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Auto/Mobilität
19.03.2022
18.03.2022 11:44 Uhr

Emotionen treiben Entscheid für neue Mobilitätsformen

HSG-Professor Andreas Herrmann leitete die Studie
HSG-Professor Andreas Herrmann leitete die Studie Bild: pd
Eine repräsentative Studie der Universitäten St.Gallen und Luzern zeigt, wie es um neue Mobilitätsformen in der Schweiz steht und inwieweit Motive und Bedürfnisse die Akzeptanz und Nutzung beeinflussen. Kurzfazit: Der Bauch entscheidet mit.

Der neue «Swiss Mobility Monitor» fokussiert auf Motive und Bedürfnisse, welche die Schweizer Bevölkerung von der Nutzung neuer Mobilitätsformen abhalten oder aber diese begünstigen. Die Studie ist das Ergebnis einer erstmalig durchgeführten und für die Schweiz repräsentativen Erhebung, entstanden unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Reto Hofstetter (Universität Luzern) und Prof. Dr. Andreas Herrmann (Universität St.Gallen).

Der Swiss Mobility Monitor 2022 wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Mobilität der Universität St.Gallen, der Zürich Versicherung und AutoScout24 realisiert.

Die Erkenntnisse der Studie bieten sowohl Forschern eine Grundlage für weiterführende Projekte, als auch Experten aus Marketing und Vertrieb konkrete Ansatzpunkte, um Strategien für die zukünftige Vermarktung von Mobilitätsinnovationen wie beispielsweise Elektrofahrzeuge, Carsharing- oder multimodalen Mobilitätsangeboten – das heisst die Möglichkeit zur Nutzung mehrerer Mobilitätsformen für eine Wegstrecke – zu entwickeln.

Privatauto dominiert – Carsharing wenig verbreitet

Der Swiss Mobility Monitor 2022 verdeutlicht, dass die in der Schweiz lebende Bevölkerung aktuell hauptsächlich klassische Verkehrsmittel nutzt: Für ein Drittel der zurückgelegten Wegstrecken werden öffentliche Verkehrsmittel verwendet, für die verbleibenden zwei Drittel der Strecken fast ausnahmslos das private Auto.

Carsharing-Angebote sind bisher weniger verbreitet, jedoch haben sich 10 Prozent der Befragten vorgenommen, Carsharing-Angebote in den kommenden 12 Monaten zu nutzen. Sharing-Möglichkeiten werden in den nächsten Jahren eine zunehmende Wichtigkeit zugesprochen.

Im Vergleich zu Sharing-Möglichkeiten sind multimodale Mobilitätsangebote tatsächlich schon in der Schweiz angekommen: Knapp 50 Prozent der Befragten nutzen diese bereits heute für ihre zurückgelegten Wegstrecken.

Die Wahl individueller Mobilität ist emotional

Die weiteren Ergebnisse verdeutlichen, dass Mobilität oftmals ein sehr emotionales Thema ist. Grundlegende Konsumentenmotive wie Spass, «Flow», Kontrolle und Macht sind je nach Verkehrsmittel unterschiedlich ausgeprägt. Die Möglichkeit, in einen sogenannten Flow zu kommen, das heisst das Gefühl zu erleben, beim Fahren die Zeit zu vergessen sowie das Gefühl, Kontrolle über die gewählte Mobilitätsform zu besitzen, sind wichtige Faktor bei der Entscheidung für ein Verkehrsmittel.

Das macht sich auch bei den neuen Formen der Mobilität bemerkbar: Beispielsweise verbinden die Befragten das Erleben eines Flow-Moments und das Ausüben von Kontrolle tendenziell eher mit Fahrzeugen, die einen Verbrennungsmotor besitzen als mit Elektromotoren. Möglicherweise steht die Bevölkerung der Adoption von Elektromobilität auch deswegen bisher noch zurückhaltend gegenüber.

Bei Personengruppen jedoch, die bereits ein Elektroauto besitzen, zeigt sich bei den Mobilitätsmotiven ein entgegengesetztes Bild: So erklärt die Untergruppe der Elektroauto-Besitzer, dass sie hier das Bedürfnis nach Kontrolle, Macht, Spass und Flow signifikant stärkererfüllt sehen als bei Autos mit Verbrennungsmotor.

Hierzu ergänzt Mobilitätsforscher Professor Andreas Hermann: «Man muss die Elektromobilität einmal selber ausprobieren, um sie zu mögen.» Auch bei der Nutzung und Akzeptanz von Carsharing-Angeboten oder autonomen Fahrzeugen spielen Motive wie Kontrolle, Flow und Spassfaktor eine entscheidende Rolle: Sie sind entscheidend dafür verantwortlich, dass ein Grossteil der Befragten eher wenig von Carsharing-Angeboten oder autonomen Fahrzeugen überzeugt ist und zu privaten, selbstgesteuerten Fahrzeugen tendiert.

Auch hier zeigen sich jedoch interessante Unterschiede basierend auf dem persönlichen Mobilitätsverhalten: Personen, die bereits neue Mobilitätsformen wie Carsharing-Angebote nutzen, sind gegenüber neuen Mobilitätsformen eher positiver eingestellt.

Digitalisierung im Fahrzeughandel wenig spürbar

Die Digitalisierung und der Onlinehandel machen sich im Fahrzeughandel bislang nur geringfügig bemerkbar: Weniger als 7 Prozent der Studienteilnehmenden geben an, bereits online ein Auto gekauft zu haben. 88 Prozent der Befragten planen, für einen Autokauf weiterhin klassische Autohändler aufzusuchen.

Entgegen dem Trend in anderen Branchen spielt das Vertrauen in den Verkäufer beim Fahrzeugkauf eine zentrale Rolle: Die Ergebnisse zeigen, dass die in der Schweiz lebende Bevölkerung dem klassischen, stationären Autohandel – verglichen mit dem OnlineAutohandel – beim Erwerb von Autos grösseres Vertrauen entgegenbringt.

Die zusammengefassten Ergebnisse der Studie sind über die Website Swiss Consumer Studies abrufbar. Datengrundlage des Swiss Mobility Monitors ist eine für die Schweiz repräsentative OnlineUmfrage bei 1047 in der Schweiz lebenden Personen über 18 Jahren. Die Erhebung fand zwischen dem 9. und 15. Dezember 2021 in Zusammenarbeit mit LINK statt.

Der Swiss Mobility Monitor ist Teil der Swiss Consumer Studies des Instituts für Marketing und Analytics (IMA) der Universität Luzern. In den Swiss Consumer Studies werden in regelmässigen Abständen Studien zu aktuellen Themen des digitalen Konsumentenverhaltens und des digitalen Marketings veröffentlicht.

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