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Stadt St.Gallen
28.03.2022
25.05.2022 14:23 Uhr

Klimaaktivistin kritisiert E-Bikes und E-Trottis

Miriam Rizvi fragt sich: «Sind E-Trottinette und -Bikes wirklich der Schlüssel zur einer nachhaltigen Mobilitätswende?»
Miriam Rizvi fragt sich: «Sind E-Trottinette und -Bikes wirklich der Schlüssel zur einer nachhaltigen Mobilitätswende?» Bild: Archiv
Juso-Stadtparlamentarierin Miriam Rizvi sagt, dass Anbieter von E-Trottis und E-Bikes Greenwashing betreiben würden. Sie fordert den Stadtrat dazu auf, den Vertrag mit «Tier» nicht mehr zu verlängern.

«Die Mobilität verursacht rund 40 Prozent der gesamten Schweizer Treibhausgasemissionen. Unternehmen wie Tier, Voi und Bird bieten mit ihren E-Trottinetten in mehreren europäischen Städten, darunter auch St.Gallen, einen grünen Ausweg an. Recherchiert man jedoch die Auswirkungen solcher E- Trottinette und E-Bikes, löst sich die Farce des grünen Versprechens schnell auf. Kollektiv genutzte E-Trottinette sind kontraproduktiv zu den Klimaneutralitätszielen der Stadt St.Gallen», schreibt Juso-Stadtparlamentarierin und Klimaaktivistin Julia Rizvi in einer einfachen Anfrage an den Stadtrat. 

Greenwashing als Image-Strategie?

Sie bezieht sich auf eine kürzlich veröffentlichte Studie der ETH Zürich, die zeigt dass gemeinsam genutzte E-Scooter und E-Bikes oft zusätzliche Emissionen verursachen, statt sie zu reduzieren (stgallen24 berichtete). Dies lasse sich damit erklären, dass E-Trottinette und E-Bikes mehrheitlich Fahrten und Wege ersetzen, die bereits durch ein gutes öffentliches Verkehrssystem angeboten werden. Die Annahme, dass E-Scooter kurze Fahrten ersetzen, werde durch die Studie widerlegt, insbesondere in Gemeinden mit einem guten ÖV-Netz.

«Darüber hinaus werden E-Trottinette oft willkürlich im öffentlichen Raum abgestellt. Es ist bedauerlich, dass gemeinsam genutzte öffentliche Räume von Symbolen des Greenwashings besetzt sind. Greenwashing ist eine Image-Strategie, die darauf abzielt, die öffentliche Wahrnehmung als nachhaltiges Unternehmen zu verändern, während sie in der Praxis nur wenig zur Reduktion ihrer Emissionen beiträgt», so Rizvi.

«Greenwashing» ist eine Praxis, die den Verbrauchern, die einen Teil zur Sicherung einer nachhaltigen Zukunft für die nächsten Generationen beitragen möchte, aktiv täuscht. Greenwashing nehme laut der Klimaaktivistin wertvollen Raum im Kampf für Klimagerechtigkeit ein, indem es die profitorientierte Wirtschaft fortführe, anstatt tatsächlich Massnahmen zum Schutz des Planeten zu ergreifen.

Vertrag mit «Tier» läuft im Sommer aus

Die bestehende Bewilligung der Stadt mit «Tier» wird im Sommer 2022 auslaufen. Rizvi fordert die Stadt auf, die Genehmigung nicht fortzusetzen und sich auf sozial gerechte, effektive Methoden zu konzentrieren, um Netto-Null zu erreichen. Ausserdem will sie vom Stadtrat wissen, welchen Effekt die E-Trottis in Bezug auf die Reduzierung möbilitätsbedingter Emissionen haben, welche Massnahmen vorgesehen sind, um die Mobilität in der Stadt St.Gallen klimagerecht zu gestalten und welche Rolle E-Mobilität dabei einnimmt.

Antworten auf diese Fragen gibt es in der Stadtparlamentssitzung vom 14. Juni 2022.

mik/stgallen24