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Stadt St.Gallen
11.05.2022
11.05.2022 15:15 Uhr

Kybun und Joya: Von der Konkurrenz zur Fusion

Vater Karl Müller III und Sohn Karl Müller IV
Vater Karl Müller III und Sohn Karl Müller IV Bild: Miryam Koc
Die beiden Weltmarktführer im Bereich der Gesundheits-Schuhe fusionieren. Künftig werden die Marken «Kybun» und «Joya» unter einem Dach geführt. Verwaltungsratspräsident des neuen Unternehmens wird der 37-jährige Karl Müller IV.

Das beschauliche Dorf Roggwil im Thurgau mit seinen 3395 Einwohnern ist das Mekka der Gesundheitsschuh-Industrie. Hier wurde vor 25 Jahren der Abrollschuh MBT entwickelt und von Karl Müller III zum Welterfolg geführt. Später verkaufte er sein Unternehmen wegen Differenzen mit seinem Geschäftspartner.

400'000 verkaufte Schuhe pro Jahr

Er liess sich jedoch ausbedingen, dass er seine Weiterentwicklung des MBT auf den Markt bringen darf. Er nannte ihn «Kybun». Dies bedeutet auf Koreanisch so viel wie «gutes Gefühl». Karl Müller III wanderte vor vielen Jahren nach Korea aus und als er durch die Reisfelder spazierte, bemerkte er wie die Schmerzen in seinen Füssen besser wurden.

Vom Ehrgeiz gepackt, eine Schuhtechnologie zu entwickeln, die genau dieses Gefühl und die gesundheitlichen Vorteile bietet, tüftelte Karl Müller III an einem Schuh. Heute sind mit der Kybun AG von Karl Müller III sowie der Joya Schuhe AG von  Karl Müller IV und Claudio Minder die beiden Weltmarktführer im Bereich der Gesundheitsschuhe in Roggwil beheimatet. Pro Jahr werden um die 400'000 Schuhe verkauft, was einen Umsatz von 80 Millionen macht.

14 Jahre Konkurrenten 

Bei den Inhabern der beiden Schuhfirmen handelt es sich um Vater und Sohn. Beide setzen auf die Gesundheit und einen möglichst natürlichen Gang. Gemeinsame Sache wollten sie 2007 allerdings nicht machen. Damals waren es Meinungsverschiedenheiten von Karl III und Karl IV, die ein geschäftliches Miteinander verhinderten. So arbeiteten sie 14 Jahre lang als Konkurrenten – nur wenige Meter voneinander entfernt.

«Ich glaube es lag an der Pubertät. Das ist die Zeit, wo die Eltern schwierig werden», witzelt Karl Müller III am Mittwochvormittag im Kybunpark vor den Medien. Sohn Karl Müller IV, der in seiner Kindheit Vaters Prototypen testen musste, ergänzt: «Wir hatten damals einfach unterschiedliche Vorstellungen.»

Inzwischen konnten beide «ihre» Marke bekanntlich etablieren. In den letzten Jahren wurde das Verhältnis zwischen Vater und Sohn zudem wieder besser. Sogar Annährungsversuche bezüglich einer Zusammenarbeit kamen zustande. So wurde vor rund drei Jahren das erste «Kybun Joya Gesundheitszentrum» in Arbon eröffnet.

Ende 2020 verkündete Karl Müller III seinen Rücktritt als CEO und übergab die Geschäftsführung an Urs Koller. Müller konzentrierte sich fortan auf das Verwaltungsratspräsidium und damit auf die strategische Führung der Kybun AG. Diese stellt nebst Schuhen auch Laufbänder mit elastisch-federndem Untergrund sowie Matten her.

«Ein Traum wird wahr»

Nun tritt Müller III auch vom Amt als Verwaltungsratspräsident zurück. Rund ein halbes Jahr vor seinem 70. Geburtstag. Die neue Gesamtsituation war ausschlaggebend für eine Strukturüberprüfung beider Unternehmen. Das Ergebnis: Verwaltungsrat und Aktionäre der Kybun AG und der Joya Schuhe AG erkannten in einem Zusammenschluss beider Unternehmen Synergien und Chancen für die Zukunft.

«Dass mein Sohn nun die Firma übernimmt, ist ein wahrgewordener Traum für mich. Er wird mit seinen Gaben und Ideen die Erfolgsgeschichte weiterschreiben», so Müller III. 

  • Die neue Führungscrew der Kybun Joya AG: Urs Koller, Markus Bartholet, Claudio Minder und Karl Müller IV zusammen mit Karl Müller III (vorne Mitte). Bild: Ralph Dietsche
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  • Karl Müller lV Bild: Miryam Koc
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Karl Müller IV übernimmt Gesamtverantwortung

In den letzten Tagen wurden die Mitarbeiter und die Partner darüber informiert, dass die beiden Roggwiler Schuhhersteller fusionieren werden. Damit bauen Kybun und Joya ihre Weltmarktführung aus. Wie erste Abklärungen bei der Wettbewerbskommission zeigen, steht der Fusion nichts im Weg.

Neu werden die etablierten Marken unter dem Dach der Kybun Joya AG geführt. Zudem sollen diesen Herbst erstmals Schuhe der Marke Kandahar aus dem Hause Kybun Joya auf den Markt kommen. Weiter geplant ist, dass die Schweizer Traditionsmarke Elgg ein Revival erleben wird. Im Hintergrund wird fleissig gearbeitet, spruchreif ist hingegen noch nichts.

Kybunpark behält Namen

Produziert werden die Schuhe der Marke Kybun weiterhin in Sennwald und in Italien. Jene von Joya in Südkorea, der zweiten Heimat von Karl Müller IV. Langfristig erhofft sich das neue Unternehmen eine noch grössere Marktdurchdringung und damit noch höhere Absatzzahlen von Gesundheitsschuhen und weiteren Produkten im Bereich des gesunden Gehens und Stehens.

Nicht zuletzt, weil immer mehr Menschen die Bedeutung des natürlichen Ganges erkennen und dank den Schuhen von Kybun und Joya länger fit und schmerzfrei bleiben. Der Grundstein und die Strukturen für eine weitere Expansion werden nun mit dem jüngsten Schritt gelegt. Dies mit dem Ziel, den Menschen nachhaltig zu dienen und ihnen Lebensqualität zu schenken. Müller Junior möchte nicht in die Fussstapfen seinen Vaters treten, sondern daneben seine eigenen Spuren hinterlassen.

 

«Ich wünsche mir, dass ich mit der gleichen Leidenschaft unsere Kunden pflegen kann wie mein Vater. Strategisch werde ich auch Neues probieren, andere Blickwinkel in Betracht ziehen.»

Der Kybunpark behält trotz der Fusionierung seinen Namen und wird nicht etwa «Kybun Joya Park» heissen. Das Unternehmen erhofft sich, dass man den Vertrag nach Ablauf verlängern kann und dass künftig noch mehr Nati-Spiele durchgeführt werden.

Zur Unternehmerfamilie Müller
Karl Müller III hat 1997 den MBT-Schuh auf den Markt gebracht und revolutionierte mit der «abrollenden Sohle» die Schuhindustrie. Der MBT-Schuh verkaufte sich weltweit über zehn Millionen Mal. 2006 hat Karl Müller die MBT-Markenrechte verkauft.

Im selben Jahr gründete sein Sohn Karl Müller IV zusammen mit seinem Geschäftspartner Claudio Minder Joya Schuhe und entwickelte ein besonders rückenfreundlicher Schuh. Drei Jahre später lancierte Karl Müller III den Luftsohlen-Schuh Kybun und holte mit diesem die industrielle Schuhproduktion zurück in die Schweiz. Aktuell verkauft die Kybun Joya Gruppe 400'000 Paar Schuhe pro Jahr. 

Miryam Koc/pd