sich die Sparbeiträge und das Potenzial für PK-Einkäufe erhöhen, womit gleichzeitig ein weiteres Instrument zur Steueroptimierung geschaffen wird. Ein Beispiel: Ein 60-jähriger Unternehmer verdient 140000 Franken im Jahr. Sein jetziger Vorsorgeplan versichert lediglich den BVG-Jahreslohn, der Sparanteil beträgt 18 Prozent. Versichert er nun den ganzen Lohn und erhöht er die Sparbeiträge auf 20 Prozent (das gesetzliche Maximum liegt bei 25 Prozent), so steigen seine jährlichen Sparbeiträge von 10970 auf 28000 Franken.

Mit den zusätzlichen Sparprämien senkt er sein steuerbares Einkommen und reduziert die Gewinnsteuern. Gleichzeitig erhöht sich mit dem Ausbau der Vorsorgeleistungen auch sein Potenzial für freiwillige PK-Einkäufe: Er kann jetzt rund 1104000 Franken mehr als bisher in die Pensionskasse einzahlen und diesen Betrag vom steuerbaren Einkommen abziehen. Mit einer modernen Kaderlösung kann der Unternehmer seine Vorsorge zusätzlich optimieren.

Dieser Text von Patrick Stämpfli ist aus der LEADER Ausgabe Jan/Feb 2021. Die LEADER-Herausgeberin MetroComm AG aus St.Gallen betreibt auch stgallen24.ch.

leaderdigital.ch/pst