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22.06.2022
23.06.2022 09:22 Uhr

EZE im ICE: Die Horror-Kinder sind unterwegs

Bild: SBB CFF FFS/stgallen24
stgallen24-Praktikant Patrice Eze pendelt jeden Tag mit dem Zug von Erlen über Romanshorn nach St.Gallen und zurück. Dabei begegnet er immer wieder komischen Gestalten oder wird Zeuge von skurrilen Momenten. Die Geschichten dazu teilt er in seiner Kolumne «EZE im ICE».

Fast schon verdächtig lange waren meine Zugreisen relativ ruhig verlaufen. Hier und dort ein paar Drängler und Zug-Raver – aber nichts im besonderen Ausmass.

Nun hat jedoch eine schlimme Saison begonnen: Gefühlt jede Lehrperson aus der Ostschweiz hat sich dazu entschlossen, ihre Blagen gegen Ende Juni aus der Zelle namens Klassenzimmer zu befreien und diese auf die Öffentlichkeit loszulassen – das in Form von Schulausflügen. Da ist der Zug sonst schon überfüllt wie ein Kebab beim Lieblingsdönermann und trotzdem plant man die Hin- oder Rückreise zu den stössigsten Stosszeiten – der Lärmpegel ist für jeden Pendler unzumutbar, der nach der Arbeit ein wenig Ruhe möchte!

Und natürlich: Wir alle waren mal Kinder und es ist ganz normal, dass man ein bisschen hibbelig wird, wenn man auf einen Schulausflug geht. Aber was diese Mädchen-Dreiergruppe letztens abgeliefert hat, war ein Mü zu viel:

Wie üblich zur Feierabendzeit war so gut wie jeder Sitzplatz besetzt – da mussten die energiegeladenen Kinder leider stehen bleiben. Allerdings war Stehen in einem Zug auf einer eher kurvigen Strecke nicht spannend genug. So fingen die Girls an, Schere-Stein-Papier zu spielen – und das nicht unbedingt in einer angemessenen Lautstärke. So schrien sie einmal «SCHÄRÄ, STEI, PAPIER» in einer Lautstärke vergleichbar mit einem Autoposer, der gerade über die Seepromenade in Rorschach brettert – und dann noch einmal und noch einmal und nochmal. Danebenstehend die Begleitpersonen, die offenbar taub geworden sind oder einen Fetisch für rollende Augen und genervte Seufzer haben. 

Während dem ganzen Rum-«geschere, gestein, papiere» haben die Mädchen auch Probleme gehabt, Balance zu finden. Ja, ist schwierig während der Zugfahrt, aber Festhalten hätte geholfen. So sind die jungen Damen immer wieder fast auf andere Fahrgäste gefallen, was sie ihrem Kichern zufolge aber überaus lustig gefunden haben.

Neben den armen Pendlern wurde auch noch ein Velo in Mitleidenschaft gezogen. Aber der blöde Drahtesel hat es ja auch verdient! Immerhin hat das Ding ganze drei Sitzplätze versperrt! Also betatschten die Mädels das Velo, klingelten an der Glocke und hätten es am liebsten umgeschmissen. Und auch das hat die Begleitpersonen kalt gelassen.

Auf jeden Fall habe ich während dieser Zugfahrt etwas Wichtiges gelernt: Ich brauche dringend bessere Kopfhörer.

Gruss von EZE im ICE: Ja, die Strecke fährt man mit dem Thurbo und nicht mit dem ICE. Aber das Wortspiel war zu gut, um es liegen zu lassen. ;)