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Neuer Besucher im Nestweiher

Ob der Kormoran ein neues Fischrevier gefunden hat? Bild: zVg
Der heimliche «Star» der Quartieroase im Riethüsli, der Graureiher, bekommt Konkurrenz: Letzte Woche wurde erstmals ein Kormoran gesichtet.

Der Kormoran ernährt sich ausschliesslich von Fischen – und ist deshalb vor allem in der Fischerszene am Bodensee in Misskredit geraten als unerwünschte Konkurrenz. Die Berufsfischer beklagen sich regelmässig, dass er ihnen ins Handwerk pfusche und ihre Existenz gefährde.

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Im Riethüsli aber ist er sehr willkommen: Der Nestweiher leidet seit Jahren an einem Überbestand der einst illegal eingesetzten Fische, die sich ohne natürliche Feinde fast explosionsartig vermehrt haben. Zu Hunderten schwimmen sie jeweils an heissen Sommertagen knapp unterhalb der Wasseroberfläche, wenn sie unter Sauerstoffmangel leiden. Als im vergangenen Jahr der Springbrunnen wegen eines technischen Defekts ausfiel, musste notfallmässig eine Frischwasserzufuhr installiert werden.

In den Vorjahren kam auch schon die Feuerwehr zum Einsatz: Nach einer Alarmmeldung von Passanten sorgte sie mit Frischwasser direkt vom Hydranten für eine Auffrischung des brackigen Wassers.

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Manfred Göbbels war viele Jahre im Vorstand der Nestweihergesellschaft und traute seinen Augen nicht, als er am Dienstag den Kormoran entdeckte. Er, der als Aktuar die Bewohner des Nestweihers früher oft fotografisch dokumentierte, griff unverzüglich zur Kamera und schickte Fotos vom auffälligen Gast ans Riethüsli-Magazin. Ebenso die neue Weiherwartin Anna Christen, die auch den Präsidenten Andi Gattiker auf den Plan rief.

Als schliesslich der Quartierfotograf mit dem Teleobjektiv anrückt, trifft er die beiden stolzen Tiere einträchtig nebeneinander auf dem künstlichen Nest an – bereit für ein ausgedehntes Fotoshooting.

Nach einigen Minuten kommt Bewegung in die Sache. Plötzlich taucht der Kormoran ins Wasser und wird minutenlang nicht mehr gesehen.

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Schliesslich taucht er ein paar Meter entfernt wieder auf, schwimmt an den Enten vorbei, schwingt sich kurz in die Lüfte und landet schliesslich schlitternd auf der gefrorenen Wasseroberfläche. Dort würgt er die Beute herunter, bis er schliesslich wieder seinen Platz einnimmt. Dort plustert er sich auf, und schüttelt sein Gefieder aus, wohl um es an der Sonne zu trocknen.

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Der fremde Besucher animiert offenbar auch den Graureiher zu einem kurzen Ausflug: Er, der sonst stundenlang stoisch auf dem Holznest ausharrt, schwingt sich plötzlich in die Luft und landet auf dem Eis am Uferrand, um danach wie auf einem Laufsteg vor den „gewöhnlichen“ Bewohnern herumzustolzieren.

Ob der Kormoran nun ein neues Fischrevier gefunden hat und sich öfter im Riethüsli sehen lässt? „Offenbar hat sich die Futterkrippe in der Vogelwelt rumgesprochen. Vielleicht bringt er beim nächsten Besuch noch „Kollegen“ mit. Fische gibt’s reichlich“, sagt Manfred Göbbels dazu. Das Nahrungsangebot würde jedenfalls auch für ein paar weitere Exemplare reichen.

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Der Kormoran

Der Kormoran (Phalacrocorax carbo) ist eine Vogelart aus der Familie der Kormorane (Phalacrocoracidae). Das Verbreitungsgebiet der Art umfasst große Teile Europas, Asiens und Afrikas, außerdem Australien und Neuseeland sowie Grönland und die Ostküste Nordamerikas. Die Nahrung besteht wie bei allen Vertretern der Gattung Phalacrocorax fast ausschließlich aus Fisch. Kormorane sind zu allen Jahreszeiten gesellig, die Brutkolonien liegen an Küsten oder größeren Gewässern. Bestand und Verbreitung der Art wurden in Europa durch massive menschliche Verfolgung stark beeinflusst, im mitteleuropäischen Binnenland war die Art zeitweise fast ausgerottet. In den letzten Jahrzehnten ist eine deutliche Bestandserholung zu verzeichnen. Der Kormoran war in Deutschland und Österreich Vogel des Jahres 2010.

Das Gefieder des Kormorans nimmt aufgrund seiner Struktur Wasser auf, was den Auftrieb verringert, so dass der Vogel sehr tief im Wasser liegt. Wenn ein Kormoran das Wasser verlässt, schüttelt er zunächst sein Gefieder aus. Dann breitet er die Flügel aus, damit seine nassen Gefiederteile schneller trocknen.

Die Jagd auf Fische erfolgt tauchend, Tauchgänge werden meist mit einem kleinen Sprung eingeleitet. Die normale Tauchdauer beträgt 15–60 s in Tiefen von üblicherweise 1–3 m, bis 16 m sind jedoch nachgewiesen. Die Fortbewegung unter Wasser erfolgt mit den Füßen, Fische werden mit dem Hakenschnabel hinter den Kiemen gepackt.

Die Nahrung besteht fast ausschließlich aus kleinen bis mittelgroßen See- und Süßwasserfischen, diese werden lebend erbeutet. Seltene Zufalls- oder Gelegenheitsbeute sind andere an Wasser gebundene Tiere wie Krabben und große Garnelen, sehr selten wurden Bisamratten und Küken der Brandente als Beute nachgewiesen.

Kormorane jagen opportunistisch diejenigen Fische, die häufig und am leichtesten verfügbar sind; die Zusammensetzung der Nahrung schwankt daher je nach lokalen Bedingungen und Jahreszeit sehr. In den deutschen Binnenseen werden überwiegend die häufig in großen Schwärmen auftretenden Weißfische erbeutet.

(Quelle: Wikipedia)

Erich Gmünder, Magazin Riethüsli (Fotos: Manfred Göbbels)