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Teufen AR
28.12.2020
28.12.2020 17:25 Uhr

«Scheinargumente für Doppelspur»

Die IG Tüüfner Engpass ist von Gemeindepräsident Reto Altherr (FDP) enttäuscht (Bild: Erich Gmünder) Bild: Tüüfner Poscht
Die Appenzeller Bahnen, der Ausserrhoder Regierungsrat und der Teufner Gemeinderat blendeten weiterhin alle Fakten aus, die gegen eine Doppelspur in Teufen sprechen, findet die IG Tüüfner Engpass – und plant eine neue Initiative.

Die Promotoren der doppelspurigen Ortsdurchfahrt Teufen luden vor zehn Tagen zur Medienkonferenz, um – wenig überraschend – zu verkünden: Es braucht eine Doppelspur der Appenzeller Bahnen in Teufen. Neben dem Bahnunternehmen, dem Regierungsrat und dem Gemeinderat wurde auch eine Vertreterin des Bundesamts für Verkehr aufgeboten, um der Botschaft Gewicht zu verleihen. Vordergründig scheint die Message der Projektoberleitung der Ortsdurchfahrt Teufen gut begründet: Mit dem Ingenieurbüro Rapp Trans AG und der Rhätischen RhB haben zwei externe Berater, die etwas von der Materie verstehen, das Ansinnen der AB überprüft.

Fahrplanvarianten unter Verschluss

Schaut man sich etwas genauer an, auf welcher Grundlage diese Prüfung stattfand, wird schnell klar, dass nur die gewünschte Bestätigung resultieren konnte. Es gibt 59 Fahrplanvarianten für den zukünftigen Betrieb der Appenzeller Bahnen. Die AB aber forciert gerade einmal zwei davon, die beide eine Doppelspur in Teufen bedingen. Den externen Prüfern wurden nur diese zwei Varianten unterbreitet, alle anderen Varianten hält die AB nach wie vor unter Verschluss.

Schon Mitte August verlangte die IG Tüüfner Engpass von den AB und vom Regierungsrat, alle Fahrplanvarianten öffentlich einsehbar zu machen. Diese Anfrage wurde verschleppt und bis heute nicht einmal beantwortet. Vertrauensbildende Massnahmen sehen anders aus.

Falsche Grundlagen

Die nun favorisierten Fahrplanvarianten dürften zudem selbst auf falschen Grundlagen basieren. Sie sehen nämlich Anschlüsse an einen SBB-Fahrplan 2035 vor, der noch längst nicht in Stein gemeisselt ist. Für St.Gallen ergäben sich im Fernverkehr etliche Verschlechterungen, die heftigen Widerstand provozieren werden. Die Lage der Fernverkehrszüge St.Gallen–Zürich könnte sich also durchaus noch ändern. Basierend auf dem heutigen Planungsstand den Ortskern von Teufen auf Jahrzehnte hinaus zu verschandeln, käme einem Schildbürgerstreich gleich. Es gibt noch weitere Gründe, die gegen den Fahrplanentwurf der AB sprechen: In der Stadt St. Gallen haben die AB die Funktion eines Trams, weshalb hier schon lange ein verlässlicher Viertelstundentakt gewünscht wird. Die jetzt favorisierten Fahrpläne der AB verunmöglichen dies aber. Die Stadt als AB-Aktionärin dürfte hier noch ein Wörtchen mitreden.

Gar nicht erst thematisiert wurde die Sicherheit im Ortskern. Durch den dichten Verkehr von Zügen in zwei Richtungen und sich stauenden Automobilisten, die abbiegen wollen oder aus einem Parkplatz fahren, entstehen unweigerlich zahlreiche unübersichtliche Situationen, die für die schwächsten Verkehrsteilnehmer sehr gefährlich werden. Neben Fussgängerinnen und Fussgängern sind aufgrund der fehlenden Radstreifen im Dorfkern insbesondere auch Schülerinnen und Schüler auf Velos gefährdet.

Die Erkenntnis der beiden externen Prüfer bestätigt auf den ersten Blick tatsächlich die Pläne der AB. Bei Lichte betrachtet basiert diese Expertise aber auf vielen falschen Grundlagen und ist deshalb schlicht wertlos.

IG erwägt neue Initiative

Enttäuschend für die IG Tüüfner Engpass ist einmal mehr die Haltung des Gemeindepräsidenten an dieser Medienorientierung: Kein Wort kam von Reto Altherr zur ausgehebelten demokratischen Mitwirkung; kein Kommentar zum offenen Brief von FDP Teufen, Gewerbeverein Teufen und IG Tüüfner Engpass, in dem eine Neuansetzung der abgesagten Abstimmung über den Tunnel-Projektierungskredit gefordert wird (siehe unten). Regierungsrat Dölf Biasotto seinerseits übernahm ebenfalls einfach die Sicht der AB; den Willen, vernünftige Lösungsansätze zu finden, sucht man beim Kanton vergebens.

Für die IG Tüüfner Engpass steht nach wie vor die Suche nach einer konstruktiven und demokratisch legitimierten Lösung im Vordergrund. Deshalb bereitet die IG eine neue Volksinitiative für einen Objektkredit für einen einspurigen Tunnel vor. Die Unterschriftensammlung dafür könnte noch im Januar 2021 starten.

PD/stz.