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Stadt St. Gallen
26.01.2021
26.01.2021 19:12 Uhr

Wenn der Arbeitsinspektor zweimal klingelt

Bild: zVg
Seit einer Woche gilt in der gesamten Schweiz Homeoffice-Pflicht. In St.Gallen sind Arbeitsinspektoren dabei, Stichproben zu machen. Wieviele «Sünder» bereits erwischt wurden, will das AWA nicht sagen.

Erst war es eine Empfehlung, dann eine Pflicht: Am 18. Januar 2021 hat der Bundesrat die Massnahmen verschärft und einen grossen Teil der Bevölkerung zur Heimarbeit verdonnert. Weil Büros mögliche Infektionsorte sind, sollen so die Ansteckungen reduziert werden. Damit sind Arbeitgeber verpflichtet, Homeoffice überall dort anzuordnen, wo dies aufgrund der Art der Aktivität möglich und mit verhältnismässigem Aufwand umsetzbar ist.

Für die Kontrolle der betrieblichen Schutzkonzepte ist in St.Gallen das Amt für Wirtschaft und Arbeit beziehungsweise das kantonale Arbeitsinpektorat zuständig. 

Es werden Stichproben gemacht

«Konkret prüft das Arbeitsinspektorat stichprobenartig, ob die Betriebe – z.B. im Dienstleistungssektor – über ein betriebliches Schutzkonzept verfügen und ob dieses im Alltag umgesetzt wird. Im Zuge dieser Kontrollen wird auch die Einhaltung der Homeoffice-Pflicht kontrolliert. Im Wesentlichen handelt es sich also um einen weiteren Prüfpunkt im Rahmen der bisherigen Prüftätigkeit», sagt Amtsleiterin Karin Jung auf Anfrage. Die Kontrollen konnte man in die bisherigen Prüfarbeiten integrieren; deshalb sein kein zusätzliches Personal nötig gewesen. 

Wie viele Betriebe in St.Gallen bereits kontrolliert wurden, will Jung nicht sagen: «Wir sind lediglich für einen Teil der im Kanton durchgeführten Kontrollen zuständig. In Koordination mit dem Kantonalen Krisenstab werden diese Zahlen – die isoliert betrachtet lediglich ein unvollständiges bzw. verzerrtes Bild über die Kontrolltätigkeit vermitteln würden – von unserer Seite her gegenüber den Medien nicht kommuniziert», so Jung weiter. Für weitere Kontrollen sind beispielsweise politische Gemeinden, das Gesundheitsamt oder die Kantonspolizei zuständig. 

Karin Jung, Amtsleiterin

Daten werden ans BAG übermittelt

Wöchentlich erheben die Kantone im Auftrag des BAG Daten zu den Kontrollen der Schutzkonzepte und deren Umsetzung. Die Kantone übermitteln die erhobenen Kontrolldaten der Nationalen Alarmzentrale, welche diese konsolidiert dem BAG zur Verfügung stellt.

Daten zur Homeoffice-Pflicht wurden seitens BAG noch nicht veröffentlicht. Die aktuellsten Zahlen sind aus der Kalenderwoche 50/2020: Dort wurden im Kanton St.Gallen 171 Betriebe wie Restaurants, Nachtlokale, Hotels, Kinos, Fitness-Center und Einkaufsläden kontrolliert. Bei diesen Kontrollen hatten neun Betriebe ein mangelhaftes Schutzkonzept, bei elf wurde der nötige Abstand nicht eingehalten. Zum Vergleich: Im Kanton Zürich wurden innert einer Woche 992 Betriebe kontrolliert, im Kanton Waadt 860, im Thurgau 81, in Bern 113 und im Appenzell gab es insgesamt elf Kontrollen. 

Hinweisen wird nachgegangen

Viele Büroarbeiten können von zu Hause erledigt wird, aber es gibt auch Ausnahmen: «Auch der Bürobetrieb eines Unternehmens muss weiter aufrechterhalten werden können, etwa durch Entgegennahme von Post und Kuriersendungen. Sofern ein Arbeitgeber sich auf den Standpunkt stellt, dass er seine Angestellten oder zumindest Teile des Personals nicht ins Home-Office schicken kann, muss er seinen Entscheid begründen können», so die Amtsleiterin. 

Ein Standardverhalten gebe es bei den Kontrollen nicht. Neben den Stichproben wird auch Hinweisen beispielsweise von Arbeitnehmern nachgegangen. Das Arbeitsinspektorat empfiehlt den Arbeitnehmern aber, immer zunächst das Gespräch mit den Vorgesetzten zu suchen und eine gemeinsame Lösung zu finden. «Wo dies nicht möglich ist, können sich Angestellte beim Arbeitsinspektorat melden», sagt Karin Jung. Auseinandersetzungen mit uneinsichtigen Arbeitgebern hätte es bislang im Kanton nicht gegeben. 

«Wir haben seit dem Frühsommer 2020 die Erfahrung gemacht, dass der überwiegende Teil der Firmen die Schutzmassnahmen zur Bekämpfung der Pandemie gewissenhaft umsetzt. Dies gilt für die Einhaltung der Schutzkonzepte ebenso wie jetzt für die Homeoffice-Pflicht», so Jung. 

 

mik