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Stadt St. Gallen
25.02.2021
25.02.2021 18:24 Uhr

«Wir hatten die Terrasse schon vorbereitet»

Restaurants inklusive Terrassen bleiben weiterhin geschlossen. Bild: Miryam Koc
Der Bundesrat hat entschieden, dass auch Restaurant-Terrassen weiterhin geschlossen bleiben müssen. In der St.Galler Gastro-Szene machen sich Wut und Enttäuschung breit.

Gespannt hörten am Mittwoch Tausende Gastronomen dem Bundesrat zu und hofften, dass er endlich Lockerungen und Perspektiven für die Branche bekanntgibt. Doch schnell war klar: Berset und Co. bleiben dem harten Corona-Kurs treu und öffnen vorerst keine Beizen – auch keine Terrassen. Die Enttäuschung ist bei vielen St.Galler Wirten gross, ihre Zukunft ungewiss.

Keinen Rappen gesehen

«Wir sind schon sehr enttäuscht und wütend über den Entscheid, dass nicht einmal die Terrassen öffnen dürfen», sagt Oliver Scheuber vom Restaurant Dreilinden. Aber Aufgeben kommt für den 31-Jährigen nicht infrage: «Wir werden weiterhin Take-Away und Lieferservice anbieten, aber halt in reduzierter Form. Ich wünsche mir, dass wir endlich eine Perspektive erhalten und uns dann darauf vorbereiten und freuen können. Das brauchen jetzt alle Gastronomen dringend.»

Die Südbar hätte von der Terrassen-Öffnung profitiert. Bild: Miryam Koc

Die Südbar in St.Gallen ist normalerweise immer bis zum letzten Platz besetzt, ein Ort, an dem junge und alte Leute zusammenkommen und an warmen Tagen ein Feierabendbier oder einen Gin Tonic auf der Terrasse geniessen.

Seit Monaten hört man aber keine Gläser mehr klirren am Oberen Graben 3: «Natürlich hätten wir sehr von Terrassenöffnung profitiert, aber 90 Prozent der Gastronomen in St.Gallen haben gar keine Terrasse. Das wäre nicht ganz fair gewesen. Ausserdem müsste man wieder eine Doktorarbeit schreiben, warum man weiterhin Hilfsgelder benötigt, obwohl die Terrassen offen sind ... Deshalb finde ich es persönlich in Ordnung, dass die Terrassen nicht geöffnet wurden. Auch wenn es natürlich schmerzt, dass wir nicht arbeiten können. Ich möchte lieber ganz öffnen und nicht nur die Terrasse, weil man nicht weiss, ob es im März überhaupt schönes Wetter gibt», sagt Geschäftsleiterin Katrin Rutz. 

Die 32-Jährige wünscht sich, dass alle Gastronomen so schnell wie möglich unterstützt werden. «Im Januar hiess es noch, die Gelder werden so schnell wie möglich kommen. Jetzt habe ich Kollegen, die am Hungertuch nagen und nicht mehr weiter wissen, weil sie immer noch keinen Rappen gesehen haben.»

«Wir hatten schon die Stühle aus dem Lager geholt»

Auch im Ristorante San Lorenzo an der Kugelgasse 7 hat man sich mehr vom Bundesrat erhofft: «Wir haben wirklich gedacht, dass wir wenigstens die Terrassen öffnen können – und hatten schon die Stühle aus dem Lager geholt und geputzt. Nach der Pressekonferenz haben wir alles wieder verräumt. Mit Take-Away allein kann man nicht überleben», so Geschäftsführer Bajwa Bahir, der das italienische Restaurant seit 19 Jahren betreibt.

Fast 120 Gäste hätten auf seiner Terrasse Platz gehabt. «Jetzt bieten wir halt weiterhin Take-Away an und hoffen, bald Hilfsgelder zu erhalten. Wir haben den Antrag eingereicht, aber noch nichts gehört. Wenn das noch weitere Monate so geht, dann wird es wirklich eng.»

Agron Lleshi vom Jägerhof: «Gerne würden mein Team und ich wieder arbeiten. »

Sternekoch Agron Lleshi vom Jägerhof war wenig überrascht vom Berset-Entscheid: «Ich wünschte mir, dass die Politiker in dieser schwierigen Lage vernünftig und unter Berücksichtigung aller Faktoren entscheiden. Klar möchte ich, dass wir bald wieder öffnen dürfen. Und ich hoffe auch, dass die finanziellen Unterstützungen rechtzeitig eintreffen! Speziell vom Öffnungsverbot betroffen sind auch meine Lernenden: Einer muss im Mai an das Qualifikationsverfahren, ihm fehlt die Praxis seit Monaten. Mit ihm übe ich alleine und leider ohne Gäste in der Küche.»

Wann die Restaurants wieder öffnen dürfen, ist noch nicht klar. Der Bundesrat wird am 22. März die epidemiologische Lage neu beurteilen und dann eventuell weitere Lockerungen bekanntgeben. 

 

 

Miryam Koc