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Wirtschaft
22.02.2021

Zinsen auf Höchststand

Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank und führt bei der SGKB das Investmentcenter Bild: zVg
Ausgehend von den USA sind die Zinsen in den letzten Wochen auch in der Schweiz auf den höchsten Stand seit Sommer 2019 gestiegen.

Ausgelöst wurde dieser Zinsschub durch einen Anstieg der Inflationserwartungen in den USA. Das von der Fed beobachtete Mass der erwarteten Inflation für die Jahre 2026 bis 2030 ist auf 2.20% gestiegen und liegt damit über dem Ziel der Fed von 2%. Dieser Anstieg wird deren Präsident Jerome Powell aber nicht beunruhigen, zumal der Wert in den letzten Tagen wieder gesunken ist.

Oft wird auch der starke Anstieg der Kosten für den Transport von Schiffscontainern als Vorbote höherer Preise bemüht. Die höheren Frachtraten betreffen vor allem die Transporte von und nach China. Sie sind das Ergebnis einer Erholung der Wirtschaftstätigkeit und China, aber auch eines Transportsystems, das nach dem Corona-Unterbruch noch nicht wieder eingespielt ist. Die Schiffe und die Container sind noch nicht am richtigen Ort. Ob die Frachtkosten in Zukunft hoch bleiben werden, wird sich noch zeigen müssen. Der dritte Grund sind die Fiskalprogramme von Präsident Biden, die Spekulationen auslösen, dass die US-Wirtschaft sich zu stark erholen könnte. Ob und wann diese Programme umgesetzt werden, steht noch in den Sternen.

Orientierung an den Zentralbanken

Der Zug bei den Zinsen nach oben kann in den nächsten Tagen und Wochen noch etwas weitergehen, dürfte aber an Kraft verlieren. Im Herbst 2018 war der 10-jährige Swap-Zins bei 0.70%. Damals erhöhte die Fed in regelmässigen Abständen ihren Leitzins bis auf 2.375% und es herrschte die Meinung vor, dass auch die SNB in absehbarer Zeit mit Zinserhöhungen beginnen würde. Zinserhöhungen der Zentralbanken sind momentan aber kein Thema.

Die Fed wird gemäss eigenen Angaben mindestens bis Ende 2023 an ihrer Nullzinspolitik festhalten und ihre Meinung dazu nicht so schnell ändern. Sollten die Zinsen bei den lang laufenden US Treasuries aus Sicht der Fed zu stark steigen, kann sie das rasch ändern. Ein Wort von Jerome Powell und der Kauf von ein paar 10-jährige Anleihen durch die Fed genügen, um die Zinsen wieder nach unten zu bringen. Sich am Kapitalmarkt gegen die Fed zu stemmen, war noch nie eine gute Idee. Die SNB wird noch länger mit Zinserhöhungen zuwarten. Einerseits will sie den Franken nicht unnötig attraktiv machen, andererseits spürt sich auch keinen Druck von der Inflation in der Schweiz.

Stabile Festhypotheken

Damit bleibt der Saron als Geldmarktzins für Franken-Anlagen im Bereich von -0.75% fixiert. Die Zinskurve wird erst wieder so steil werden wie im Herbst 2018, wenn sich am Horizont Zinserhöhungen der SNB andeuten werden. Davon sind wir wie erwähnt weit entfernt. Einem weiteren Anstieg der Swap-Zinsen sind dadurch in den nächsten Monaten Grenzen gesetzt. Wahrscheinlicher ist, dass es nach dem schnellen Anstieg der letzten Wochen zu einer vorübergehenden Gegenbewegung nach unten kommt.

Für die Hypothekarzinsen heisst das, dass die Zinsen für Geldmarkthypotheken noch länger auf den aktuellen Niveaus bleiben werden. Bei den Festhypotheken haben wir die Rekordtiefs wahrscheinlich gesehen. Wer die aktuell immer noch sehr tiefen Zinsen anbinden und sich damit Planungssicherheit schaffen will, sollte dies tun. Hektik ist aber nicht angesagt, da ein markanter Zinsschub nach oben auch bei den Festhypotheken nicht zu erwarten ist.

Thomas Stucki

Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank. Stucki hat einen Abschluss mit Doktorat in Volkswirtschaft von der Universität Bern und ist CFA Charterholder. Er führt bei der St.Galler Kantonalbank das Investment Center mit rund 35 Mitarbeitern. Stucki ist verantwortlich für die Verwaltung von Kundenmandaten und Anlagefonds im Umfang von 7,5 Milliarden Franken. Zuvor war er als Leiter Asset Management der Schweizerischen Nationalbank verantwortlich für die Verwaltung der Devisenreserven.

Thomas Stucki, St.Galler Kantonalbank