Home Region Sport Magazin In-/Ausland Agenda
Stadt St.Gallen
29.03.2022

Schweizer Wegschau-Strategie als Theaterstück

Bild: theatersg.ch
Das Theater St.Gallen bringt in der Ersatzspielstätte UM!BAU Max Frischs «Biedermann und die Brandstifter» auf die Bühne. Das «Lehrstück ohne Lehre» in einer Inszenierung von Christina Rast hat am Freitag, 8. April, 19.30 Uhr, Premiere.

Der wohlhabende Haarwasserfabrikant Gottlieb Biedermann gewährt zwei Hausierern Unterschlupf auf seinem Dachboden, obwohl die Zeitungen vor den Machenschaften übler Brandstifter warnen. Doch der knallharte Geschäftsmann sieht sich privat gern als Menschenfreund, der keine Klassenunterschiede macht und ganz gewiss kein humorloser Spiesser ist.

Böses ahnend, lacht Biedermann über die sich stapelnden Benzinfässer, die Zündschnur, die Zündkapseln, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. In der Hoffnung, man möge ihn verschonen, verköstigt er die Übeltäter mit gebratener Gans, reicht ihnen am Ende gar die Streichhölzer und geht damit offenen Auges seinem Untergang entgegen.

Lehrstück ohne Lehre

Max Frisch entwarf sein «Lehrstück ohne Lehre» vor dem Hintergrund der Schweizer Strategie des Wegschauens während des Zweiten Weltkriegs. Im Auftrag des Bayerischen Rundfunks entstand zuerst eine Hörspielfassung, nach einer weiteren Bearbeitung erlebte das Stück 1958 seine Uraufführung am Schauspielhaus Zürich.

«Ein Sinnbild für die Schweiz»

In St.Gallen kommt es nun in einer Inszenierung von Christina Rast auf die Bühne. Die Luzerner Regisseurin hat am Theater St.Gallen bereits «Matto regiert», «Die Gastfremden» und «König Lear» realisiert. Frischs Parabel hat in ihren Augen in den letzten Jahren noch an Brisanz gewonnen: «Biedermann steht einerseits für das Individuum eines Schweizer Unternehmers, der sich vom Staat nicht dreinreden lassen will. Die Figur ist aber auch ein Sinnbild für die Schweiz respektive die Schweizer Politik, die sich in Krisensituationen stets einer Positionierung verweigert, um sich keine Feinde zu machen.»

Auch bei «Biedermann und die Brandstifter» hat Rast ihre Schwester Franziska Rast als Ausstatterin an ihrer Seite. Die Musik stammt von Patrik Zeller, mit dem die Regisseurin ebenfalls schon mehrfach zusammengearbeitet hat, unter anderem für «Matto regiert». Es agiert das Schauspielensemble des Theaters St.Gallen mit Diana Dengler als Gottlieb Biedermann.

Inszenierung: Christina Rast
Ausstattung: Franziska Rast
Licht: Andreas Enzler
Musik: Patrik Zeller
Dramaturgie: Anja Horst
Regieassistenz: Maren Watermann 

Gottlieb Biedermann: Diana Dengler
Babette Biedermann: Anna Blumer
Anna, die Hausangestellte: Birgit Bücker
Schmitz, ein Ringer: Tobias Graupner
Eisenring, ein Kellner: Anja Tobler
Ein Polizist: Bruno Riedl
Ein Dr. phil.: Marcus Schäfer
Witwe Knechtling: Matthias Albold
Feuerwehrchor: Tabea Buser, Pascale Pfeuti, Matthias Albold, Christian Hettkamp, Bruno Riedl, Marcus Schäfer

Vorstellungen

Freitag, 8. April 2022, 19.30 Uhr (Premiere)
Sonntag, 10. April 2022, 19 Uhr
Montag, 11. April 2022, 19.30 Uhr
Mittwoch, 13. April 2022, 19.30 Uhr

Freitag, 6. Mai 2022, 19.30 Uhr
Dienstag, 10. Mai 2022, 19.30 Uhr
Donnerstag, 12. Mai 2022, 19.30 Uhr
Freitag, 13. Mai 2022, 19.30 Uhr
Sonntag, 22. Mai 2022, 17 Uhr
Sonntag, 29. Mai 2022, 16 Uhr

Donnerstag, 2. Juni 2022, 19.30 Uhr
Mittwoch, 8. Juni 2022, 19.30 Uhr

pez/pd