Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Magazin
15.04.2022
09.05.2022 15:44 Uhr

EZE im ICE: Solidarität unter trotzigen Kindern

Bild: SBB CFF FFS/stgallen24
stgallen24-Praktikant Patrice Eze pendelt jeden Tag mit dem Zug von Erlen über Romanshorn nach St.Gallen und zurück. Dabei begegnet er immer wieder komischen Gestalten oder wird Zeuge von skurrilen Momenten. Die Geschichten dazu teilt er in seiner Kolumne «EZE im ICE».

Kinder können unter Umständen ganz nett sein. Ausser man bewegt sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Dann sind sie fast immer laut und nervtötend. Dies durfte ich kürzlichst mal wieder hautnah miterleben. Auf dem Weg nach Hause setzte ich mich auf meinen Stammplatz im RegioExpress – auf einen der sechs Klappsitze.

Unmittelbar vor mir parkierte ein französisch sprechender Vater seinen Kinderwagen. Im Wagen mit drin leider auch seine zwei Kinder: ein Mädchen und ein Junge im Alter von etwa drei bis vier Jahren. Diese zwei Bengel hatten auch immense Freude daran, mit Postkarten, die es manchmal in diesen Ablagen im Zug gibt, zu spielen. Was ein Stück Papier in den Händen eines Kinder für Geräusche auslösen kann, hat mich überrascht.

Irgendwann hatte auch der Vater, welche wahrscheinlich mit seiner Frau am telefonieren war, genug und nahm seinen Goofen die Postkarten weg. Diese hat er dann wieder dort verstaut, wo sie hergekommen sind. Dass man von Rotze und Spucke überzogene Postkarten wieder auflegt, damit sie ein anderer mitnehmen kann, finde ich ein bitzli gruusig. Hashtag Corona.

Jedenfalls haben sich die Kinder das nicht gefallen lassen. So ist der Junge aus dem Kinderwagen geklettert und hat versucht, an seinem Vater vorbeizugehen. Leider ist der junge Mann erfolglos geblieben. Heftig niedergeschlagen von seiner fehlgeschlagenen Mission hat sich der Bube auf den Boden gesetzt und angefangen zu heulen.

Keine Minute später hat sich auch das Mädchen dazu entschieden, die Postkarten zurückzuholen. Doch vorher hat sie sich kurz zum weinenden Bruder hingesetzt und ihn getröstet. Dieser kleine «Jöö-Effekt» war aber nicht von langer Dauer. Kaum hat er sich beruhigt, will sie die Mission fortsetzen. Aber auch die Schwester blieb ohne Erfolg, gesellt sich zum Jungen und sie weinen umarmend gemeinsam.

Zum Wohle der Ohren der Fahrgäste hat der Vater dann nach fünf Minuten beschlossen, seinen kleinen Plagen die Postkarten wieder zurückzugeben. Hätte ich in den neun Jahren Französischunterricht, die ich hatte, mehr aufgepasst, wäre dieses Erlebnis sicherlich noch spannender zu beobachten gewesen. C'est la vie.

Gruss von EZE im ICE: Ja, die Strecke fährt man mit dem Thurbo und nicht mit dem ICE. Aber das Wortspiel war zu gut, um es liegen zu lassen. ;)