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Schweiz
05.01.2026

Igel ist Tier des Jahres 2026

Eine Igelmutter transportiert ihr Jungtier in ein neues Versteck.
Eine Igelmutter transportiert ihr Jungtier in ein neues Versteck. Bild: Pro Natura
Der Igel gilt in der Schweiz als potenziell gefährdet. Die gute Nachricht: Wir können mit einfachen Massnahmen viel für den Igel tun.

Was für eine Freude, wenn uns an einem lauen Sommerabend im Garten oder Park ein Igel begegnet, der geschäftig nach Leckerbissen sucht. Der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) gehört gemäss Pro Natura zu den beliebtesten Wildtieren der Schweiz. «Niemand will ihm etwas Böses. Trotzdem findet der kleine Insektenfresser immer weniger geeigneten Lebensraum», schreibt die Naturschutz-Organisation in ihrer Mitteilung.

Die gute Nachricht: Man kann mit einfachen Massnahmen viel für den Igel tun. Igel leben heute hauptsächlich in Siedlungen. Je natürlicher und insektenfreundlicher Gärten und Grünanlagen sind, desto besser geht es den Igeln.

Menschen «anstascheln»

Mit dem Tier des Jahres 2026 will Pro Natura Privatpersonen und Behörden dazu «anstacheln», für mehr Natur im Siedlungsraum zu sorgen.

Igel brauchen ein dichtes Netz von Unterschlupfmöglichkeiten und ein reiches Nahrungsangebot an Insekten. Beides finden sie in weiten Teilen der landwirtschaftlich genutzten Gebiete kaum mehr, wie Pro Natura informiert. Deshalb lebe der stachelige Insektenfresser heute vor allem in locker überbauten Bereichen unserer Dörfer und Städte. «Seine Bestandsentwicklung macht allerdings Sorgen», so Pro Natura.

Seit 2022 ist der Igel auf der Roten Liste der Schweiz als «potenziell gefährdet» eingestuft. Wo Siedlungen verdichtet werden, können wertvolle Igel-Lebensräume verschwinden. Deshalb ruft Pro Natura mit dem Tier des Jahres 2026 dazu auf, Gärten, Grünanlagen, Friedhöfe und Parks igelfreundlich zu gestalten und zu pflegen.

Gewusst? Ein Igel zählt 8'000 Stacheln. Bild: Pro Natura

Igel stehen auf Insekten

Wenn ein Igel in der Dämmerung emsig schnüffelnd durch einen Garten oder Park streift, dann sucht er Futter. Ganz oben auf der Menüliste stehen bei ihm Laufkäfer, Schmetterlingsraupen und Regenwürmer. Igel hören sehr gut und haben eine feine Nase. Lautes Schmatzen oder das Knirschen von Käferpanzern zwischen spitzen Zähnen zeigt uns an: Die Beutesuche war erfolgreich. Nebst ihren Leibspeisen erbeuten Igel eine breite Palette weiterer Tiere und verschmähen auch Aas nicht.

Igel können pflanzliche Nahrung nicht verdauen. Wenn ein Igel an einem Apfel schnüffelt, handelt es sich kaum um einen Vegi-Igel. Viel wahrscheinlicher ist, dass der Igel den Wurm riecht, der im Apfel steckt.

Kaum zu glauben: Ein Egel ist innerhalb von wenigen Wochen bereits selbstständig. Bild: Pro Natura

Gefährliche Streifzüge

Igel legen auf ihren nächtlichen Streifzügen im Durchschnitt etwa einen Kilometer zurück. Dabei überqueren sie Strassen, müssen Hindernisse umgehen und sich vor Fallen wie Kellertreppen, Schwimmbecken oder Lichtschächten hüten. «Besonders gefährdet sind Männchen während der Paarungszeit, also ab Mitte April», erklärt Pro Natura. Sie legen dann auf der Suche nach paarungswilligen Weibchen auch mal mehrere Kilometer zurück.

Igelmännchen umkreisen ihre Auserwählte manchmal stundenlang, bis sich das Weibchen nicht mehr wegdreht und paarungswillig ist. Man spricht vom «Igelkarussell». Paarungen finden bis Ende August statt. Nach einer Tragzeit von rund 35 Tagen bringt das Weibchen zwei bis sieben Junge zur Welt. Das Familienleben ist kurz: Jung-Igel sind schon nach etwa 6 Wochen selbstständig und müssen sich fortan allein durchs Leben schlagen.   

Gewusst?

  • Ein Igel muss im Herbst 500 Gramm wiegen, um den Winter überleben zu können.
  • Ein erwachsener Igel trägt 8'000 Stacheln.
  • In der Schweiz gibt es eine Igelart, den Braubrustigel (Erinaceus europaeus).

Wo schlüpf’ ich unter?

Igel brauchen sichere Tagesverstecke, Nester für die Geburt ihrer Jungen, trockene Winterquartiere. Nur dort, wo solche Unterschlupfmöglichkeiten reichlich vorhanden sind, können Igel leben. Besonders wählerisch sind die Stacheltiere nicht. Es muss nicht immer der klassische Ast- und Laubhaufen im Naturgarten sein. Eine Holzbeige, der Hohlraum unter einem Gartenhäuschen, ein locker hingeworfener Bretterhaufen oder ein Igelhaus aus dem Baumarkt werden ebenso gerne angenommen.

Naturgärten wichtig

«Wo Wohnsiedlungen verdichtet werden, sind Igel-Lebensräume bedroht», schreibt Pro Natura weiter. Umso wichtiger sei es, private Gärten und öffentliche Grünräume noch konsequenter igelfreundlich zu gestalten. «Auch Gemeinden können dem Igel viel Gutes tun. Schulanlagen, Parks oder Friedhöfe bieten reichlich Potenzial für bunte, abwechslungsreiche Lebensräume.» Wer Igel fördere, helfe auch Insekten, Siebenschläfern, Zaunkönigen und vielen anderen Arten.

Ein Naturgarten voller Leben biete alles, was der Igel brauche: Unterschlüpfe, Schutz vor Mährobotern, Zugang zu Wasser und jede Menge Insekten.

Naturgärten sind Paradiese für Mensch und Tier. Bild: Pro Natura

Landesweite Aktion

Im März 2026 startet Pro Natura landesweit die Aktion «BONJOUR NATURE». Mit dem Projekt sollen möglichst viele Menschen dazu ermuntert werden, die Natur in ihre Gärten einzuladen. Dazu gibt es kostenlose Angebote wie Beratungen. Wer seinen Garten für die Natur gestaltet, kann ihn zertifizieren lassen.

Nützliche Informationen


> Tipps für igelfreundliche Gärten
> Naturgarten-Newsletter
> Aktion BONJOUR NATURE

Hilfe bei verletzten, abgemagerten oder kranken Igeln: Igelzentrum oder Pro Igel

Online-Vortrag zum Igel:
Montag, 9. Februar 2026
> zur Anmeldung

Quelle: Pro Natura

Zürioberland24/bt
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