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Wirtschaft
16.07.2022

Anhaltende Inflations-, Zins- und Rezessionssorgen

Christopher Chandiramani; "Geduld ist an den Börsen gefragt."
Christopher Chandiramani; "Geduld ist an den Börsen gefragt." Bild: shutterstock.com
Die Aktien sind weiterhin auf der Suche nach einem Trend. Zurzeit dominiert der Pessimismus. Positive Impulse sind Mangelware.

Der Preisauftrieb in den USA hat auch im letzten Monat des 1. Halbjahres zugenommen. Überraschend hohe 9.1 Prozent. Das gab es letztmals vor 40 Jahren und bleibt gegenwärtig die Hauptsorge der Amerikaner. Von der Notenbank FED werden dieses Jahr noch weitere kräftige Zinserhöhungen erwartet. Die Gaspipeline Nord Stream 1 wird repariert und braucht Ersatzteile aus Kanada. Der russische Konzern Gazprom hat aber den Weiterbetrieb der Pipeline in Frage gestellt. Seit letztem Montag fliesst vorerst kein Gas mehr in den Westen.

Unruhig bleibt es auch bei den Währungen. Erstmals fällt der EUR unter die Parität von 1:1 zum USD. Für einen Euro zahlt man in Schweizerfranken gegenwärtig 0.98 Rappen.
Der Goldpreis ist seit mehreren Tagen hintereinander deutlich gefallen. Ende der Woche kostete die Feinunze Gold (31 Gramm) nur noch knapp über 1‘700 Dollar – ein Zweijahrestiefst.

Auch die Erdölpreise haben – in Erwartung einer Rezession –deutlich nachgegeben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete 97.55. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI fiel auf 93.98 USD. Das sind Preise wie vor dem Ausbruch des Krieges im Februar.
Die unerwartet kräftige Inflation hat auch Regierungskrisen in Grossbritannien, Italien ausgelöst. Die amtierenden Ministerpräsidenten Boris Johnson und Mario Draghi haben ihre Rücktritte eingereicht.

Christopher Chandiramani, Kantonsrat und Börsenanalyst, schreibt für rheintal24 eine wöchentliche Kolumne zum Börsengeschehen Bild: zsz.ch

Unternehmensnachrichten

Dufry will Autogrill übernehmen. Der weltgrösste Reisedetailhändler an Flughäfen und Autobahnen, die Basler Dufry Group, übernimmt die italienische Autogrill. Die Mehrheitsaktionärin von Autogrill, die italienische Familie Benetton, wird durch den Zusammenschluss grösste Besitzerin der Gesamtgruppe. Auch die Ems-Chemie Gruppe hatte Lieferengpässe und litt unter Preissteigerungen bei den Rohstoffen. Aber der Umsatz stieg von Januar bis Juni um 10.1 Prozent auf CHF 1,28 Mrd. Der Betriebsgewinn auf Stufe EBIT konnte um 0.8 Prozent auf CHF 324 Mio. verbessert werden. Die Ziele für das laufende Jahr wurden, trotz geringerer Margen, bis jetzt gut erreicht.

Die Swatch Group hat im ersten Halbjahr 2022 trotz globaler Verwerfungen den Umsatz gesteigert. Das Vorpandemie-Niveau ist jedoch noch nicht erreicht. Der Nettoumsatz stieg im ersten Semester 2022 um 7.4 Prozent auf CHF 3.61 Mrd. an. Grosser Störfaktor war ein Lockdown in China.
Erfolg in der Onkologie – das neue Brustkrebsmittel Perjeta von Roche hat in neuen Achtjahres-Daten einer Studie positive Resultate gezeigt und verringert das Rückfallrisiko.

Die Aktien des Riechstoff- und Aromaherstellers Givaudan werden von der UBS zum Verkauf empfohlen. Die Aktien der Credit Suisse unterschritten am Freitag zeitweise die Marke von CHF 5, ein Allzeittiefst.

Aussichten

Die Ängste und eine giftige Mischung aus Krieg, Energieknappheit, Inflations-, Zins und Rezessionsängsten halten an. Die Notenbanken sind unter Druck. In den USA dürfte sich die strengere Geldpolitik beschleunigen. Nur die Europäische Zentralbank wartet ab, weil sich Deutschland bereits in einer Rezession befindet. Die Berichtssaison hat begonnen. Die Halbjahreszahlen der Unternehmungen dürften die Märkte beeinflussen. Hier sind erste Bremsspuren eines durchzogenen Umfeldes sichtbar. Aber vorerst und in naher Zukunft erwarten Experten keine Erholung, jedoch Hoffnungen auf ein Kriegsende bestehen, längerfristig wieder fallende Energiepreise und abnehmende Inflation. Das Anlageklima bleibt entsprechend anspruchsvoll. Geduld ist gefragt.

stgallen24/linth24/Christopher Chandiramani, Börsenanalyst