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Stadt St. Gallen
22.10.2020
23.10.2020 17:24 Uhr

«The Black Rider» kommt auf die Bühne

Die Sage vom Freischütz, der sich auf einen Handel mit dem Teufel einlässt, inspiriert seit 200 Jahren Schriftsteller, Regisseure und Komponisten. In St.Gallen kommt sie am 31. Oktober auf die Bühne.

Vor dreissig Jahren feierte in Hamburg die Version von Tom Waits, Robert Wilson und William S. Burroughs unter dem Titel The Black Rider ihre Uraufführung. Nun kommt sie in St.Gallen in einer Inszenierung unserer Hausregisseurin Barbara-David Brüesch auf die Bühne. Die musikalische Leitung der als „musikalische Fabel“ untertitelten Produktion hat der Schweizer Posaunist und Komponist Michael Flury. Die Premiere findet am Samstag, 31. Oktober, 19 Uhr, im Um!bau statt, der neuen Ersatzspielstätte unmittelbar neben dem Theatergebäude, das derzeit saniert und erweitert wird.

Mit dem Teufel im Bunde

Rocklegende Tom Waits, Starregisseur Robert Wilson und Beat-Generation-Autor William S. Burroughs griffen für ihre musikalische Fabel ebenso wie Carl Maria von Weber für seine Oper auf eine Sammlung von Gruselgeschichten aus dem beginnenden 19. Jahrhundert zurück. Die Ursage vom Freischütz ist eine einfache, archaische Geschichte: Der Schreiberling Wilhelm liebt die Förster- und Jägerstochter Käthchen, und Käthchen liebt Wilhelm. Heiraten kann Wilhelm sein Käthchen aber nur, wenn er den Beruf wechselt und den Probeschuss besteht, an den die männliche Erbfolge der Försterei gebunden ist. Aus Angst zu versagen lässt er sich mit dem Teufel auf einen Handel um Freikugeln ein – und die Geschichte endet böse.

Regie führt Barbara-David Brüesch, die Hausregisseurin des Theaters St.Gallen. The Black Rider zeigt für sie eine düstere Welt, in der die Anziehung des Bösen eine grosse Rolle spielt, eine patriarchale Welt mit klaren Rollenbildern. «Mich interessiert an dem Stoff das doppelte Spiel mit diesen Rollenbildern, sie infrage zu stellen und ad absurdum zu führen», sagt die Regisseurin, die in St.Gallen in der letzten Saison Sein oder Nichtsein nach dem Film von Ernst Lubitsch auf die Bühne gebracht hat. Ihre Entscheidung, Wilhelm (zum ersten Mal seit der Uraufführung 1990) mit einer Schauspielerin zu besetzen und ein Kostümkonzept, das auf humorvolle Weise mit Gender spielt, unterstreichen die in der musikalischen Fabel bereits angelegte Absurdität der Geschlechterbilder.

Musik von zeitloser Schönheit

Die musikalische Leitung hat der Schweizer Posaunist und Komponist Michael Flury. Mit Respekt und Ehrfurcht sei er an die Musik von Tom Waits herangegangen, sagt er: «Es gibt Liedgut im Black-Rider-Repertoire, das geht gegen Weltkulturerbe, ist von zeitloser Schönheit.» Für Flury wie für Barbara-David Brüesch war es Herausforderung und Spass zugleich, den eigenen Sound mit der eigenen Band, eigenen Bildern und eigener Formensprache zu kreieren und dem Meisterwerk gerecht zu werden.

Das Bühnenbild für die St.Galler Version des Black Rider entwarf Piero Vinciguerra, die Kostüme Sabine Blickenstorfer. Für die Choreografie zeichnet Zenta Herter, die Choreinstudierung besorgte Michael Vogel. Auf der Bühne agiert ein sparten-übergreifendes Black-Rider-Ensemble mit Mitgliedern des Schauspielensembles des Theaters St.Gallen, dem Tenor Riccardo Botta und Sänger des Theaterchors, begleitet von der Black-Rider-Band. 

Premiere: Samstag, 31. Oktober 2020
Zeit: 19 Uhr
Ort: UM!BAU

Einführungsmatinee
Sonntag, 25. Oktober 2020, 11 Uhr, Lokremise

Vorstellungen
Samstag, 31. Oktober 2020, 19 Uhr (Premiere)
Mittwoch, 4. November 2020, 19.30 Uhr
Freitag, 6. November 2020, 19.30 Uhr
Samstag, 7. November 2020, 19 Uhr
Sonntag, 8. November 2020, 19 Uhr
Sonntag, 22. November 2020, 17 Uhr
Dienstag, 24. November 2020, 19.30 Uhr
Mittwoch, 25. November 2020, 19.30 Uhr
Sonntag, 6. Dezember 2020, 19 Uhr
Montag, 14. Dezember 2020, 19.30 Uhr
Donnerstag, 17. Dezember 2020, 19.30 Uhr
Sonntag, 20. Dezember 2020, 14 Uhr
Donnerstag, 7. Januar 2021, 19.30 Uhr

Inszenierung Barbara-David Brüesch

Musikalische Leitung Michael Flury

Bühne Piero Vinciguerra

Kostüm Sabine Blickenstorfer

Choreografie Zenta Haerter

Dramaturgie Ute Haferburg

Choreinstudierung Michael Vogel

Licht Andreas Enzler

Stelzfuss Tobias Graupner

Kuno, Erbförster Riccardo Botta

Bertram, Förster Matthias Albold

Anne, seine Frau / Baum / Stelzfuss-Double Birgit Bücker

Käthchen, deren Tochter Anja Tobler

Wilhelm, Schreiber Pascale Pfeuti

Robert, Jägerbursche / Baum Frederik Rauscher

Der Herzog / Georg Schmid / Baum Christian Hettkamp

Wilderer /Käthchen-Double / Stelzfuss-Double /Wilhelm-Double / Beilkind Tabea Buser

Zombie-Kind / Kuno als junger Mann / Kürbiskind Elias Podolski / Jakob Thielemann

Black-Rider-Band Michael Flury (Leitung, Posaune, Piano, Harmonium), Nicolas Stocker (Drums),Christian Müller,(Klarinetten, Electronics),Gina Été (Bratsche, Piano, Harmonium, Gesang)

Die Brautjungfern Lucia Blazickova, Michaela Frei, Gergana Geleva, Candy Grace Ho, Manuela Iacob Bühlmann, Giedré Povilaityté, Annette Sassenhausen, Elena Svetnitskaya, Fiqerete Ymeraj

Geister, Erscheinungen, Tiere des Waldes, Bäume, Fische, Botenkind (Statisterie) Heidy Bosshard, Noemi Horvath, Fiona Kreis, Hanna-Mo Krejci, Xenia Rankel, Kurt Merz, Ephraim Peter, Thomas Rüegg

mg/pd