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Stadt St. Gallen
22.02.2021
22.02.2021 14:41 Uhr

Appenzeller Bahnen werden zum Kraftwerk

Bild: PD Bild: PD
Die AB speisen seit April 2020 Bremsenergie zurück in das Netz der St.Galler Stadtwerke. Über das Jahr wird eine Energie-Einsparung von bis zu 15 Prozent für die Linie Trogen-St.Gallen erwartet.

Das Projekt wurde im Rahmen der Energiestrategie 2050 des öffentlichen Verkehrs vom Bundesamt für Verkehr (BAV) über den Energiefonds unterstützt. Mit diesem innovativen und anspruchsvollen Projekt zählen die AB zu Pionieren bei Gleichstrombahnen.

Erhebliche Energieeinsparungen

Bisher konnte die Bremsenergie auf dem abschüssigen Abschnitt zwischen Vögelinsegg und St. Gallen nur genutzt werden, wenn gleichzeitig ein anderes Fahrzeug in diesem Abschnitt bergauf fuhr. Der Rest der Bremsenergie musste über Bremswiderstände vernichtet werden. In einem umfangreichen Projekt haben die AB eine bestehende Gleichrichteranlage mit einem Wechselrichter ergänzt. Diese Anlage kann nun Strom aus dem Mittelspannungsnetz der St. Galler Stadtwerke in das Bahnnetz der AB liefern und gleichzeitig Strom aus überschüssiger Bremsenergie zurück ins Netz speisen. Die bis anhin vernichtete Energie kann dadurch rückgewonnen und wieder genutzt werden.

Die Realisierung des Projekts ermöglicht grosse Energieeinsparungen. Bereits in den ersten Monaten seit Inbetriebnahme des Wechselrichters konnten monatlich von 221 MWh bezogener Energie 22 MWh wieder zurückgespiesen werden. Zum Vergleich: 24 MWh entsprechen ungefähr dem Jahresenergieverbrauch von fünf Einfamilienhäusern. Über das ganze Jahr wird eine Einsparung von 10-15% des Jahresenergiebedarfs für die Bahnstromversorgung der Linie Trogen-St.Gallen erwartet.

Vom Jungfraugebiet ins Appenzellerland

Das komplette Energierückspeisesystem ERS inklusive stationärem Wechselrichter wurde durch die Schweizer Unternehmung Simatex AG entwickelt, produziert und geliefert. Seit 2017 hat Simatex AG drei ähnliche Anlagen bei den Jungfraubahnen im Berner Oberland in Betrieb genommen. Dieses System wurde nun eigens für AB modifiziert und den Begebenheiten optimal angepasst. Es verfügt über neuste Technologien und anspruchsvollen Regelalgorithmen. Das Projekt befindet sich nun ein Jahr in der Testphase, um Erkenntnisse zu gewinnen und Optimierungen anzubringen. Im Mai 2021 soll ein erstes aussagekräftiges Fazit bezüglich Wirtschaftlichkeit möglich sein. Anschliessend können weitere Ausbauten auf dem Netz der AB oder bei anderen geeigneten Bahnunternehmungen geprüft werden.

Das Projekt wurde für die Appenzeller Bahnen nur möglich dank grosszügiger Unterstützung. Die Stadt St.Gallen beteiligte sich finanziell an der vorlaufenden Studie. Weiter unterstütze das Bundesamt für Verkehr (BAV) das Projekt im Rahmen der Energiestrategie 2050 des öffentlichen Verkehrs über den Energiefonds.

 

PD