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Kanton
07.12.2020
07.12.2020 10:31 Uhr

Widersteht St.Gallen dem Druck aus Bern?

Regierungspräsident Bruno Damann und Bundesrat Alain Berset im Oktober. (Bild: Matilda Good) Bild: Wil24
Der Druck auf die Regierung wächst: Nach einem Krisengespräch mit dem Bundesrat sollen diese Woche weitere Massnahmen in St.Gallen folgen.

Die Worte von Alain Berset am Freitag waren eindringlich: Kantone, dessen Corona-Ansteckungszahlen steigen, müssen handeln. Ansonsten droht der Bundesrat mit weiteren Massnahmen. Damit zeigt er mit dem Finger auf die St.Galler Regierung.

Start der Skisaison soll verschoben werden

Denn der Kanton gilt seit längerer Zeit wegen hohen Fallzahlen als Hotspot. Regierungspräsident Bruno Damann sorgte mit einer vergleichsweise lockeren Corona-Regelung für Schlagzeilen. Das dürfte sich allerdings nach Bersets Appell ändern. Wie der «Tages-Anzeiger» schreibt, sollen die Kantone St.Gallen, Thurgau und Zürich noch diese Woche die Schrauben anziehen.

Doch welche Massnahmen werden folgen? Wie der «Blick» wissen will, wurde beim Krisengespräch mit dem «Trödelkanton» St.Gallen darüber diskutiert, die Skigebiete Wildhaus, Flumserberg und Pizol zu einem späteren Zeitpunkt zu öffnen, um an Weihnachten durchstarten zu können. 

Müssen Gastrobetriebe schliessen?

Noch ist aber offen, welche Massnahmen im Detail getroffen werden. Die Kantone würden sich am Entscheid des Schauffhauser Regierungsrates vom letzten Freitag orientieren, so der der «Tages-Anzeiger».

Dort wurden Freizeiteinrichtungen geschlossen, Veranstaltungen mit über 15 Personen verboten und bei privaten Treffen sind höchstens zehn Personen aus maximal zwei Haushalten erlaubt. Im Gegensatz zu St.Gallen Nachbarskanton Graubünden verzichtete Schaffhausen auf die Schliessung von Restaurants und Bars.

10 Prozent mehr Fälle

Wie der Kanton St.Gallen entscheidet, wird am Mittwoch um 14 Uhr kommuniziert. Fakt ist aber: Am Montag meldet der Kanton St.Gallen 714 neue Infektionen und 19 Todesfälle innert drei Tagen. Damit sind die Fallzahlen im Kanton um zehn Prozent gestiegen, in der Stadt St.Gallen sogar um 28.5 Prozent. Aktuell befinden sich 197 Covid-19-Patienten in den Spitälern. Vier davon auf der Intensivstation ohne Beatmung und 24 mit Beatmung.

stgallen24 findet:

Wird Regierungspräsident Bruno Damann dem Druck aus Bern widerstehen können? Wir hoffen, dass der ausgebildete Mediziner weiterhin pragmatisch den «St.Galler Weg» beschreitet.

Denn bei all dem Alarmismus, der von den Medien um die Fallzahlen entfacht wird - die Ringier-Gruppe spielt hier eine besonders unrühmliche Rolle -, dürfen die Bedürnisse der Wirtschaft und vor allem der Menschen nicht ganz ausser Acht gelassen werden: Mit klugen Schutzkonzepten, z.B. in Gastrobetrieben, kann einerseits die Infektionsgefahr gesenkt werden, andererseits dem Bedürfnis der Menschen Rechnung getragen werden, sich zu treffen, miteinander ohne technische Barriere zu sprechen und ganz generell soziale Kontakte zu pflegen.

Denn was nützt uns der beste Schutz, wenn dabei das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben zum Erliegen kommen? Man braucht kein Hellseher zu sein, um sich ausrechnen zu können, dass die Schäden an den Menschen dadurch mindestens ebenso gross sein würden, wie sie durch Corona angerichtet werden.

Der «St.Galler Weg» bedingt aber auch, dass wir alle uns an die verordneten Schutzmassnahmen halten. Damit haben wir selbst es in der Hand, wie unsere Corona-Zukunft aussehen wird. Es ist an der Zeit, persönliche Befindlichkeiten und Eigeninteressen hintanzustellen und gemeinsam an einem Strick zu ziehen. Damit wir weiterhein ausgehen, uns treffen, Sport treiben und gesellig sein können - einfach in einem etwas engeren Rahmen als zu normalen Zeiten.

 

mik