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05.01.2026

Ostschweizer Tourismus muss ohne sein Aushängeschild auskommen

Der Ostschweizer Hausberg Säntis ist vom Bodensee aus zu sehen (Archivbild)
Der Ostschweizer Hausberg Säntis ist vom Bodensee aus zu sehen (Archivbild) Bild: KEYSTONE/DPA/FELIX KÄSTLE
Ab Mai steht die Seilbahn auf den Ostschweizer Hausberg Säntis für rund ein halbes Jahr still. Weil das touristische Aushängeschild der Region nur zu Fuss erklommen werden kann, dürfte dies in der Region zu einem Rückgang an Touristen führen.

Der Berg ruht

Der Unterbruch der Säntisbahn werde spürbar sein, sagt Ladina Heijers, Medienverantwortliche von St.Gallen-Bodensee Tourismus, der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. 367’348 Passagiere beförderte die Bahn gemäss Geschäftsbericht der Säntisbahn 2024 auf den Berg.

«Der Säntis ist ein touristisches Aushängeschild der Ostschweiz mit internationaler Strahlkraft», sagt Heijers. Der Unterbruch der Bahn auf den Hausberg der Region dürfte zu einem Rückgang an Tourismus führen. 

Die Nachfrage könne sich aber auch einfach auf das nächste Jahr verschieben, wenn die neue Schwebebahn die Fahrt auf den Säntis noch attraktiver macht.

Wanderrouten aus allen Richtungen

Im Sommer 2026 kann der 2501,9 Meter hohe Berg nur zu Fuss erreicht werden. Die alpinen Wanderungen ab der Schwägalp AR, Wildhaus SG, Wasserauen AI oder der Ebenalp AI seien seit Jahren Klassiker, sagt Jolanda Spengler von Appenzellerland Tourismus.

Da die Wanderer aber beide Wege zu Fuss zurücklegen müssen, sei eher davon auszugehen, dass insbesondere die Route von der Schwägalp über die Tierwis auf den Säntis nicht mehr so oft wie bis anhin genutzt wird. Die Route sei sehr beliebt als sportliche Herausforderung am Morgen. «Nun fehlt aber die Möglichkeit, sich nachher bequem mit der Bahn wieder zurück ins Tal fahren zu lassen», so Spengler.

Andere Bergbahnen auf hohe Kapazitäten vorbereitet

Das Gipfelrestaurant bleibt während des Betriebsunterbruchs der Bahn geschlossen. Das leicht unterhalb gelegene Gasthaus «Alter Sänti» öffnet gemäss Website hingegen für eine verkürzte Sommersaison.

Bei Appenzellerland Tourismus rechnet man damit, dass sich die Besucherströme auf die Kronbergbahn verschieben, wie Spengler weiter erklärt. Auch die Ebenalpbahn und jene auf den Hohen Kasten dürften ein höheres Passagieraufkommen verzeichnen. Alle drei Bahnen seien auf hohe Kapazitäten vorbereitet.

Der Säntis habe eine grenzüberschreitende Relevanz, heisst es bei St.Gallen-Bodensee Tourismus. Die Region lebe aber touristisch von ihrer Breite. Mediensprecherin Heijers zählt die Stadt St.Gallen mit dem Unesco-Weltkulturerbe Stiftsbezirk, den Bodensee, das Appenzellerland, das Toggenburg und das Rheintal auf. «Der Säntis ist ein Leuchtturm – aber nicht die einzige Attraktion, die Gäste begeistert.»

Die Säntisbahn wird ab Mai 2026 komplett erneuert. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum halbjährigen Unterbruch des Bahnbetriebs:

WAS PLANT DIE SÄNTISBAHN?
Die bestehende Bahnanlage wird vollumfänglich ersetzt. Erhalten bleiben lediglich die Tal- und die Bergstation. Mit neuer Technik versprechen die Betreiber nicht nur einen besseren Komfort für die Gäste, sondern auch eine höhere Windstabilität der neuen Seilbahn. Sie kommt mit nur noch einem statt bisher zwei Masten aus. Dadurch wird ein aufwendiger Lawinenschutz beim unteren Masten überflüssig, der nach der Aufarbeitung eines Lawinenniedergangs im Jahr 2019 als Massnahme festgehalten worden war.

WELCHE KOSTEN FALLEN AN?
Für die Totalsanierung der Bahn rechnen die Verantwortlichen mit Kosten von 22,7 Millionen Franken. Aufgrund von Einnahmeausfällen während des nötigen Betriebsunterbruchs budgetierte das Unternehmen gemäss Jakob Gülünay, Geschäftsführer der Säntisbahn, einen Millionenverlust. Die genaue Zahl kommuniziert das Unternehmen nicht.

WIE LANGE DAUERT DER BETRIEBSUNTERBRUCH?
Die Bauarbeiten starten im Frühjahr 2025. Vorerst wird der Bahnbetrieb nicht beeinträchtigt. Ab Mai 2026 muss dieser jedoch für rund ein halbes Jahr unterbrochen werden. Während dieser Zeit bleibt auch die Bergstation mit ihren Betrieben auf dem Ostschweizer Hausberg für die Gäste geschlossen. Davon betroffen ist insbesondere das Gipfelrestaurant. Im Spätherbst 2026 soll die neue Bahn in Betrieb genommen werden.

WAS GESCHIEHT MIT DEN MITARBEITERN WÄHREND DES BETRIEBSUNTERBRUCHS?
Betroffen sind rund 60 Personen, hauptsächlich aus dem Gastrobereich auf dem Gipfel. Sie werden gemäss Gülünay anderweitig im Unternehmen eingesetzt oder an externe Betriebe ausgeliehen. Für die Gastronomie und die Hotellerie auf der Schwägalp und der Passhöhe erwartet das Unternehmen während des mehrmonatigen Stillstands der Seilbahn lediglich einen moderaten Rückgang an Gästen.

WAS ÄNDERT SICH MIT DER NEUEN BAHN FÜR DIE PASSAGIERE?
Die zwei neuen Seilbahnkabinen werden etwas grösser sein, aber wie bisher bis zu 85 Passagiere befördern können. Die Dauer der zweieinhalb Kilometer langen Fahrt von der Schwägalp auf den Säntisgipfel bleibt mit zirka acht Minuten gleich. Auch können Berggänger und Skifahrer am Standort des heutigen zweiten Masten, der durch eine deutlich grössere Seilbahnstütze ersetzt wird, weiterhin ein- und aussteigen.

WIRD DIE RIESIGE SCHWEIZERFAHNE AM 1. AUGUST 2026 AN DER FELSWAND HÄNGEN?
Für den Transport der Fahne in die Felswand nutzen Höhenarbeiter jeweils die Schwebebahn. Bei der Vorstellung des Bauprojekts informierten die Verantwortlichen der Säntisbahn, dass die Fahne im Jahr 2026 nicht aufgehängt werden kann. Bereits 2025 verunmöglichte schlechtes Wetter das Aufhängen der Fahne. Sie wurde stattdessen an einem Hang auf der Schwägalp ausgerollt.

WANN WURDE DIE SÄNTISBAHN GEGRÜNDET?
Erstmals beförderte die Säntis-Schwebebahn im Jahr 1935 Passagiere auf den Ostschweizer Hausberg auf 2502 Meter über Meer. 1974 wurden die Anlagen letztmals komplett erneuert. Aktuell befördert die Bahn jährlich rund 370'000 Fahrgäste.

Keystone-SDA
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