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Stadt St. Gallen
22.01.2021
26.01.2021 10:36 Uhr

Wurde an der HSG bei Onlineprüfungen betrogen?

Bild: zVg
Hochschulen dürfen trotz der «5-Personen-Regel» Präsenzprüfungen mit mehr als fünf Personen durchführen. Auch die HSG setzt mehrheitlich auf Präsenz, anstatt auf online. Eine Aussage von Kantonsärztin Danuta Zemp sorgt in diesem Zusammenhang etwas für Verwirrung.

Die Prüfungen an der HSG werden aktuell in Präsenz durchgeführt. Zwar wurden die Covid-Massnahmen am 13. Januar durch den Bundesrat verschärft, gemäss Artikel 6 der revidierten Covid-19-Verordnung können jedoch Hochschulen trotzdem Prüfungen vor Ort unter Einhaltung der Covid-19-Schutzmassnahmen durchführen. Gemäss einer Erhebung des Studentenparlaments würden sich zudem 87 Prozent der Studentinnen und Studenten Präsenzprüfungen wünschen, erklärt die HSG gegenüber stgallen24.

Betrug bei Onlineprüfungen?

An der Corona-Medienkonferenz des Kantons St.Gallen vom 19. Januar antwortete Kantonsärztin Danuta Zemp auf die Frage, weshalb die HSG an Präsenzprüfungen festhalte und nicht alles online durchführe, dass der Hauptgrund die Gleichbehandlung sei. Zudem sagte sie:

«Man hat festgestellt, im Verlauf der vorhergehenden Prüfungen, dass es offenbar zu sehr vielen Betrügereien gekommen ist.»
Danuta Zemp, Kantonsärztin St.Gallen

Bei der HSG weiss man allerdings nichts von solchen Online-Betrügereien. Auch die zentralen Prüfungen im Frühlingssemester fanden nämlich grösstenteils vor Ort statt. Man habe keine Anhaltspunkte, wonach es Ende des Frühjahrssemesters bei den Präsenz- und bei den vereinzelten Online-Prüfungen zu Unregelmässigkeiten gekommen wäre, so die HSG. Auf Anfrage von stgallen 24 erklärt Kantonsärztin Danuta Zemp nun:

«Es tut mir leid, dass meine Aussagen falsch verstanden wurden. Sie waren allgemein gemeint und bezogen sich auf bekannte Vorfälle in anderen Kantonen.»
Danuta Zemp, Kantonsärztin St.Gallen

Spicken ist möglich, aber …

Während bei Präsenzprüfungen vor allem Prüfungsaufsichten dafür sorgen, dass nicht geschummelt wird, ist das bei Onlineprüfungen nicht ganz so einfach, weil man in der Regel ja nicht sehen kann, was die Studentinnen und Studenten während der Prüfung machen. Es gibt aber durchaus Möglichkeiten für eine «digitale Prüfungsaufsicht».

Die Ostschweizer Fachhochschule OST setzt bei Onlineprüfungen auf den Safe Exam Browser (SEB). Mit dieser Applikation wird ein herkömmlicher Windows- oder Mac-Computer oder ein iOS-Gerät in einen sogenannten Kioskmodus versetzt und somit zu einer temporär abgesicherten Arbeitsstation. Dieser SEB regelt den Zugriff auf Hilfsmittel wie Systemfunktionen, andere Websites und Programme und unterbindet die Verwendung von unerlaubten Ressourcen während einer Prüfung.

An der HSG wurde die Einhaltung der Prüfungsregeln bei den wenigen Online-Prüfungen im Sommer mit der digitalen Prüfungsaufsicht «Proctoring» kontrolliert. Aus Datenschutzgründen ist dieses Tool unterdessen aber nicht mehr zugelassen. In der aktuellen Prüfungsphase kommt daher jetzt das weiterhin zulässige «Live-Proctoring» zur Anwendung, mit dem die Studentinnen und Studenten zwar immer noch überwacht werden können, aber dabei nichts aufgezeichnet wird.

Wie kontrollieren andere?
Die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW stellt beispielsweise Aufgaben bei Onlineprüfungen so, dass sich Antworten nicht einfach online nachschlagen lassen, die Uni Bern setzt Plagiatssoftware ein und es gibt Hochschulen, die verlangen, dass bei Prüfungen die Kamera eingeschaltet ist, damit man sehen könnte, wenn jemand spickt oder mit Studienkollegen chattet. Oder es werden Prüfungen aus einer grossen Sammlung von Fragen zusammengestellt, sodass kaum zwei Personen die gleichen Aufgaben bekommen. Dabei bleibt den Studentinnen und Studenten zudem für jede Frage nur zwei, drei Minuten, so bleibt auch keine Zeit zum Chatten.

stgallen24/pas