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Häggenschwil
24.08.2020

«Der Grüne Zweig 2020» verliehen

Den zweiten Platz belegte die SBW Secundaria Häggenschwil
Die Ostschweizer WWF-Sektionen zeichnen alle zwei Jahre Projekte aus, die sich den Themen Artenschutz, erneuerbare Energie oder dem umweltfreundlichen Lebensstil widmen.

Knapp 40 Kinder und Jugendliche betraten am Freitagabend, 21. August 2020 die grosse Bühne im Carmen Würth Saal in Rorschach. Leidenschaftlich präsentierten sie ihre ganz unterschiedlichen und eigenständig umgesetzten Engagements. Sie alle schafften die Qualifikation zur Preisverleihung «Der Grüne Zweig» 2020.

Im Voraus suchten die Ostschweizer WWF-Sektionen nach Kindern und Jugend-lichen, die sich aktiv für die Umwelt einsetzen. Aus 32 Eingaben aus dem Appenzellerland, St.Gallen, Thurgau, Graubünden und Schaffhausen lud die sechsköpfige Jury fünf Finalistinnen und Finalisten ein, ihr Projekt live vorzustellen. Um die ersten fünf Platzierungen wetteiferten sodann die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten aus dem Fürstentum Liechtenstein mit der Idee, Plastik und PET im Schulhaus zu verbannen, die SBW Secundaria Häggenschwil, die eine Agentur für nachhaltige Zukunftsideen gründeten, die ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Timeout-Klasse aus Frauenfeld mit ihrem national bekannten Kochbuch «Greentopf», die zwei Rheintalerinnen mit dem Kleidertauschevent «Tausch-BAR» sowie eine Primarklasse aus Wald AR, die ihre Spielwiese in ein Naturparadies verwandelte.

Fünf Präsentationen sorgen für Nervenkitzel und Unterhaltung
«Viele Kinder stecken in ihrer Freizeit enorm viel Zeit und Freude in unsere Natur. Der Anlass gibt unserem Nachwuchs eine würdige Plattform, um ihr Können und Wissen öffentlich zu honorieren», freute sich Nationalrätin Claudia Friedl zum Einstieg des Abends. Was die Jugendlichen alles draufha-ben, zeigten sie in den siebenminütigen Präsentationen mit allen Mitteln. Den Anfang machte die SBW Secundaria Häggenschwil.

Die Jugendlichen auf Sekundarstufe schafften einen Kunstgriff, der sich an diesem Abend mehrfach wiederholte. Sie präsentierten sich als Agentur für Nachhaltigkeit und aus ihrer Darbietung als Nachrichtensendung. Damit spannten sie einen Bogen über verschiedene Projekte. Die Agentur nimmt sich diversen Themen an: Zum Beispiel einem Repair-Projekt, der Wiederverwertung von Kleidern, die Nutzung leerer Tetra-Packungen als mehrfach verwendbare Briefumschläge, aber auch die Weitergabe ihres Umweltwissens an die nachfolgenden Schülerinnen und Schüler.

Kleidertausch, Veganismus und Repair-Projekte
Die Modeatorin Nadja Bischof führte durch den Abend und versprach nicht zu viel, als sie die Primarschule aus dem appenzellischen Wald ankündigte. Die Kinder führten ihr Projekt, ein Naturgarten, mit eigenen, gesungenen Texten zu bekannten Melodien auf. Zudem belegte die Diashow, mit wie viel Aufwand sie ihren Schulgarten gestalteten. Dafür haben sie sogar einen Teil ihrer Spielwiese geopfert.

In einem Teich siedeln sich Frösche an, es gibt ein Bienenhotel, eine Ecke mit Brennnesseln für Raupen und vieles mehr. Als drittes Projekt präsentierten Mohammed und Shania stellvertretend für viele Beteiligte ihr Werk «Greentopf». Die Idee entstand in der Timeout-Schule in Frauenfeld beim gemeinsamen Znüni und Zmittag. Viele Jugendliche beschäftigten sich intensiv mit dem Thema Ernährung, auch weil am gemeinsamen Tisch oft Essen aus den verschiedensten Kulturen zusammentraf. Und so wurde gemein-sam gekocht und die Rezepte niedergeschrieben. Das daraus resultierende Kochbuch «Greentopf» lehnt sich an das bekannte Lehrmittel «Tiptopf» und erschien im Lehrmittelverlag St.Gallen.

Der Bestseller wurde unter anderem von den Vegan-Pionieren des Restaurants Hitl unter die Fittiche genommen und überzeugte die Jury insbesondere aufgrund des ökologischen Mehrwerts durch vegetarisches und veganes Kochen. Das Gymnasium in Vaduz bediente sich ebenfalls einem Nachrichtenformat. In einer Art Late Night Show mit dem Untertitel «Liechtenstein im Dunkeln» hielten sie der heutigen Konsumge-sellschaft auf ironische Art einen Spiegel vor. Die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten monierten, dass ihnen die Erwachsenen sehr viel verbieten würden, nur nicht die Vergrösserung des Abfallberges. Mit dem Sammeln und Wägen der PET-Abfälle zeigten sie auf, dass das Sparpotential gross wäre.

Die TauschBAR schliesslich ist eine Initiative von Leonie Kobelt und Taina Ruckdeschel. Die jungen Frauen aus dem Rheintal sind begeistert von Kleidung, aber weniger von Fastfashion, wie sie von vielen Mo-deketten vertreten wird. Mit der ersten Ausgabe einer TauschBAR in Rebstein im vergangenen Jahr sorgten sie für ein beachtliches Medienecho. Bringe zehn Kleidungstücke mit und suche dir zehn aus, heisst das Prinzip, das sie bei der Präsentation gleich mit dem Publikum austesteten, sodass die An-wesenden unerwartet eine kleine Modeschau zu sehen bekamen. Der grösste begehbare Kleider-schrank nennen sie ihre Aktion, die auch dieses Jahr am 20. September wieder im Rheintal durchgeführt wird.

Häggenschwiler auf dem zweiten Platz
Nur wenige Punkte unterschieden die ersten drei Gewinnerinnen und Gewinner. Den dritten Platz eroberten die Primarschülerinnen und -schüler von Wald. Die Anerkennung dürfte sie ermuntern, an ihrem Projekt dran zu bleiben. Die Vertreterin der SBW in Häggenschwil bedankte sich für den zweiten Platz und die Möglichkeit für die Jungen, sich mit anderen zu messen und ihre Arbeit in einem festlichen Rahmen präsentieren zu dürfen. Die Jury wiederum lobte das vielseitige Projekt und die lebendige Prä-sentation. Dies traf allerdings für alle zu.

Der Siegerzweig ging dieses Mal ins Ausland. Die Vaduzer Gymnasiastinnen und Gymnasiasten überzeugten mit ihrem erfrischenden, vielseitigen, auf positive Art auch provokativem Projekt, das sie zudem augenzwinkernd präsentierten. Immerhin ist Plastikabfall auch ein aktuelles Thema. Eine Schülerin sagte dankbar: «Der Kampf um den Umweltschutz ist echt hart. Der Sieg hilft uns, dass uns die Erwachsenen endlich ernst nehmen». Die Preissumme der Aus-zeichnung liegt bei insgesamt 7'000 Franken. Fünf Projekte wurden bereits vorgängig mit einem Anerkennungspreis über 300 Franken ausgezeichnet. Der Restbetrag verteilt sich auf die ersten fünf Plat-zierungen.

Schlussrangfolge «Der Grüne Zweig» 2020:

1. Platz: PET- und plastikfreies Liechtensteinisches Gymnasium (1'600 Franken)

2. Platz: Agentur für nachhaltige Zukunftsideen, SBW Secundaria Häggenschwil (1'400 Franken)

3. Platz: Ökologisch aufgewertete Spielwiese der Primarschule Wald AR (1'200 Franken)

4. Platz: Rheintaler Kleiderbörse «TauschBAR» (800 Franken)

5. Platz: Kochbuch Greentopf der Timeout-Schule Frauenfeld (500 Franken)

mik/pd