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Kanton
16.10.2020
16.10.2020 11:29 Uhr

Schlechtestes Fangjahr seit 1910

Um die Zukunftsaussichten der Fischerei zu verbessern, wird ein internationales Kormoranmanagement gefordert.

Das Fangjahr 2019 ist mit einer Gesamtfangmenge von lediglich 208 Tonnen für die Berufsfischer des Bodensee-Obersees das schlechteste Fangjahr seit Beginn der Statistikführung 1910. Insbesondere beim Felchen, dem Brotfisch der Fischer, gingen die Fänge massiv zurück: noch nie wurden so wenige Felchen wie 2019 (54 t) gefangen. Die Stärkung der verbliebenen Berufsfischer war daher das Schwerpunktthema auf der diesjährigen Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF), welche unter dem Vorsitz Baden-Württembergs am 15. Oktober 2020 stattfand.

2016 waren noch über 100 Berufsfischer am See aktiv, 2018 beantragten lediglich 79 ein Fischereipatent, momentan legen nur noch 65 ihre Netze aus. Die vor einigen Jahren initiierte Reduktion der Befischungsintensität ist dadurch erreicht und wird durch die niedrige Ertragslage weiter verstärkt. Trotz des Rückgangs der Fangerträge soll für die verbleibenden Fischerfamilien noch eine ausreichende Existenzgrundlage gegeben sein. Wie dies unter der seit Jahrzehnten praktizierten Prämisse, den Bodensee unter nachhaltigen Gesichtspunkten zu bewirtschaften, möglich sein kann, war Kernthema der diesjährigen IBKF.

Die Bevollmächtigten der Bodenseeanrainerstaaten beschlossen, die Wirtschaftlichkeit in den verbliebenen Fischereibetrieben zu stärken. Sie kamen überein, dass die Fischer bestimmte Netztypen eigenverantwortlich wählen dürfen. Dadurch sinkt der Aufwand pro Fischer und die Wirtschaftlichkeit eines Fangtages kann gesteigert werden. Auch kam man dem Wunsch der Berufsfischer nach, bestimmte Netztypen über einen längeren Zeitraum am Boden zu verankern. Diese Maßnahme ermöglicht den Fischern, insbesondere in den stürmischen Frühjahrsmonaten das Einholen der Netze effizienter zu gestalten.

Zusätzlich gibt es Neuerungen bei der Aus- und Fortbildung: Die Zuteilung von Fanggeräten an junge Menschen in der Ausbildung zum Fischwirt und zum Fischwirtschaftsmeister wird verbessert. Dadurch soll angesichts der Überalterung des Berufsfischerstandes ein Anreiz für die Aufnahme und Ausbildung von Betriebsnachfolgern geschaffen werden.

Weitere Herausforderungen
Der Bestand an Kormoranen am See wächst stetig – mittlerweile sind Schwärme von über 1.000 im Verbund jagenden Vögeln keine Seltenheit. Dadurch steigen auch die Fischentnahmen der Kormorane aus dem Bodensee und den Zuflüssen, sie werden derzeit auf deutlich über 300 Tonnen jährlich beziffert. Die Vögel entnehmen demnach mindestens ebenso viel Fisch aus Obersee und Untersee wie die Berufsfischerei. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die Ertragslage, sondern auch auf die Bestandssituation gefährdeter Fischarten. Die Bevollmächtigten fordern daher ein wirksames internationales Kormoranmanagement rund um den See.

Sorge bereitet den Bevollmächtigten auch die aus dem Schwarzmeergebiet stammende Quagga-Muschel, die sich seit 2016 im gesamten See explosionsartig ausbreitet. Durch ihre Filtrationstätigkeit reduziert sie die Planktonverfügbarkeit im See und damit die Nahrungsgrundlage der Fische.

Einen artenreichen Fischbestand im Bodensee zu erhalten ist das erklärte Ziel der IBKF und Basis für eine nachhaltige fischereiliche Nutzung. Deshalb sind Ausbildungsförderung, Forschung und ein effizientes Kormoranmanagement wesentliche Zukunftsaufgaben.

mg/pd