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Stadt St.Gallen
05.01.2026
06.01.2026 00:44 Uhr

Wiborada-Jubiläumsjahr: Promis ziehen in die Zelle

Das Jubiläum versteht sich als gesellschaftlich-kulturelle Initiative, die Wiborada als historisch prägende Frau ins öffentliche Bewusstsein rücken will
Das Jubiläum versteht sich als gesellschaftlich-kulturelle Initiative, die Wiborada als historisch prägende Frau ins öffentliche Bewusstsein rücken will Bild: zVg
Am 2. Mai 2026 jährt sich der Todestag der Inklusin Wiborada von St.Gallen zum 1100. Mal. Am 1. Januar hat das Jubiläumsjahr ihr zu Ehren mit dem Projekt «Da-Sein» begonnen. Dabei nehmen bekannte Persönlichkeiten in der Zelle Platz.

Den Auftakt des Wiborada-Jubiläumsjahres bildet das Projekt «Da-Sein»: Seit dem 1. Januar 2026 weilt jeden Tag von 10 bis 18 Uhr eine Person in der nachgebauten Wiborada-Zelle bei St.Mangen und empfängt Besuch der interessierten Bevölkerung.

Im Januar gehören dazu: Alt-Stadtrat Fredy Brunner (6.1.), Autorin Moni Egger (14.1.), Stadtrat Mathias Gabathuler (15.1.), Pfarrerin Kathrin Bolt (19.1.) und der Musiker Marius Tschirky (21.1.).

Ebenfalls einen Tag in der Zelle verbringen unter anderem Bischof Beat Grögli (21.3.), Alt-Regierungsrätin Heidi Hanselmann (25.4.), Textilmuseumsleiterin Mandana Roozpeikar (28.4.), Stadtpräsidentin Maria Pappa (13.6.), Stiftsbibliothekar Cornel Dora (29.6.) oder Regierungsrätin Susanne Hartmann (13.8.). Weitere kommen laufend hinzu.

Die Zelle bildet einen zentralen Bezugspunkt des Jubiläums: als Ort der Reflexion, der Präsenz und des Austauschs im Stadtraum.

Da-Sein übersetzt Wiboradas Lebensform als Inklusin und insbesondere als Ratgeberin für die Stadtgesellschaft in eine zeitgenössische künstlerisch-gesellschaftliche Intervention und lädt dazu ein, die Inklusen zu besuchen oder selbst ein paar Stunden Inkluse zu sein.

Es hat noch Plätze frei, alle Interessierten sind herzlich eingeladen, einen Tag in der Zelle zu verbringen. Hier kann man sich anmelden: wiborada-ist-da.ch

Am 5. Januar bewohnte Jörg Niederer die Zelle Bild: zVg

Das Projekt Da-Sein ist eine Weiterentwicklung und zugleich der Abschluss des ökumenischen Inklusenprojekts, im Rahmen dessen sich seit 2021 jeweils im Mai fünf Personen für den Zeitraum von je einer Woche in der Zelle einschliessen lassen.

Das ist in diesem Jahr zum letzten Mal der Fall, danach endet das Projekt. Die Namen der fünf Inklusen im Mai 2026 werden Anfang Februar vom ökumenischen Wiborada-Projekt bekanntgegeben.

Höhepunkt des Jubiläumsjahrs ist das Fest bei St.Mangen am 2. Mai 2026, Wiboradas 1100. Todestag.

Es lädt die Stadtgesellschaft ein, gemeinsam zu erinnern, zu feiern und den Blick von der Geschichte in die Gegenwart und Zukunft zu richten. Auf dem Programm stehen Lesungen, Interventionen und Konzerte unter anderem von den Velvet Two Stripes, DJ Kutschenfahrt, der Appenzeller Frauestriichmusig und den CareBelles.

Weitere Infos sowie das genaue Programm folgen.

Ein weiterer Bestandteil des Jubiläumsjahrs ist die dreiteilige Diskussionsreihe zu Wiborada im Rahmen der «Erfreulichen Universität» im Kulturlokal Palace.

Entstanden ist sie in Zusammenarbeit mit dem Archiv für Frauen und Sozialgeschichte Ostschweiz. Sie greift Themen auf, die mit Wiboradas Geschichte und Wirkung verbunden sind: Wissen und Macht, Geschlechterrollen und Frauenleben im Mittelalter oder feministische Geschichtsschreibung.

Aline Zengaffinen, Co-Leitung «Da-Sein» Bild: zVg

Zu Gast sind die Mediävistin Tanja Scherrer (5. Mai), Caroline Arni von der Uni Basel und Jasmine Lörchner vom Podcast «Herstory» (12. Mai) sowie der Verein Wyborada (19. Mai), der auch die gleichnamige Frauenbibliothek gegründet hat und 2026 sein 40-Jahr-Jubiläum feiert.

Mit einem eigens entwickelten Lehrmittel zu Wiborada von St.Gallen wird die historische Persönlichkeit zudem in der Bildungslandschaft verankert.

Das Geschichtslehrmittel ermöglicht Schulen eine altersgerechte und zeitgemässe Auseinandersetzung mit Wiborada abseits des Religionsunterrichts und trägt dazu bei, ihr Wirken und mit ihr verbundene Themen nachhaltig über das Jubiläumsjahr hinaus greifbar zu machen.

Neben den Projekten des Jubiläumsvereins planen rund um St.Gallen diverse Institutionen und Akteur:innen weitere Anlässe und beteiligen sich mit eigenen Formaten am Wiborada-Jubiläum, darunter das Kulturmuseum und die Stiftsbibliothek. Diese Veranstaltungen sind Teil des gemeinsamen Jubiläumsjahrs und ebenfalls in der öffentlichen Agenda aufgeführt.

Denn der Verein Wiborada-Jubiläum 2026 ist überzeugt: Das Jubiläum lebt von der Vielfalt der Beteiligten. Wiborada wird nicht von einer Institution erzählt, sondern von vielen – gemeinsam mit der Stadtgesellschaft.

Die laufend aktualisierte Agenda mit sämtlichen Veranstaltungen des Vereins inklusive der Anlässe von Partnerinstitutionen ist online abrufbar unter wiborada-ist-da.ch/die-agenda

Weitere Informationen zum Jubiläum: wiborada-ist-da.ch

Wer war Wiborada?

Wiborada von St.Gallen zählt zu den am besten dokumentierten Frauen des Frühmittelalters. Sie gilt als Schutzpatronin der Bücher und Bibliotheken, bewahrte der Überlieferung zufolge die Stadt St.Gallen vor der Zerstörung und wurde 1047 als erste Frau überhaupt von der katholischen Kirche heiliggesprochen.

916 liess sie sich bei der Kirche St.Mangen in einer Zelle einmauern und fungierte von dort aus als mächtige Ratgeberin für Klerus, Adel und Bevölkerung. Unter anderem prophezeite sie dem Abt von St.Gallen den Einfall der Ungarn 925, worauf er die wertvollen Handschriften und die Klosterschätze in Sicherheit brachte. Sich selbst wollte Wiborada nicht retten. So starb sie als Märtyrerin.

Der Verein «Wiborada-Jubiläum 2026» hat sich im Frühling 2025 gegründet und vereint Personen aus Kultur, Bildung, Gesellschaft und den zwei Landeskirchen. Zur Projektgruppe gehören Hildegard Aepli, Kathrin Bolt, Jacques Erlanger, Tim Mahle, Jolanda Schärli, Kristin Schmidt, Lea Vannini, Aline Zengaffinen und Corinne Riedener. Unterstützt wird der Verein von verschiedenen Institutionen und Privatpersonen.

pd/stz.
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