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Wirtschaft
18.02.2021

«Wirtschaftliche Entwicklung darf kein Blindflug sein»

Jeder Unternehmer braucht Instrumente, die ihm helfen, den Weg in der Krise zu finden (Bild: Shutterstock)
In Form eines digitalen Events präsentierte der AGV Rheintal gemeinsam mit der IHK St.Gallen-Appenzell und der IHK Thurgau die Ergebnisse der Unternehmensumfrage «Coronavirus und Ostschweizer Wirtschaft». Mit bemerkenswerten Ergebnissen.

Wieso überhaupt wurde eine Umfrage zum Thema «Coronavirus und Ostschweizer Wirtschaft» durchgeführt? Alessandro Sgro, Chefökonom am IHK St.Gallen-Appenzell und Vortragender am digitalen Event des AGV Rheintal, machte Sinn und Zweck dieser Umfrage und ihrer Ergebnisse an einem Beispiel deutlich.

«Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich im Cockpit eines Passagierflugzeugs, starten bei bester Witterung und fliegen in einen unvorhergesehenen Sturm mit dichten Wolken. Da brauchen Sie zwei Sachen: Erfahrung und ein Instrumentarium, dass sie durch die Dunkelheit führt.» Genau das Gleiche brauche ein Unternehmer in Coronazeiten. Seine Erfahrung und Werkzeuge, um die Krise gut zu bewältigen. Umfrageergebnisse helfen, solche Entscheidungsgrundlagen und Werkzeuge zu schaffen. «Denn wirtschaftliche Entwicklung darf kein Blindflug sein.»

Alessandro Sgro, Chefökonom der IHK St.Gallen -Appenzell präsentierte in einem digitalen Event die Umfrageergebnisse der jüngsten Unternehmerbefragung des AGV Rheintal (Bild: ihk.ch) Bild: ihk.ch

Coronakrise gut weggesteckt

Zunächst präsentierte Alessandro Sgro die Geschäftslagenentwicklung der Schweiz. Woraus zu ersehen ist, dass die Schweizer Wirtschaft allgemein die Coronakrise eigentlich gut weggesteckt hat. Sowohl schweizweit als auch in der Region Ostschweiz zeigen sowohl Geschäftslageindikator als auch Stimmungsbarometer nach einer tiefen Delle im Frühjahr 2020 wieder nach aufwärts. Obwohl sie freilich das frühere Niveau noch nicht erreicht haben.

Insgesamt hatten 658 Ostschweizer Unternehmer*innen an der Umfrage von AGV und IHK teilgenommen. Davon kamen gleich 114 Personen aus dem Wahlkreis Rheintal. Was für sich schon ein Zeichen ist, wie unternehmerisch geprägt das Rhintl ist. Kurz zusammengefasst ist aus dem Umfragenergebnis herauszulesen, dass neun von zehn (!) Unternehmen mit coronabedingten Erschwernissen kämpfen.

Die Steuerung der Wirtschaft darf nicht zum Blindflug werden, deshalb braucht es ein Instrumentarium (Bild: Shutterstock) Bild: Shutterstock

Nachfrageeinbruch, Personalausfall und hoher Personalbestand

Die drei Top-Erschwernisse seien ein spürbarer Nachfrageeinbruch, der coronabedingte Personalausfall und ein zu hoher Personalbestand in der Krise. Dennoch geben die Unternehmer*innen positive Signale. Denn vor allem im Rheintal wird angegeben, dass weder eine Kündigungs- noch eine Konkurswelle bevorstehe. Allerdings gehen 51,6 % der Befragten davon aus, dass die Pandemie noch neun Monate oder länger anhalten wird. Das Vertrauen in das Impfregime der Eidgenossenschaft ist also äusserst gering. Aber absolut realistisch.

Was problematisch werden könnte, scheint die Tatsache, dass 47 % der Unternehmen derzeit Investitionen zurückhalten oder zurückhalten werden. Nach Einschätzung der Befragten wird die Pandemielage auch Folgewirkungen auf die Wirtschaft haben. Gleich 75 % aus dem sekundären Sektor erwarten längerfristig eine tiefere Nachfrage. Etwa ein Drittel der Unternehmen aus allen Bereichen fürchten Liquiditäts- und Finanzierungsengpässe.

Firmenlenker sind überhaupt Realisten. Denn mit einer wirtschaftlichen Erholung wird erst ab dem 2. Halbjahr 2021 oder überhaupt erst ab 2022 gerechnet. Und sie nehmen die Bedrohung durch den Coronavirus ernst (52,3 %). Weitere 26,2 % nehmen diese Bedrohung sogar sehr ernst. Coronaleugner schaut alle her!

Die detaillierten Umfrageergebnisse sind ab Donnerstag auf der Homepage des AGV Rheintal nachzulesen.

gmh/uh