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Stadt St. Gallen
20.02.2021
20.02.2021 16:54 Uhr

Wie geht es der St.Galler Bevölkerung wirklich?

Gallus Hufenus sitzt für die SP im St.Galler Stadtparlament Bild: zVg
Stadtparlamentarier Gallus Hufenus will vom Stadtrat wissen, wie es um das «geistige und soziale Wohlbefinden der Menschen in St.Gallen in Zeiten der Pandemie» bestellt ist.

Deshalb hat er heute eine Einfache Anfrage beim Stadtrat eingereicht, die da lautet:

«Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens - und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen», so lautet Artikel 1 der Weltgesundheitsorganisation. Ein Satz zum Innehalten, für eine Gesamtschau in der Corona-Pandemie, im Wissen, dass auch so Entscheidungen komplex und herausfordernd bleiben – und nicht lokal gefällt werden. In Anbetracht des langanhaltenden Zustands ist es aber wertvoll, wenn wir in unserer Stadt uns Gedanken über unser Zusammenleben in Zukunft machen können.

Doch die mediale Debatte legt den Fokus auf Viren, den Zeitpunkt und die Anzahl Jahre vor dem Sterben. Die Qualität dieser Jahre davor, der Lebensinhalt ist kaum Thema. Ein unaufgeregter, ergebnisoffener, ganzheitlicher Diskurs zur Gesundheit findet nicht statt – zu den grossen Fragen, was «leben» heisst und ethischen Fragen rund ums Sterben. Zu mächtig die Angst, in ein gesellschaftliches Minenfeld zu treten, zu einseitig der Fokus auf die Geschichten der grossen Zahlen, der täglichen Tests.

Die Schattenseiten dieser Betrachtungsweise – Notrufe von Jugendlichen haben bei Pro Juventute um 200% zugenommen im Vergleich zur Vorjahresperiode. Stressforscher der Uni Basel eruierten in ihrer Umfrage, dass 20% ihrer Befragten vergangenen November unter Depressionen litten (Februar 2020: 3%). Psychiatrien sind gefordert, teils seit Spätsommer am Anschlag. Davon hört man wenig. Dass der Bundesrat die Suizidzahlen für 2020 erst Ende 2022 bekannt geben wird, erachte ich zudem als wenig hilfreich. Für einen Diskurs um eine Langzeitstrategie – auch im Hinblick auf die Möglichkeit, dass nach dem Ende dieser Pandemie neue Viren uns beschäftigen könnten, braucht es aber eine ganzheitliche Betrachtung der Gesundheit. Es wäre dabei unfair zu pauschalisieren, dass jüngere Menschen wenig belastbar seien, für sie Verzichte und nachvollziehbare Einschränkungen in der Gegenwart ein Problem seien. Viel mehr fehlen menschliche Ziele und Perspektiven.

Mit dem Einbezug dieser Erkenntnisse geht es aber nicht nur darum, in einer Debatte einig zu werden, ob Massnahmen zur Symptombekämpfung nachvollziehbar, evidenzbasiert und tragbar für «alle vulnerablen» Menschen sind, ob dabei auch neue Wege gezielt beschritten werden könnten, die effektiv sind und nachhaltig bleiben. Sondern auch darum, ob und wie wir eine Ursachenanalyse führen. Denn neben dem Wunsch nach einer ganzheitlichen Betrachtungsweise der Gesundheit geht es darum, dass die Entstehung neuer Viren häufig menschgemacht ist und Früchte einer Wirtschaft sind, die Externalitäten nicht berücksichtigt. Hier ist eine Qualitäts- und Wertschätzungsdebatte nötig – in Bezug auf unseren Umgang mit Ressourcen sowie bezüglich der oben formulierten Fragestellungen um Lebensqualität und -würde. Für einen lebenswerten ‘Planeten danach’.

Daher bedanke ich mich im Voraus für die Beantwortung folgender Fragen, die einer Auslegeordnung dienen:

  1. Wie kann sich der Stadtrat ein aktuelles Bild verschaffen über das «geistige und soziale» Wohlbefinden der Menschen in St. Gallen?
  2. Ist ein Unterschied der Auswirkungen mit dem Umgang des Coronavirus und der medialen Rhetorik zu beobachten bei den unterschiedlichen Generationen? Gibt es Unterschiede zwischen Stadt und Land?
  3. Wie sehen die Erhebungen der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste St. Gallen und/oder anderer Anlaufstellen aus, mit Fokus auf die Stadt? Wo fallen vermehrt Probleme auf?
  4. Im Bezug auf die akute Situation bei Jugendlichen: Wie kann die städtische Jugendarbeit präventiv agieren?
stgallen24/stz.