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Stadt St.Gallen
11.11.2022
11.11.2022 18:18 Uhr

HSG-Studie: Einkaufstourismus verliert an Bedeutung

Bild: Archiv
Den Ergebnissen der Studie «Einkaufstourismus» der HSG zufolge verliert der Schweizer Detailhandel durch den Einkaufstourismus in diesem Jahr 8,43 Milliarden Franken. 2017 waren es noch 9,07 Milliarden.

Die neue Ausgabe der Langzeitstudie «Einkaufstourismus» vom Forschungszentrum für Handelsmanagement an der Universität St.Gallen (IRM-HSG) beleuchtet das Kaufverhalten von Schweizer Einkaufstouristen im grenznahen Ausland. Im Zentrum der Studie stehen die fünf Detailhandelsbranchen Lebensmittel, Drogerie, Bekleidung, Sport und Einrichtung.

Online-Wachstum kann Verluste nicht ausgleichen

Der Einkauf in stationären Geschäften im Ausland entwickelt sich rückläufig. Er ist seit 2017 über alle Branchen um mehr als 10 Prozent gesunken. So ist der durchschnittliche Betrag pro Einkauf in Geschäften im Ausland von 246 auf 216 Franken gefallen. Dazu kommt, dass seltener im Ausland eingekauft wird, nämlich nur noch 4,8 Mal. Auch das ist ein Rückgang gegenüber 2017, damals lag die Einkaufshäufigkeit noch bei 5,2 Mal.

Online hingegen kaufen im Vergleich zu 2017 mehr Konsumenten im Ausland ein. Pro Online-Einkauf hat sich wenig geändert. So sind die Einkaufshäufigkeit und der Ausgabebetrag pro Person gleichgeblieben. Allerdings kaufen im Vergleich zu 2017 heute deutlich mehr Konsumenten online ein.

2022 haben 41,9 Prozent der Konsumenten online im Ausland eingekauft, 2017 waren es noch 37 Prozent. So legt der Online-Einkaufstourismus um gute 20 Prozent auf 1,45 Milliarden Franken seit 2017 zu.

Gute Ware für weniger Geld ist noch immer das Hauptmotiv für den Einkaufstourismus. Die hohe Inflation im Ausland schreckt jedoch ab. So bewirkt die inflationsbedingte Preissteigerung im benachbarten Ausland bei jedem fünften Einkaufsgast ein Umdenken. Viele kaufen wieder verstärkt in der Schweiz ein.

Mehrwertsteuerfreigrenze und Zollabwicklung bremsen Einkaufstourismus

Die geforderte Beschränkung der Mehrwertsteuererstattung auf Einkäufe bis 50 Franken konnte den stationären Einkaufstourismus im grenznahen Ausland durchschnittlich um 32,6 Prozent reduzieren. Die Einführung einer Freigrenze von 50 Franken würde somit zu einer Reduktion des Einkaufstourismus im Umfang von 2,27 Milliarden Franken führen.

Von den vielen weiteren Hindernissen, wie Wartezeiten an den Grenzen, überfüllte Züge oder die Gefahr, Freunde und Bekannte zu treffen, kritisieren Einkaufstouristen insbesondere die aufwändige Zollabfertigung.

Starke Unterschiede zwischen den Branchen

In vier von fünf Branchen überstieg die Abnahme des stationären Einkaufstourismus die Zunahme durch den Online-Einkaufstourismus. Besonders auffällig war hierbei die Bekleidungsbranche, in der sich das Gesamtvolumen seit 2017 um circa 300 Millionen Franken reduziert hat.

In der Einrichtungsbranche stieg der Online-Einkaufstourismus mit etwa 123 Millionen Franken zwar am stärksten, wurde jedoch von der Abnahme des stationären Einkaufstourismus mit circa 180 Millionen übertroffen.

Einzig die Sportartikelbranche verzeichnete sowohl beim stationären Einkaufstourismus einen Rückgang um circa 159 Millionen Franken als auch im Online-Einkaufstourismus mit etwa 21 Millionen.

Informationen zur Studie

Prof. Dr. Thomas Rudolph, Christopher Schraml, Christine Otto und Nora Kralle am Forschungszentrum für Handelsmanagement der Universität St.Gallen (IRM-HSG) untersuchten in einer Online-Befragung über 3000 Einkaufstouristen aus der Schweiz.

Die Studie beleuchtet das Ausmass des Einkaufstourismus sowohl in stationären Geschäften als auch online, die Verhaltensänderungen seit 2017 und die Entwicklung in den einzelnen Branchen. Die Datenerhebung wurde vom Handelsverband.Swiss, der Swiss Retail Federation und der Aldi Suisse AG finanziell unterstützt.

pez/pd