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Stadt St.Gallen
08.11.2022
09.11.2022 17:00 Uhr

Getestet: So schmeckt japanisch-peruanische Fusion in St.Gallen

«Senso Kitchen» spezialisiert sich auf Steak und Sushi.
«Senso Kitchen» spezialisiert sich auf Steak und Sushi. Bild: Miryam Koc
Die Stadt St.Gallen ist um ein Restaurant reicher: Im Steakhouse «Senso Kitchen» trifft japanische auf peruanische Küche. Wie das schmeckt, hat stgallen24 getestet.

Nachdem zwei Pizzaläden am Unteren Graben 1 scheiterten, soll es ein Steakhouse mit besonderem Konzept richten: Vor wenigen Monaten eröffnete «Senso Kitchen» seine Türen und bietet als erstes Restaurant in der Gallusstadt «Nikkei»-Küche an. Das ist die Verschmelzung von peruanischen und japanischen Küchentraditionen und soll ein Zeugnis der gelungenen Annäherung zweier kulinarischen Kulturen sein. stgallen24 hat sich durch das Menü getestet und bewertet Ambiente, Service, Essen und Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ambiente

Zwischen Bahnhof und Marktplatz liegt das neue Restaurant am Unteren Graben an einem belebten Ort in der Stadt St.Gallen. So laufen Tausende Passanten täglich zufällig an den Schaufenstern des «Senso Kitchen» vorbei und erhaschen einen Blick ins Innere des Lokals. Nach dem Betreten fällt als Erstes der grosse Kühlschrank mit rohem Fleisch auf. Spätestens jetzt ist klar: Das hier ist ein Steakhouse.

Von den Decken hängen Pflanzen herab, die Tische und Stühle sind in einem dunklen Holz gehalten und die Wände haben eine stylische Betonoptik. Ein gut durchdachtes Lichtkonzept unterstreicht das edle Ambiente, das durchaus «instagramable» ist. Ausserdem kann man den Köchen und Sushi-Meistern beim Arbeiten zuschauen, was die Atmosphäre zusätzlich auflockert und den Gästen ein gutes Gefühl gibt. 

Stylisches Ambiente im neuen Restaurant am Unteren Graben 1 Bild: Miryam Koc

Service

Wir besuchen das Restaurant an einem Donnerstagabend und werden direkt nach dem Betreten von einer Kellnerin zum Tisch geführt. Das Lokal ist an diesem Abend gut gefüllt. Weil wir eine möglich grosse Auswahl des Essens testen möchten, fragen wir nach Empfehlungen. Daraufhin wird nach Unverträglichkeiten und Allergien gefragt und uns ein Menü zusammengestellt.

Das gesamte Personal wirkte sehr freundlich und beantwortete unsere Fragen zum Essen mit Begeisterung. Das Sushi wurde von einem der zwei Sushi-Meistern selbst gebracht, am Tisch flambiert und erläutert – dies auf eine sehr humoristische Art und Weise, was sehr sympathisch war. Zweimal mussten wir nach Wasser fragen, weil es von der Kellnerin vergessen wurde. Weil wir von verschiedenen Kellnerinnen bedient wurden, kam es dazu, dass wir doppelt gefragt wurden, ob wir schon bestellt hätten und ob alles in Ordnung sei. Das ist nicht schlimm, aber deutet darauf hin, dass das Team noch nicht ganz eingespielt ist und es noch etwas Zeit benötigt. Ansonsten gab es am Service während des ganzen Abends nichts auszusetzen.

Essen

Die Karte des «Senso Kitchen» ist aufgeteilt in Startern, Salaten, Sushi, Fleisch, Sides, Desserts und Kindermenüs. Die Auswahl der Gerichte scheint durchdacht und sorgfältig ausgesucht zu sein. Anders als in vielen anderen Restaurants hat man nicht das Gefühl von der Menge der Gerichte «erschlagen» zu werden. Als Starter wurden uns Beef Gyozas – also gegrillte Teigtaschen gefüllt mit Rindfleisch – und Wagyu Bao Buns serviert. Wagyu heisst übersetzt schlicht «japanisches Rind» und gilt als Luxusgut weltweit. Dieses wird aus Argentinien bezogen.

Wagyu-Fleisch hat einen Faktor, der es grundlegend von allen anderen Fleischsorten unterscheidet: das Fett. Während Fett normalerweise punktuell oder in dickeren Strängen im Fleisch verteilt ist, wird Wagyu-Fleisch gleichmässig und vollständig von feinsten Fettäderchen durchzogen. Bis zu 40 Prozent macht der Fettanteil im Wagyu aus, das lockert das Bindegewebe und macht das Fleisch unnachahmlich zart. In Kombination mit den gedämpften Teigtaschen (Baos) und einer süss-scharfen Sauce ein besonderes Gericht, das man sonst so wahrscheinlich in St.Gallen nicht erhält. Die Gyoza waren ebenfalls von gutem Handwerk und das Rindfleisch sehr zart. Hätte es eine vegetarische Gyoza-Variante gegeben, so hätten wir uns als Vorspeise wahrscheinlich für diese entschieden.

Die Vorspeise: Beef Gyoza und Wagyu Bao Buns Bild: Miryam Koc

Danach folgte eine üppige Auswahl von Sushi: California Rolls mit Thunfisch und Lachs, Tobi Maki, Salmon Avocado, Futo Maki (mit Spargel), Crunchy Salmon und Senso Beef: flambiertes Rindsfilet, Crevetten Tempura mit Avocado und scharfer Mayonnaise. Alleine schon die Optik und Präsentation des Sushis sorgte für ein synchrones «Wow» – selbst vom Nachbarstisch. Und das Staunen ging nach dem Tanz mit dem Gaumen weiter.

Der Fisch hatte eine ausgezeichnete Qualität und verging quasi auf der Zunge. Die Sushi-Kreationen waren kreativ und regten durch die verschiedenen Zutaten und Kombinationen alle Geschmacksnerven an. Der Reis hatte den richtigen Biss, die Tempura Garnelen waren von Innen noch glasig und das Lachstartar war mit einer Passionsfruchtsauce fein abgeschmeckt. Wir können es hier vorweg nehmen: Das Sushi zählte zum Highlight des Abends und setzt im Raum St.Gallen die Messlatte für die japanische Handwerkskunst sehr hoch. 

  • Das Sushi wurde am Tisch flambiert Bild: Miryam Koc
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  • Bild: Miryam Koc
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Kann das getoppt werden? Als Hauptspeise wurde uns Black Angus Filet (USA) und Asado (Querrippe des Rinds) kredenzt. Als Sides gab es Trüffel- und Süsskartoffel-Pommes. Zubereitet wurde das Fleisch auf dem Holzkohlegrill, was ihm ein intensives und rauchiges Aroma verleiht. Auch die gewünschten Garstufen medium und medium-well wurden exakt getroffen. Neben den USA, Argentinien und Irland bezieht das Restaurant das Fleisch aus der Blatter Metzgerei in Mettlen im Kanton Thurgau.

Die Süsskartoffel-Pommes waren knusprig und gut gewürzt. Die Trüffel-Pommes hätten hingegen «trüffliger» sein können – hier gibt es bestimmt noch Potenzial, um diese zu verfeinern. Auch die restlichen Beilagen auf der Karte können sich sehen lassen: So hat man beispielsweise die Wahl zwischen Maiskolben vom Holzkohlegrill, Spinat mit gebuttertem Knoblauch-Sesam-Quinoa, Gemüse oder Folienkartoffeln mit Kräuterquark.

Zum Abschluss gab es als Dessert karamellisierte Waldbeere mit Pistazienglace und Yuzu-Erdbeer-Cheesecake. Beides überzeugte mit einer Frische und Leichtigkeit und rundete das gelungene Essen perfekt ab.

  • Die Hauptspeise... Bild: Miryam Koc
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  • ... und das Dessert Bild: Miryam Koc
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Preis-Leistung

Das «Senso Kitchen» spielt eher in der höheren Preisklasse – aber wer Sushi und Steak essen möchte, der greift üblicherweise immer etwas tiefer in die Tasche. Das Fleisch liegt pro 100 Gramm zwischen 16 (Swiss Beef Asado Rib) und 80 Franken (Wagyu Filet). Acht Sushi-Rollen gibt es für etwa 25 Franken, die Vorspeisen liegen zwischen 24 und 30 Franken, Salate gibt es ab 14 Franken, die Desserts kosten im Schnitt 13 Franken. Beilagen kosten zusätzlich. Die Qualität – vor allem von Fleisch und Sushi – rechtfertigt den Preis unserer Meinung nach.

Ausserdem gönnt man sich nicht alle Tage Wagyu-Fleisch. Die restlichen Speisen liegen im üblichen St.Galler Preisrahmen – einzig die Sides mögen leicht überteuert wirken, wie beispielsweise ein Maiskolben für 9, Gemüse für 10 oder übliche French Fries für 8 Franken. 

Fazit

Zugegeben: Als innert kürzester Zeit aus «Proper Pizza» «Senso Kitchen» wurde, war ich kritisch. Doch das besondere Ambiente, das ausgefallene Konzept, die Qualität des Essens und die Gastfreundschaft an diesem Abend haben erneut bewiesen, dass sich ein Neustart sehr wohl lohnen kann und jeder eine zweite Chance verdient hat. Diese wurde definitiv richtig genutzt. Mit «Senso Kitchen» reiht sich ein modernes Restaurant, das Neues wagt, in die St.Galler Gastroszene. Alleine fürs Sushi würden wir jederzeit wiederkommen.

Das Lokal bietet sich perfekt dafür an, besondere Anlässe zu feiern, wo man sich Essen gönnt, das nicht alltäglich ist. Auch die Drinks und Cocktails vermitteln Grossstadt-Flair in hippem Ambiente. Es bleibt zu hoffen, dass sich die St.Galler auf das Konzept einlassen und die schöne Lokalität an hervorragendem Standort nicht bald wieder leer steht.

 

Gibt es ein Restaurant in St.Gallen oder Umgebung, das wir unbedingt testen sollten? Lassen Sie es uns wissen unter redaktion@stgallen24.ch oder via Instagram.  

Miryam Koc/stgallen24