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Lifestyle
02.03.2022
02.03.2022 16:08 Uhr

Warum Konkurrenzkampf bei Mode aufhört

Ladeninhaber Mario Romano über die Männermodewelt
Ladeninhaber Mario Romano über die Männermodewelt Bild: mik
Seit über einem Jahrzehnt stattet Mario Romano im «Newman & Paul» Männer aus. In seiner Kolumne auf stgallen24 geht er den grossen und kleinen Fragen der Männermode nach und erklärt, warum Kleidung oft ein Spiegel der eigenen Wahrnehmung ist.

Es gibt so viele Theorien, warum Männer sich schwertun – vor allem in unseren Breitengraden – sich modischer, freudvoller und experimenteller einzukleiden. Das Wort Mode strahlt heute zudem nicht mehr dieselben Botschaften aus wie zu Zeiten der ganz grossen Designer.

Zur Mittagszeit sehen wir regelmässig Männer aus ihren Büros in Richtung eines Restaurants strömen

Bei einer Anzahl von fünf bis sieben Männern, sind diese farblich kaum zu unterscheiden. Die Farben Blau, Grau und Schwarz beherrschen das Bild. In der Welt der Mode wird dieses Phänomen auch gerne «Norm-Core» genannt und ist ein Unisex-Modetrend, der sich durch unauffällige, durchschnittliche Kleidung auszeichnet. Der Begriff ist ein Kofferwort aus den englischen Wörtern «normal» und «hardcore» und wurde von einer US-amerikanischen Marketingagentur geprägt.

Paradox ist, dass das männliche Wesen durch die Natur stets in Konkurrenz steht, sich mit den besseren Konzepten, Strategien und Lösungen überbietet und es jeder, jedem beweisen möchte. Im Blut ist der Mann ein Kämpfer, ein Erfinder, ein Schöpfer und tief in ihm steckt ein heimlicher Eroberer. Aber in der Kleidung passen sich Männer eher einer uniformierten Idee an – anstatt ihre Einzigartigkeit, Individualität oder Persönlichkeit durch einen eigenen Kleidungsstil zu unterstreichen. In den kommenden Kolumnen werden wir dies immer wieder neu in Augenschein nehmen.

Aber im Zuge der sich entwickelnden Emanzipation des Mannes kommt man an bestimmten Wendepunkten des Lebens mit der Frage in Kontakt, ist Karriere und Kapital alles was ich für mich will? In den ersten Schritten im Prozess der Selbstreflexion beginnen die meisten sich einmal äusserlich «anders» zu suchen. Das Ausbrechen beginnt oft mit einem neuen Sein. Dann wollen diese Männer auch wirklich gesehen werden. Und es ist dann egal, welche Marke sie kleidet, sie wollen im Spiegel etwas sehen, wo sie von sich selbst überrascht werden. Keine uniformierte angepasste zweite Haut, die sie Tag für Tag rumtragen. Damit ist keine Gockelhaltung noch eine andere destruktive Auftrittsrolle gemeint. Männer neigen dazu, sich fast vollkommen einer Sache hinzugeben, zu opfern und vergessen sich dabei oft selbst ...

Die Kleidung berührt uns Menschen im Grunde den ganzen Tag

Sogar wenn wir nackt schlafen, umhüllt uns Stoff die ganze Nacht lang. Durch die Kleidung tragen wir täglich uns selbst mit uns herum. Wenn wir nicht reden, noch irgendwelche informellen Gestiken von uns geben, ist die Kleidung ein enorm wichtiges Kommunikationsmittel.

Durch eine für sich bewusste ausgesuchte Garderobe, die in Farben, Muster und Schnitten uns Männer auszeichnen, sind wir jeden Tag gegenüber uns selbst sehr achtsam, und es besitzt im Kern etwas sehr Nachhaltiges – für die Umwelt, wie auch für das seelische Innere.

 

Mario Romano, Stylist und Ladeninhaber von «Newman &Paul»